CD der Woche: Fleet Foxes - "Crack Up"

Alles, was man braucht

Lange war es um Fleet Foxes still. Die Band aus Seattle brachte 2012 ihr letztes Album raus. Nun sind sie mit „Crack Up“ zurück in der Musikwelt.
Fleet Foxes sind nach 6 Jahren mit ihrem neuen Album am Start.

Wer denkt, dass Freundschaften, die in der Schule geschlossen werden, ein Leben lang halten, liegt wahrscheinlich falsch. Oder sind sie noch mit ihrem besten Freund aus der 4. Klasse in Kontakt? Bei Robin Pecknold und Skyler Skjelset ist das anders. Die beiden lernten sich in der Schule kennen und wurden durch ihre gemeinsame Liebe zu Bob Dylan und Neil Young enge Freunde. Pecknold, der schon mit 14 Jahren auf seiner Gitarre das Komponieren angefangen hatte, kam auf die Idee eine Band zu gründen.

Zuerst nur zu zweit machten die beiden als „The Pineapples“ Musik. Schnell wurde dann aber auf den jetzigen Bandnamen Fleet Foxes umgesattelt. Später gesellten sich Josh Tillmann und Christian Wargo hinzu. Wegen des geringen Budgets entstanden viele der Songs für das erste Album in den Jugendzimmern der Bandmitglieder. Ein voller Erfolg wurde es trotzdem.

Album mit Konzept

Nach zwei erfolgreichen Platten wurde es ab 2012 still um die Indie-Folk Band. Grund dafür war der Ausstieg des Schlagzeuger Josh Tillmann, der lieber als Father John Misty solo unterwegs sein wollte. Sänger Pecknold nutzte die Zeit, um doch noch zur Uni zu gehen. Nach fünf Jahren hinter der Schulbank fühlte er sich jedoch wieder bereit, um an neuer Musik zu arbeiten.

Herausgekommen ist „Crack Up“. Laut Pecknold ein Konzeptalbum. Schon bei den ersten Tönen des Albums ist klar zu erkennen, dass Pecknolds Zeit in der Uni, ihm nicht gerade Orientierung bieten konnte. Album Opener "I Am All That I Need/Arroyo Seco/Thumbprint Scar" kommt nicht nur mit einem viel zu langen Titel einher, der langsame Gesang im Wechsel zum Einsatz der gesamten Band steht im dynamischen Kontrast zu Pecknolds in sich gekehrten Lyrics, wenn es heißt „I Am All That I Need“.

Diese Introspektion zieht sich durch das gesamte Album und man bekommt den Eindruck, dass Fleet Foxes mehr denn je auf der Suche sind. In „Third Of May/Odaigahara“ heißt es etwas „Was I Too Slow? Did I Change Over Night?“. Der Song beschreibt die Geschichte der Band, speziell die Freundschaft zwischen Pecknold und Skjelset.

Was I too slow? Did I change over night?

Fleet Foxes - Third of May / Ōdaigahara

Die sonst so optimistischen Hippie-Töne, die man von Fleet Foxes gewöhnt war, fehlen auf der neuen Platte fast komplett. Viel öfter sind jetzt traurige Balladen zu hören. „If You Need To, Keep Time on Me“ soll zwar auch auf die Freundschaft der beiden Bandleader anspielen, könnte aber genauso gut auch eine Liebesschnulze sein. Melancholie ist das vordergründige Thema von „Crack Up“. Auch „I Should See Memphis“ ist ein sehr dunkler Song, der sich mit berühmten Kämpfen der Menschheitsgeschichte auseinandersetzt.

Mit Posaunen und Trompeten

Fleet Foxes waren schon immer für ihre mehrstimmigen Chorsätze, raffinierten Lyrics und aufwendigen Harmonien bekannt. Jede Platte klang wie ein Soundtrack zu einem amerikanischen Roadtrip-Film. Auch auf „Crack Up“ setzt sich dieser kinematische Sound fort.

In „On Another Ocean (January / June)“ sorgen Trompeten und Posaunen für den dramatischen Effekt. Sonst bedienen sich Fleet Foxes gewohnt verspielten Gitarren und Klavierklängen. Diesmal sind aber auch die ein oder andere Ladung Synthies dabei. Zum Beispiel im Song „Fool’s Errand“. Alles clever in Szene gesetzt von Pecknolds drängendem Gesang. Für die treuen Fans gibt es sogar ein Easter-Egg: Der erste Song des Albums knüpft an den letzten Song des Vorgängeralbums „Helplessness Blues“ an.

Fazit:

„Crack Up“ ist ein Konzeptalbum. Ein Album für und über die beiden großartigen Köpfe der Band. Auch wenn ihre Musik unzugänglicher ist, als bei den Vorgängeralben, schaffen sie es immer noch den Zuhörer in andere Welten zu transportieren. Trotz der merkwürdigen Songtitel sind Fleet Foxes auch sechs Jahre nach ihrem letzten Album nach wie vor an der Spitze der Folk-Musik.

 

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Marie Jainta
14.06.2017 - 07:47
  Kultur

Fleet Foxes: Crack Up

Tracklist:

01 I Am All That I Need / Arroyo Seco / Thumbprint Scar

02 Cassius, -*

03 - Naiads, Cassadies

04 Kept Woman

05 Third of May / Ōdaigahara

06 If You Need To, Keep Time on Me*

07 Mearcstapa

08 On Another Ocean (January / June)

09 Fool’s Errand*

10 I Should See Memphis

11 Crack-Up

 

*Anspieltipps

Erscheinungsdatum: 16.06.2017
Nonesuch Records

Good to know:

Der Albumtitel ist eine Anspielung an die gleichnamigen Essay von F.Scott Fitzgerald.