Boiler Room in Leipzig

Alles nur Show?

Ein DJ, eine feiernde Partycrowd - und viele Kameras. Das Konzept der gehypten Partyreihe Boiler Room: Die ganze Party wird ununterbrochen gefilmt und live ins Internet gestreamt. Zum ersten Mal auch in Leipzig, im Technoclub Institut für Zukunft.
Das Institut für Zukunft befindet sich im Keller des Kohlrabizirkus.
Das Institut für Zukunft befindet sich im Keller des Kohlrabizirkus.

Der DJ wippt im Takt der Musik, dreht an den Knöpfen seines Mischpults, verschiebt die Regler. Er schaut kurz auf, lächelt und hält sich seine Kopfhörer ans Ohr, um den Übergang zum nächsten Track anzupassen. Hinter ihm bewegt sich die Menge der Raver ekstatisch zu den harten Bässen der treibenden Techno-Beats, einige reißen die Arme in die Luft, man hört Jubelrufe.

Eigentlich eine Party wie jedes Wochenende im Institut für Zukunft (IFZ), einem Techno-Club im Leipziger Süden. Heute gibt es nur einen markanten Unterschied: Die ganze Szenerie wird von insgesamt vier Kameras ununterbrochen gefilmt und auf Facebook und YouTube gestreamt. Tausende Leute auf der ganzen Welt beobachten den Exzess der Leipziger Raver – live und unzensiert.

Der Hype um Boiler Room

16.461.598 Mal wurde eines der bekanntesten Boiler Room Sets, das von DJ Solomun im mexikanischen Tulum, auf YouTube geklickt. Der YouTube-Kanal der Partyreihe hat weit über eine Millionen Abonnenten. Eine beeindruckende Zahl. Vor allem, wenn man bedenkt, dass auf den Videos meistens nicht mehr zu sehen ist, als ein DJ beim Auflegen und das sich zu den Beats bewegende Publikum im Hintergrund. Eigentlich kein besonders spektakulärer Inhalt. Was bringt also tausende Menschen dazu, sich die Boiler Room Videos anzuschauen? 

Diese Option ist nur für Bilder möglich.

Das Hauptmotiv ist wohl die Musik: Die DJs sind oft international bekannt und legen mindestens eine Stunde lang auf. House, Techno, Minimal – elektronische Musik in all ihren Facetten.

Einfach spontan vorbeikommen und sich in der Schlange einreihen funktioniert nicht.

Einen besonderen Reiz erhalten die Videos jedoch durch die Aura des Exklusiven, des Geheimnisvollen, die die Boiler Room Veranstaltungen ausstrahlen. Die Partys sind nicht für jeden zugänglich und finden in intimen Rahmen statt – eine Abwechslung gegenüber den Festival-Massenveranstaltungen. Bei einer Boiler Room Party mitzufeiern ist nur mit einem Gästelistenplatz möglich – einfach spontan vorbeikommen und sich in die Schlange einreihen funktioniert nicht. Man braucht Kontakte zu den Veranstaltern, den DJs oder den Clubbetreibern oder muss sich im Voraus für eine Verlosung anmelden, um einen Platz zugeteilt zu bekommen.

Boiler Room Sessions gab es bisher in über hundert Städten auf der ganzen Welt – in Deutschland regelmäßig in der Hauptstadt der elektronischen Musikszene, Berlin, und sonst in Großstädten wie München, Hamburg und Köln. Am 9. November, einem Mittwoch, zum ersten Mal auch in Leipzig.

„Ohne Gästeliste? Keine Chance.“

„9.11. IFZ Boiler Room“, sind die spärlichen Informationen, die das IFZ Anfang November via Facebook bekannt gibt. Kaum gelesen, starte ich eine Reihe von Versuchen, um an einen Platz auf der Gästeliste zu kommen. Zuerst versuche ich es über persönliche Kontakte und höre mich in der Szene um. Tatsächlich haben ein paar dieser Leute Gästelistenplätze bekommen, aber nie mehr als einen für sich selbst und maximal einen weiteren. Ich frage, ob ich es auch ohne versuchen könnte – „Reinkommen ohne Gästeliste? Keine Chance.“ Also bleibt mir nur übrig, an der Verlosung teilzunehmen, um doch an einen Platz zu kommen. Und tatsächlich – ich habe Glück. Am Montag bekomme ich die erhoffte Mail: „Application successful: You are on the guestlist for Institut für Zukunft.“

Erste Eindrücke

Es fühlt sich ein wenig seltsam an, an einem Mittwoch um 18:00 Uhr an eine Flasche Bier geklammert in der Schlange eines Technoclubs zu stehen. Als ich an der Reihe bin, fragen mich die Türsteher nach meinem Namen und suchen ihn auf der Gästeliste. Sie finden ihn nicht gleich, mein Herz klopft schneller – doch dann haben sie ihn, alles in Ordnung, ich kann durchgehen. 

