Gratisrollenspieltag

Alles passiert im Kopf

Durch Computerspiele wie World of Warcraft sind Rollenspiele sehr bekannt geworden. Es gibt aber auch Rollenspiele, die schon vor dieser Art existierten. Dazu zählen die sogenannten Pen&Paper-Rollenspiele.
Charakterbögen, Würfel und Stifte. Mehr braucht man nicht zum spielen.
Charakterbögen, Würfel und Stifte. Mehr braucht man nicht zum spielen.

Auf einer Lichtung im Wald steht eine große, alte Gruft. Sie ist aus einem riesigen Felsen gehauen und hat ungefähr die Ausmaße eines Einfamilienhauses. Die Abenteurer sind fast am Ziel ihrer Reise. Aus unterschiedlichen Gründen haben sie sich auf den Weg zu dieser Gruft gemacht. Und jetzt stehen sie vor den Toren – doch wie gehen die auf? Jegliches ziehen oder drücken hilft nicht. Auf den Toren sind allerdings Schriftzeichen. Sie sehen aus wie Wellen. Und auch die Tür fühlt sich bei Berührung sehr feucht an. Anscheinend braucht man Wasser um die Tore zu öffnen. In der Nähe versickert ein kleines Rinnsal im Boden. Es führt weiter in den Wald und den Berg hinauf. Dort oben können die Abenteurer eine Chance haben genug Wasser zu finden, um die Tür zu öffnen.

Die ganze Welt entsteht im Kopf

Genau so klingt eine typische Szene in einem Pen&Paper-Rollenspiel. Es ist eine sehr minimalistische Art des Rollenspiels. Man braucht nur ein paar Bögen Papier und einen Stift. Natürlich gibt es auch Regeln. Aber bei Anfänger-Runden sind die sehr simpel. Wichtig bei Pen&Paper-Rollenspielen ist: Alles passiert im Kopf. Man benötigt sehr viel Fantasie. Es gibt keine Figuren, die die Spieler darstellen. Es gibt keine Landkarte. Aber auch gerade das macht Pen&Paper-Rollenspiele so besonders. Es gibt im Spiel kaum Grenzen. Alles, was man plausibel erklären kann, ist möglich. Ob etwas funktioniert wird per Würfelwurf entschieden. Dabei hat jeder Charakter Werte, die anzeigen, wie stark, schnell oder charismatisch jemand ist. Alle Auswirkungen und andere Charaktere der Spielwelt werden von dem Spielleiter kontrolliert. Er ist auch derjenige, der sich die Geschichte ausdenkt, die gespielt wird.

Die Vorurteile überwiegen

Solche Spiele sind aus Fernsehserien wie "The Big Bang Theory" bekannt. Allerdings sind diese Darstellungen sehr klischeebehaftet. Nur pickelige, junge Männer spielen so etwas im Keller. Um solchen Vorurteilen entgegen zu wirken, haben sich Rollenspielvereine in Deutschland zusammengeschlossen und den sogenannten Gratisrollenspieltag ins Leben gerufen. Dabei gibt es deutschlandweit Veranstaltungen, auf denen die Vereine über das Thema Rollenspiele informieren. Außerdem kann man zum Beispiel Pen&Paper-Rollenspiele Probe spielen.

In Leipzig hat der Verein Spielraum Leipzig die Veranstaltung organisiert. Veranstaltungsort war die Stadtbibliothek. Auch hier gab es die Möglichkeit Pen&Paper Probe zu spielen und sich allgemein zu dem Thema Rollenspiele zu informieren. Dabei war der Ort gut gewählt. Selbst diejenigen, die nichts von dem Gratisrollenspieltag wussten, hatten die Möglichkeit stehen zu bleiben und zuzuschauen. Und das taten auch viele junge und alte Menschen. Die Veranstaltung hat gezeigt, dass es zumindest ein gewisses Interesse an Rollenspielen gibt. Ob dadurch Vorurteile abgebaut werden können, muss aber offen bleiben. 

Ein Beitrag von Michael Buchweitz
 

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