#metoo

Als Frau auf das Äußere reduziert

Auch die sächsische Geleichstellungsministerin Petra Köpping äußert sich nun zur Sexismus-Debatte und berichtet von ihren eigenen Erfahrungen. Als Bürgermeisterin musste sie bereits sexistische Sprüche von Kollegen hören.
Frau im Mini-Rock
Als Frau nur auf das Äußere reduziert werden - diese Erfahrung hat auch Petra Köpping gemacht.

Im Oktober berichteten mehrere Frauen von sexuellen Übergriffen durch den US-amerikanischen Filmproduzenten Harvey Weinstein. Das löste unter dem #metoo eine Sexismus-Debatte in den sozialen Medien aus, der sich viele Frauen mit ihren Erfahrungen anschlossen. Dazu gehört nun auch die sächsische Gleichstellungsministerin Petra Köpping. Wir sprachen mit ihr über die Debatte.

Das Interview können Sie hier nachhören oder folgend nachlesen:

Moderator Lukas Raschke im Gespräch mit Gleichstellungsministerin Petra Köpping
1912 Interview Köpping

mephisto 97.6: Frau Köpping, Sie haben sich als Gleichstellungsministerin zur #metoo-Debatte geäußert und da auch von eigenen Erfahrungen in der Vergangenheit geäußert. Was genau ist Ihnen widerfahren?

Petra Köpping: Sexismus ist ein Thema, worüber Frauen nicht gerne sprechen. Wenn Sie sich vorstellen, Sie werden auf der Straße sexistisch angesprochen. Dann glaube ich, würden nur wenige Frauen den Weg zur Polizei suchen und Anzeige erstatten. Sondern man nimmt es so hin. Das ging mir als junge Frau ganz genauso. Ich kann mich erinnern, ich war Bürgermeisterin mit knapp über 30 Jahren und hatte besonders gute Fördermittelanträge für meine Gemeinde herausgeholt. Damals gab es ganz wenige Frauen in dieser Position – heute übrigens auch noch. Dann kam schon mal so ein Spruch: „Da hat sie ein kurzes Röckchen angezogen und deswegen hat sie auch den Fördermittelbescheid bekommen.“  Solche Äußerungen die weg sind von Leistung und auf eine Person zielen, die habe ich in meinem Leben mehrfach erlebt.

Hat sich in der Zeit danach etwas für Sie geändert? Wie nehmen Sie das Problem in Ihrer aktuellen, beruflichen Umgebung wahr – beispielsweise in Ihrer Partei oder im Landtag?

Ich bin erstmal sehr froh, dass es diese Debatte gibt und sie diese Öffentlichkeit gefunden hat. Dass sich nun viele Frauen trauen, über dieses Thema zu sprechen, dass es enttabuisiert wird. Weil das ein Thema ist, was nicht nur angenehm ist, gerade für eine Frau, darüber zu reden. Man muss ganz klar unterscheiden: Wann kriege ich ein Kompliment und was ist Sexismus? Und insofern glaube ich, dass diese öffentliche Debatte dazu führt, dass Frauen das einfach nicht mehr hinnehmen. Dass die neue Generation, die gerade heranwächst, viel offener damit umgeht und sich auch Hilfe sucht. Und dass sie auch weiß: Hier kann ich eine Anzeige stellen.

Spielt die Debatte im sächsischen Landtag auch eine Rolle? Wenn ja, wie wird sie von den einzelnen Fraktionen aufgenommen?

Ich habe noch nichts entdecken können, dass es da eine Diskussion gegeben hat. Mir geht es mehr um die gesellschaftliche Diskussion, was dieses Thema betrifft. Dass Frauen, denen das passiert, wissen, dass sie nicht dies hinnehmen müssen. Und andererseits wo können sie sich hinwenden. Ich versuch es einmal mit einem Vergleich. Wir hatten eine ähnliche Diskussion häuslicher Gewalt. Da war es auch ein Thema, welche Frau oder welcher Mann äußert schon gerne in der Öffentlichkeit, dass sie oder er häusliche Gewalt vom Partner oder der Partnerin erlebt hat. Aber mit dem Öffnen des Themas und der Einführung von Beratungszentren haben wir auf der einen Seite zwar mehr Fälle. Auf der anderen Seite gibt es aber auch mehr Aufmerksamkeit in der Gesellschaft. Und genauso ist es bei der Sexismus-Debatte. Wenn man danebensteht und mitbekommt, dass eine Frau sexistisch belästigt wird, dann sollte man auch eingreifen. Das passiert in den Fluren des Landtags weniger. Aber ich glaube, dass diese öffentliche Diskussion alle zur Wachsamkeit aufruft. Übrigens auch Männer, denen vorher nicht bewusst war, was sie da eigentlich gemacht haben.

Würden Sie sich wünschen, dass die Debatte auch in Landtagsdiskussionen aufgenommen wird?

Wenn es eine Notwendigkweit gibt, dann auf jeden Fall. Ich glaube, dass auch in Ministerien oder wo auch immer es solche Vorkommnisse gibt, dass es immer angesprochen werden muss. Mir ist das bis jetzt nicht bekannt. Aber auch dadurch, dass ich ein Interview gebe, rege ich die öffentliche Debatte dazu an. Ich wünsche mir das für alle Berufsfelder und somit auch die Politik.

Sie haben angemerkt, dass Sie von Frauen nicht explizit auf das Thema angesprochen wurden, obwohl Sie sich dafür verantwortlich fühlen. Wie können Sie den Betroffenen als Gleichstellungsministerin den Betroffenen helfen?

Auf der einen Seite haben wir unsere Antidiskriminierungsbüros, die wir in Leipzig, Chemnitz und Dresden einrichten. Auf der anderen Seite haben wir unsere Interventionsstellen, wo man hingehen kann, wenn man Probleme hat. Die haben sich bisher hautsächlich mit häuslicher Gewalt befasst, aber dort kann man sich durchaus Rat holen, wenn es um Sexismus geht. Dann ist es klar, da ist die Polizei, wenn es um eine Anzeige geht. Wenn man sexuell belästigt wurde, kann ich nur empfehlen, Anzeige zu erstatten. Und ich glaube, dass auch dort diese Diskussion durchaus dazu beiträgt, dass bei der Polizei so eine Anzeige auch aufgenommen wird. Vielleicht hat man in der Vergangenheit das ein oder andere Mal gesagt: Hab dich nicht so! Sondern heute ist das ins Bewusstsein aller Akteuee gerückt.

 

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