Einlass IFZ
Wenn man Pech hat, kann man auch mal mehrere Stunden in der Schlange am Einlass des IFZ verbringen.

Sich jede Woche im IFZ herumzutreiben kratzt auf Dauer an den Ersparnissen: Normalerweise muss man für einen Abend um die zehn Euro Eintritt bezahlen. Aber heute ist es kostenlos – die erste Überraschung des Abends. Es geht durch einen Vorhang aus Plastikstreifen, dann nach links durch eine geöffnete Stahltür, einen grauen Gang entlang. Vorbei an der ersten Tanzfläche – geschlossen, dann ein paar Stufen hoch durch eine weitere Tür, an einer Sitzecke mit abgenutzten Bänken vorbei auf den großen Floor. Die zweite Überraschung: Auch dieser ist geschlossen, abgesperrt mit Baustellenzäunen.

Für die Boiler Room Party hat man sich etwas Besonderes einfallen lassen: Der Raum befindet sich hinter einer Stahltür, die beim normalen Clubbetrieb fest verschlossen ist. Er ist schmal und langgezogen, die Wände in tristem Grau, an der Decke laufen Metallrohre entlang. Er strahlt wie der Rest des Clubs einen industriell-kühlen Minimalismus aus. Der hintere Teil ist abgesperrt. Die hier herumstehenden Gegenstände erwecken den Eindruck einer Baustelle: Paletten und Bretter sind an die Wände gelehnt, der Boden ist sandig. Angestrahlt wird diese Kulisse von vier oder fünf Scheinwerfern, die im Rhythmus der Musik in blauem, violettem und weißem Licht aufleuchten und diese so einen Teil der düsteren Atmosphäre werden lassen.

Das DJ-Pult ist in der Mitte des Raums aufgebaut und wird von rotem Licht angestrahlt. Mitglieder der Boiler-Room-Crew huschen hektisch umher, drehen nochmal an den Kameras, versuchen die perfekte Einstellung auf den DJ zu finden. Bisher haben sich noch nicht viele auf die Tanzfläche getraut: Vielleicht fünfzehn Leute stehen dort in Grüppchen zusammen, halten sich wie ich an ihrem Bier fest und wippen leicht im Takt.

 Jetzt geht es los. Jetzt sind die Kameras an, jetzt sind wir alle live auf sämtlichen Bildschirmen der ganzen Welt zu sehen.

Endlich ist jener besondere Moment gekommen, in dem sich die Tanzfläche von einer Minute auf die andere bis zum äußersten Rand füllt. Alle stehen dicht an dicht gedrängt, in Reihen von beiden Seiten dem DJ-Pult zugewandt. Trotzdem wird ein respektvoller Zwei-Meter-Abstand zum DJ – und zur Kamera – eingehalten. Um sieben wird die Musik langsamer, leiser, und verstummt schließlich. Erwartungsvoll blicke ich nach vorn zum DJ Pult – gespannt auf das, was jetzt kommt. Jetzt geht es los. Jetzt sind die Kameras an, jetzt sind wir alle live auf sämtlichen Bildschirmen der ganzen Welt zu sehen. 

Hinter dem DJ-Pult stehen zwei junge Frauen. Die eine ist die DJ fr. JPLA, Resident und eine Mit-Gründerin des IFZ. Sie ist der erste Act an diesem Abend. Die dunkelhaarige Frau neben ihr bricht die Stille und spricht in das Mikrofon: „Welcome to Boiler Room Leipzig!“ Sie stellt das IFZ als einen linkspolitischen Club vor und beschreibt es als ein Kollektiv, das sich mit Partys, Workshops und anderen Veranstaltungen aktiv gegen Rassismus und für Feminismus einsetzt und so die Leipziger Clubszene bereichert. Sie endet mit den Worten:

„Let’s dance Leipzig!“

Fr. JPLA beginnt hart und düster. Sie hat einen ernsten, konzentrierten Gesichtsausdruck und wippt leicht im Takt der Musik. Das Publikum braucht länger als sonst, um aufzutauen. Viele reden noch miteinander, nippen an ihrem Bier, tanzen eher verhalten. Auch ich fühle mich noch ein wenig befangen. Es ist eine ungewohnte Situation, beim Feiern unter permanenter Beobachtung zu stehen – mit dem Wissen, im Internet verewigt zu werden.   

