AfD-Interessengruppe

Alternative über Alternative?

Seit dem vergangenen Wochenende gibt es eine "Alternative Mitte Sachsen". Mithilfe von diesem Bündnis sollen die Interessen von knapp 30 Mitgliedern der AfD zusammengeführt werden.
Wahlplakat AfD
Die Alternative Mitte in der AfD gibt es bereits in anderen Bundesländern.

Die "Alternative Mitte Sachsen" grenzt sich explizit von Frauke Petrys Blauer Wende ab. Sie verstehen sich als Teil der AfD.

Wir sind Mitglieder der AfD, wir stehen zu unserem Grundsatzprogramm und wollen keine neuen Sachen machen. 

Nico Köhler, Vorstandsmitglied der sächsischen AfD

Die Interessengemeinschaft möchte, dass die AfD 2019 Regierungsverantwortung übernimmt: Im Gegensatz dazu wollen andere Mitglieder der Partei hauptsächlich in der Opposition agieren. Weitere wichtige Themen seien Kriminalität, Kinder- und Altersarmut und Bildung.

Den Beitrag zum Thema finden Sie hier: 

Ein Studiogespräch von Peggy Fischer mit Moderator Manuel Anhut
 

Zusätzlich haben wir mit dem Politikwissenschaftler Dr. Hendrik Träger von der Universität Leipzig über das Thema gesprochen.

mephisto 97.6: Was kann eine solche Interessengemeinschaft innerhalb einer Partei ausmachen?

Hendrik Träger: Sie kann zunächst Mitglieder bündeln, die ähnliche Interessen vertreten. Eine Partei wie die AfD ist sehr heterogen, wo unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt werden. Da kann eine "Alternative Mitte Sachsen" Geleichgesinnte bündeln und etwas schlagkräftiger machen, beispielsweise im Hinblick auf einen Landesparteitag.

mephisto 97.6: Bekommen ihre Meinungen dadurch mehr Gewicht auf einem Parteitag?

Hendrik Träger: Nicht automatisch. Es kommt auf die Satzung der Partei an, meist sind es Delegierte der Kreisverbände, die zum Parteitag kommen. Aber auch Jugendorganisationen oder bestimmte inhaltliche Organisationen können Delegierte entsenden. Das ist meines Wissens nach bei der "Alternative Mitte Sachsen" noch nicht so. Aber man kann diese Interessengemeinschaft als Forum nutzen, um sich vor dem Landesparteitag oder bestimmten Entscheidungen abzustimmen und stärker formieren zu können. Ohne solche Interessengruppen sind die Mitglieder in Sachsen verteilt, kennen sich nicht richtig und arbeiten vielleicht nur sporadisch zusammen.

Was bedeutet denn die Bildung solcher Interessengruppen der AfD bundesweit?

Das ist ein normaler politischer Prozess. Auch wenn wir uns die anderen Parteien angucken, ist das nichts Ungewöhnliches. Beispielsweise die Linke ist eine sehr heterogene Partei, die auch viele Zusammenschlüsse und Foren hat, wie zum Beispiel die kommunistische Plattform. Es gibt auch Gruppierungen bei der SPD wie Seeheimer Kreis oder Parlamentarische Linke. Bei der CDU gibt es die Mittelstandsvereinigung oder die Christlich Demokratische Arbeitnehmerschaft. Also je nachdem, wie die Schwerpunkte der einzelnen Mitglieder liegen, können sie sich strukturell zusammenfinden und innerhalb der eigenen Partei stärker zusammenarbeiten. Man muss sich immer deutlich machen, auch eine Partei in der Größe der AfD ist nicht zwingend eine gänzlich homogene Gruppe.

Es ist also kein ähnlicher Prozess wie bei Frauke Petrys Blauer Wende.

Das haben die Gründer der "Alternative Mitte für Sachsen" ausdrücklich deutlich gemacht, dass sie sich von Frauke Petry und anderen aus der Partei Ausgetretenen distanzieren. Gleichzeitig zieht man auch eine Linie Richtung Rechtsaußen in der AfD und möchte einen Gegenpol bilden. Eine solche Interessengemeinschaft ist ja nicht die Erste - es gibt die Alternative Mitte innerhalb der AfD schon in anderen Bundesländern wie Thüringen oder Bayern.

 

Kommentieren

Pia Ebeling, Isabell Bergner
27.11.2017 - 20:15