Frisch Gepresst: Courtney Barnett

Alles wird gut. Vielleicht.

2015 erschien Courtney Barnetts Debütalbum. Mittlerweile ist sie die Königin des Slacker-Rocks und liefert mit ihrem neuen Album den lang ersehnten Nachschub.
Courtney Barnett
Courtney Barnett hat mit "Tell Me How You Really Feel" ihr 2. Solo-Album raus gebracht.

Wie geht es dir wirklich? Diese Frage hat sich Courtney Barnett in den letzten Jahren wahrscheinlich nicht nur oft selbst gestellt, sondern musste sie auch selbst beantworten. Nachdem die introvertierte Australierin mit „Sometimes I sit and think and sometimes I just sit“ vor drei Jahren Jubelschreie aus sämtlichen Kritikern hervorlockte und mit Songs wie „Avant Gardener“ und „Depreston“ auf clevere Weise von ihrem mondänen Leben in Down Under sang, folgte eine ausführliche Tour um die ganze Welt. Schwierig für jemanden, der eigentlich lieber bis abends im Bett bleibt. Auch wenn sie sich in Interviews wortkarg gab, meisterte Barnett sämtliche Zwänge der Musikindustrie und brachte im vergangenen Jahr, gemeinsam mit Songwriter Kurt Vile, das Album „Lotta Sea Lice“ auf den Markt.

Allein im Park

„Tell Me How You Really Feel“ handelt weniger von Asthma-Anfällen im Garten, der Gentrifizierung der Innenstadt von Melbourne oder Hotelaufzügen, sondern ist persönlicher und wütender. Glaubt man „Hopefulessness“, litt Barnett an Selbstzweifeln und versucht in der eigentlich hoffnungslosen Welt den Funken Hoffnung zu finden und in „Need A Little Time“ gesteht sie, dass sie oft auch von sich selbst genug hat.

Neben diesen intimen Themen widmet sich die Australierin aber auch gesellschaftlichen Problemen, wie dem oberflächlichen Lebensstil vieler Berühmtheiten („Charity“), in den sie selbst so gar nicht reinpassen will. „I could eat a bowl of alphabet soup and spit out better words than you" – hat wohl mal ein Hater zu ihr gesagt, Barnett dreht ihm die Worte aber gekonnt im Mund herum und kontert in „Nameless, Faceless“, einem Statement gegen häusliche Gewalt, mit Worten von der kanadischen Autorin Margaret Atwood:

I wanna walk through the park in the dark. Men are scared that women will laugh at them. I wanna walk through the park in the dark. Women are scared that men will kill them.

Song: "Nameless, Faceless"

Nicht deine Mutter!

Genauso wie Barnetts Sicht auf die Welt, beginnt „Tell Me How You Really Feel“ mit dem gelangweiltesten Song der Platte („Hopefulessness“) in gewöhnt melancholisch, depressiver Stimmung. Die wundervoll vor sich hin gespielte Gitarren und dümpelnde Schlagzeuge lassen das Herz eines jeden Großstadt-Slackers aufgehen, aber dabei bleibt es nicht. „I’m not your Mother, I’m not your Bitch“ ist ein rockiger Ausflug in Richtung Riot Girl-Era, mit wütenden Vocals und wilder E-Gitarre. Auch wenn der Titel „Self Crippling Self Doubt and a General Lack of Self-Confidence“ nicht gutes befürchten lässt, klingt es dann aber doch so, also ob Barnett richtig viel Spaß am Musik machen hätte, vielleicht weil hier auch Kim Deal, bekannt von den Breeders, zu hören ist. Und wenn in "Walkin' on Eggshells" dann auch noch ein leises Klavier auftaucht, kann man Barnetts Hoffnung sogar hören.

Fazit

Courtney Barnett hat es wieder geschafft eine unglaublich gut geschriebene Platte im Indie-Rock Gewand zu präsentieren. Mit trockener Stimme und Humor ist „Tell Me How You Really Feel“ genau das, was man von der Australierin erwartet hat und auch wenn sich nicht so viele Hits wie auf dem Vorgänger wiederfinden, hört man Barnett doch gern beim Selbstreflektieren und Ausprobieren zu.

 

Kommentieren

Courtney Barnett: Tell Me How You Really Feel

Tracklist:

01. Hopefulessness
02. City Looks Pretty*
03. Charity
04. Need A Little Time*
05. Nameless, Faceless*
06. I'm Not Your Mother, I'm Not Your Bitch*
07. Crippling Self Doubt and a General Lack of Self-Confidence
08. Help Your Self
09. Walkin' on Eggshells
10. Sunday Roast*

*Anspieltipps

 

 

Erscheinungsdatum: 18.05.2018
Milk! Records

Courtney Barnett is demnächst live in Deutschland zu sehen:

11.06.2018 - Astra Kulturhaus (Berlin)

13.06.2018 - Live Music Hall (Köln)

Tickets gibt's hier