 

Im Laufe der Stunde gelingt es Fr. JPLA jedoch, mit ihrem minimalistischen Techno-Set die Menge der Raver anzuheizen und immer näher ans DJ-Pult tanzen zu lassen. Der nächste DJ ist n.akin, ebenfalls Resident und Mit-Gründer des IFZ. Sein Set ist experimenteller: Er spielt mit den Geschwindigkeiten, baut auch Passagen mit langsamerem Beat ein, um das Tempo danach wieder rapide zu steigern. Gegen Ende mixt er den wirren Text von „Tüdeldub“ von Jacques Palminger und Viktor Marek – dieser sprachlastige Track fällt so stark aus der Standard-Clubmusik heraus, dass er dieser Passage des Sets einen Beigeschmack von abstrakter Kunst verleiht. 

 

Hin und wieder wird der ganze Raum von einem weißen Lichtstrahl erhellt – um kurz darauf wieder in vollkommene Dunkelheit getaucht zu werden. An der Decke flackern und blinken immer wieder die Neonröhren und die Scheinwerfer auf und werfen ihr kühles Licht auf die tanzende Crowd unter sich.

Sie verlieren sich in der Musik und vergessen die Kameras – mit Sicherheit spielt dabei auch der steigende Rausch durch Alkohol und andere Genussmittel eine Rolle.

Die anfängliche Schüchternheit vor den Kameras hat mittlerweile der Großteil der Leute abgelegt. Die meisten tanzen jetzt losgelöster, manche fast ekstatisch. Sie verlieren sich in der Musik und vergessen die Kameras – mit Sicherheit spielt dabei auch der steigende Rausch durch Alkohol und andere Genussmittel eine Rolle. Einige scheinen gerade wegen der Kameras nach vorn zu drängen, tanzen in der ersten Reihe und verteidigen ihren Platz – immer im Sichtfeld der Kamera.

Nach seiner Stunde überlässt n.akin seinem Kollegen Perm das Feld. Perm legt live auf – und zwar analog. Dafür verwendet er ein anderes Mischpult als seine Vorgänger: Seine Technik nimmt ungefähr doppelt so viel Platz in Anspruch. An die hundert Knöpfe, unzählige Kabel, bunt blinkende Lichter. Dazu der DJ, der hochkonzentriertem Gesichtsausdruck zum Beat wippend auf all diesen Knöpfen herumdrückt – für mich als Laien ein ziemlich beeindruckender Anblick. Auch in seinem Set variieren Geschwindigkeiten und Stilelemente: In manchen Passagen unterlegt er seinen minimalistischen Techno mit markanten Acid-Sounds. 

 

Zwischen Bauchtaschen und Adidas-Shorts

Die Leute, die sich auf der dunklen Tanzfläche zu den tiefen Bässen und treibenden Beats bewegen, sind auch sonst auf der Tanzfläche des IFZ anzutreffen – wenn ich mich umschaue, blicke ich in viele bekannte Gesichter. Die gehören zu den unterschiedlichsten Typen: Vom Berghain-Raver in schwarzen Sportshorts und hochgezogenen Adidas Socken über den Dutt-tragenden Hipster mit Retro-Brille und Neunziger-Jacke bis hin zum tätowierten und gepiercten Skatertyp. Unterschiedliche Nationalitäten, Sexualitäten, Lebensentwürfe. Trotz dieser Vielfalt haben sie eines gemeinsam: Auf der Tanzfläche eines Mainstream-Studenten Club wird man den allergrößten Teil dieser Leute nicht antreffen. 

Genauso vielfältig wie ihre äußeren Erscheinungen sind die Reaktionen auf die Musik. Von konsequentem Von-Links-nach-Rechts-Stampfen bis hin zum ekstatischen Herumhüpfen und lauten Jubeln ist alles vertreten. Andere wiederum stehen fast bewegungslos auf der Tanzfläche, mit geschlossenen Augen in der Musik versunken und nur leicht mit dem Kopf im Takt wippend.  

