Konzertbericht: Walls & Birds

„Alter das ist ja nur noch geil!“

Walls & Birds machen anspruchsvollen psychedelischen Pop im Jazz-Stil und Stand Up-Comedy mit Helge-Manier.
Titelbild Walls and Birds
Walls & Birds

Der Abend fing schon schön an! Vor dem Konzert im mjut war ich noch mit meiner Freundin etwas essen, bei Brothers. Unser Teller kam („Sieht mega geil aus!“), und meine Freundin aß schon mal eine Peperoni („Ist auch richtig lecker!“). War leider nicht unser Teller, sondern der eines hippen schlaksigen Typs. Er bekam sein Teller umsonst – glaube ich – und wir mehr Peperoni. Dann ging es ins mjut. Zehn Uhr Start an einem Mittwoch, zwei Bands (mich interessierte nur Walls & Birds), so bis zwei Uhr. Um halb elf war immer noch nichts passiert. Und dann gings los!

Ein Typ mit Glöckchen und Zylinder stellte sich auf die Bühne, die Band würde noch etwas brauchen, aber ob nicht jemand etwas könne. An dieser Stelle habe ich mich das erste Mal gefragt, ob er Musiker oder Schauspieler ist.

Jemand konnte etwas, ein Schlagzeuger. Dann ein hipper schlaksiger Typ, der sich an den Synthi setzte, natürlich der von Brothers („Das ist jetzt aber schon die richtige Band, oder?“), sonst wäre die Geschichte oben ja noch uninteressanter.

Intime Klänge mit geilen Höhepunkten

Um etwas ernsthafter zu werden: Diese performative Impro-Disposition wurde über die gesamte Konzertlänge nicht abgelegt. Bemerkenswert, wie sich die Band – inzwischen hatte eine vierte Person den Gesang übernommen, nachdem sie dem Typen mit Zylinder ein Hochzeitskleid angezogen hatte – im Halbkreis aufstellte: So sehen Jazzbands aus. Es wurden Blicke ausgetauscht, geredet, die Gitarre gestimmt („Gehört das jetzt mit dazu?“) und improvisiert („Alter, auf jeden! Die haben‘s mega drauf!).

Tja, wie kommt so etwas beim Publikum an? Ich hatte das Gefühl, dass mindestens die Hälfte aller Anwesenden - so viele waren es zwar nicht - nicht so Recht wussten, was da eigentlich passiert. Die Leute wurden unkonzentriert. Schade, man hätte die Irritation auch genießen können.

Und man konnte auch noch drüber diskutieren

Die Musik war übrigens umwerfend, packend, mitreißend und total divers. Wenn Walls & Birds einen Country-Song mit Akustikgitarre spielen, ist das natürlich ein Scherz, hört sich aber trotzdem super an! Musik, die ich am liebsten für mich alleine gehabt hätte. Intim, und mit perfekt platzierten Höhepunkten. Leider machten sich viele der restlichen Menschen das gesamte Konzert über lautstark mit Gesprächen über ihre Pläne für den nächsten Tag (Bouldern scheint zurzeit wirklich im Trend zu sein!) bemerkbar, und die übergroße Bar an der Seite der Bühne tat ihr übriges.

Am Ende entbrannte eine Diskussion, ob Teile vom Konzert oder besser der Performance „nicht doch echt waren“, der Sängerin ginge „es am Ende ja wohl deutlich nicht mehr so gut“. War mir egal. Ich hab‘s nicht gemerkt und habe es von vorne bis hinten genossen. Es war einfach unglaublich gut, und deshalb will ich eigentlich gar nicht mehr davon verraten. Wenn Walls & Birds in eurer Stadt spielen, geht hin.

Achja, noch zwei Sätze zum mjut, das war ja immerhin erst der zweite Konzert-Mittwoch überhaupt. Ich war auf der Opening-Party, die fand ich so lala. Aber für diesen Konzertabend bin ich sehr, sehr dankbar.

Geil, weiter so!

 

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Nico van Capelle
18.05.2018 - 20:23
  Kultur