Experimentell vs. tanzbar

Gegen 22 Uhr begibt sich Solaris an die Turntables. Sie beginnt mit einem langsamen, dumpfen Bass, dazu eine raue, flüsternde Männerstimme unterlegt mit sphärischen Klängen. Langsam steigert sie das Tempo, mixt Industrial-typische Maschinen-Sounds dazu. Sie wippt im Takt, lächelt, blickt manchmal auf in die Menge. Dann ist sie wieder hochkonzentriert, greift in ihren Plattenkoffer und holt eine neue Platte heraus. Acid gibt es häufig in ihrem Set: Gemixt mit Vocals, die an den Disco-Sound der Achtziger erinnern –  der Track ist düster angehaucht, die Bässe hart. In ihrer Stunde bildet Solaris eine ganze Bandbreite an Techno-Stilen, Sounds und Geschwindigkeiten ab, oft mit Gesang unterlegt.  

 

Vollkommen in der Musik versunken und mit geschlossenen Augen bewege ich mich zum Beat. Plötzlich werde ich zur Seite geschoben, drei Leute drängen sich nach vorn, direkt vor die Kameras. Zwei junge Männer und eine Frau. Zuerst halte ich sie für Selbstdarsteller, die sich auf den Bildschirmen der Welt sehen wollen. 

Auf dem Rücken der Frau steht in großen schwarzen Buchstaben mit Edding geschrieben: ‚I am not here to please you‘. Sie dreht sich um und tanzt mit dem Rücken zur Kamera.

Doch dann verstehe ich, warum sie das tun: Die Frau trägt ein schwarzes, enges Oberteil mit tiefem Rückenausschnitt. Auf ihrem Rücken steht in großen schwarzen Buchstaben mit Edding geschrieben: „I am not here to please you“. Sie dreht sich um und tanzt mit dem Rücken zur Kamera. Die beiden Männer halten Schilder hoch: Eines mit „Fuck“ eines mit „Sexism“. Das Trio nutzt die Live-Übertragung aus, um ihre Anti-Sexismus-Botschaft den tausenden Zuschauern mitzuteilen.

Die drei sind nicht die einzigen, die diese Gelegenheit ergreifen: Mehrmals an diesem Abend wird unter lautem Jubeln der Partycrowd eine riesige Israel-Flagge vor die Kamera gehalten. Das Datum der Boiler Room Session ist der 9. November – der Jahrestag der Reichspogromnacht 1938. Die Träger der Israel-Fahne wollen mit ihrer Aktion darauf aufmerksam machen, dass man 78 Jahre nach diesem Geschehen in einem deutschen, linkspolitischen Club feiert, als wäre nichts passiert – und so ein paar Leute aus ihrem Heile-Welt-Immer-Nur-Party-Rausch herausholen. 

Leibniz nennt sich der letzte DJ des Abends, gleichzeitig der zweite Live-Act. Er tänzelt vor dem Mischpult hin und her, wippt nicht nur, sondern bewegt seinen ganzen Körper im Rhythmus, scheint komplett in seiner Musik gefangen. In seinem Live-Set variiert er vor allem den Beat, beschränkt sich nicht nur auf reinen Techno, sondern spielt auch Breakbeats. Manchmal mit Industrial-Elementen und atmosphärischen Klängen, fast immer sehr düster und mit hartem Bass. Die Stimmung des Publikums ist auf dem Höhepunkt: Die Menge wogt, manche hüpfen auf und ab, reißen die Arme in die Luft, pfeifen und jubeln. 

 

Gegen Mitternacht wird die Musik noch einmal melodischer. Beim letzten Track allerdings lässt Leibniz den Bass noch einmal richtig knallen, um dann fast abrupt zu enden – die Boiler Room Session ist vorbei. Die Kameras werden ausgeschaltet, wir sind wieder offline. Genauso schnell wie sich die Tanzfläche vor fünf Stunden gefüllt hat, leert sie sich jetzt wieder. Nur wenige bleiben zurück. Ist es jetzt wirklich vorbei? Noch nicht ganz, noch, eine Stunde lang legt n.akin auf – diesmal allerdings mit deutlich weniger Publikum und leiseren Boxen. Um eins verstummt die Musik, die Lichter gehen an und die Gruppe der übriggebliebenen Raver verläuft sich langsam. Manche verlassen den Club müde und erschöpft von den zurückliegenden durchtanzten Stunden und machen sich auf den Weg nachhause ins warme Bett. Andere stehen in kleinen Grüppchen zusammen, unterhalten sich angeregt und lachend. Noch voller Energie und gut gelaunt machen sie sich auf den Weg zu Afterhours.      

Alles nur Show?

Es bleibt das Gefühl, dass das Ganze vor allem eine Entertainment-Show ist, in der die Techno-Szene sich selbst feiert. Der eigentliche Gedanke hinter dem Konzept Boiler Room: Auch die Zuschauer zuhause vor Computern und Fernsehern sollen an der Party teilhaben können. Fraglich ist nur, ob das Gefühl wirklich ins heimische Wohnzimmer transportiert werden kann – oder ob nicht eher Sehnsucht und ein wenig Neid in den Zuschauern geweckt wird. Vielleicht aber auch einfach Vorfreude auf die nächste Party.

‚Ich tanze in einem Boiler Room Video. Ich gehöre zu einem erlesenen Kreis von Insidern, zur Techno-Underground-Szene.‘ 

 Und es beschleicht einen das Gefühl, dass es für viele ein Ego-Push ist: „Ich tanze in einem Boiler Room Video, ich gehöre zu einem erlesenen Kreis von Insidern, zur Techno-Underground-Szene.“ Die Musik rückt dabei in den Hintergrund, und die Kameras werden zum zentralen Element der Veranstaltung. Bei Boiler Room im Institut für Zukunft wird sicher bei einigen Leuten der Fall gewesen sein. Ich denke trotzdem, dass bei dieser Party die Kameras eher zweitrangig waren und der Großteil des Publikums einfach Spaß an der Musik hatte.  Zumal die Tanzbarkeit und Massentauglichkeit der Musik den DJs weniger wichtig gewesen zu sein scheint – anders, als bei den typischen Club-Sets. Stattdessen kam es ihnen wohl eher darauf an, sich selbst auszuprobieren und zu experimentieren – diese Boiler Room Session im IFZ war fast schon eher Konzert als Party.

'Unsere wichtigste Regel: Keine Fotos.'

„Unsere wichtigste Regel: Keine Fotos.“ – so wird man normalerweise vom Türsteher des Institut für Zukunft begrüßt. Das IFZ sieht sich eigentlich als Rückzugsort vor Alltag und Öffentlichkeit, in dem sich die Gäste frei und unbeobachtet bewegen können. Deshalb wird Wert auf ein Fotografie- und Filmverbot gelegt.  So liegt auf den ersten Blick eine gewisse Ironie darin, dass eine Party, bei der alles ununterbrochen auf sämtlichen Kanälen live ins Internet gestreamt wird, ausgerechnet hier stattfindet. Vielleicht ist genau das aber der Grund, weshalb für die Boiler Room Session ein Raum genutzt wurde, der bei regulären Veranstaltungen geschlossen bleibt – ein Kompromiss.

Trotz der Kritik: Die Erinnerung an die unkonventionelle Musik, an die typische IFZ-Atmosphäre und die euphorische, mitreißende Stimmung bringt mich jetzt noch zum Lächeln. 

 

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Was ist Boiler Room?

„Broadcasting the underground“ ist das Motto von Boiler Room. Das Konzept: Fast täglich werden Musik-Sessions auf der ganzen Welt live auf verschiedenen Kanälen ins Internet gestreamt. Simpel - und erfolgreich: Boiler Room hat momentan 1,1 Millionen Abonnenten bei YouTube und gut 1,6 Millionen Likes bei Facebook. Was 2010 in London begann, in einem Heizungskeller und mit einer Webcam gefilmt, hat sich mittlerweile zu einer festen Größe der Clubkultur entwickelt. Der Schwerpunkt liegt klar auf elektronischer Musik. Seit einiger Zeit sind jedoch auch andere Genres hinzugekommen, wie zum Beispiel Soul und Hip Hop.

Diese Boiler Room Veranstaltung war die erste in Leipzig. Unter dem Namen „Broiler Room“ veranstaltet eine Gruppe junger Leipziger bereits seit 2014 eine Art Parodie auf die Partyreihe. Auch sie streamen Videos von ihren DJ-Sessions auf YouTube und Facebook – in der WG-Küche, statt im Club.