Frisch gepresst: Anteros

Alle lieben Anteros

Auf dem britischen Musikmarkt sind Anteros momentan eins der besten Pferde im Stall. Der Hype um sie ist beachtenswert - Fachpresse und andere Bands schwärmen von ihnen in den höchsten Tönen. Mit ihrem Debütalbum wollen sie beweisen: zu recht.
Anteros
Anteros

Anteros - der Gott der Gegenliebe. In der griechischen Mythologie ist er verantwortlich für alle Liebenden, deren Avancen auf Gleichseitigkeit beruhen und rächte jene, die verschmäht wurden. Mit vier jungen Londonern meint Anteros es momentan besonders gut: Laura Hayden (Gesang), Joshua Rumble (Bass), Jackson Couzens (Gitarre) und Harry Balazs (Schlagzeug) erwählten ihn als Namensvater für ihr Indie-Pop-Quartett und seitdem sind ihnen nationale und internationale Zuneigungen sicher. Seit ihrer Gründung vor fünf Jahren zogen Anteros immer mehr Aufmerksamkeit auf sich.

2015 veröffentlichten Anteros ihre selbstbetitelte Debüt-EP, 2016 und 2017 folgten jeweils zwei weitere. Wirklich behaupten konnten sie sich in den vergangenen Jahren aber dank ihrer Live-Qualität. Besonders Frontfrau Laura Hayden schlägt das Publikum als selbstbewusstes, charismatisches Energiebündel in ihren Bann, was der Band zu Supportslots bei Kollegen wie Two Door Cinema Club, Blaenavon oder den White Lies verhalf.

Wachstumsschmerzen en Mass

Seit dem ersten März können Anteros mit „When We Land“ jetzt auch ihr erstes Album vorweisen. Und das hat es in sich. Die Band bedient sich Dream-Pop-, Disco- und Rockelementen gleichermaßen und webt daraus schillernde Soundteppiche. Darauf trifft Haydens kraftvolle Stimme, die uns durch einen emotionalen Strudel führt. Die Texte sind mehr als der übliche Singsang um die große (gescheiterte) Liebe, sondern legen ihr Augenmerk lieber auf all, was drumherum schwimmt.

„Ordinary Girl“ ist ein Song, der von den oft endlos scheinenden Rückschlägen des Erwachsenwerdens handelt, geschrieben für Haydens kleine Schwester. In „Call Your Mother“ widmen sich Anteros der Sehnsucht nach Vertrautem und den eigenen Schwierigkeiten, sich an neue Lebenssituationen anzupassen:

Give me a sign
'Cause I'm busy floating in my mind
There's no need to run
And we're only twisting 21
Chasing the ghost in your bed
You get a grip or move ahead

Go call your mother, she can't make it better
Tell your father that you really fucked up

Anteros mit „Call Your Mother“

Bananen, Zimt und Tequila

Insgesamt ist „When We Land“ also eine Art Manifest des Erwachsenwerdens. Und dazu gehören nicht nur Ängste, sondern auch jede Menge andere Emotionen, die Anteros gekonnt zu verarbeiten wissen. Sie schreiben über das Auf und Ab des Datings - über Menschen, die sich selbst in der Beziehung zu wichtig nehmen („Breakfast“) oder die Schwierigkeiten Privat- und Berufsleben unter einen Hut zu bringen. Aber eben auch um das Zweifeln am eigenen künstlerischen Talent im Gegensatz zur harten Arbeit und dem Willen, das angestrebte Ziel zu erreichen.

„Wir klingen wie Tequila mit Bananen und ein wenig Zimt“ - fasst Hayden den Sound von Anteros scherzend zusammen und trifft den Nagel damit auf den Kopf. Anteros' Sound ist lebhaft und tanzbar, lässt traurige Inhalte nach Spaß klingen und hält so einige verführerische Hooks bereit. „When We Land“ markiert aber auch den Beginn einer neuen Phase in der Karriere der Band. Bisher haben sie sich mit EPs und Supportslots einen Namen gemacht. Jetzt sind sie bereit, endlich als Headliner wahrgenommen zu werden. Das Zeug dazu haben sie auf jeden Fall.

 

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Ariane Seidl
13.03.2019 - 11:53
  Kultur

Anteros: When We Land

Tracklist:

1) Call Your Mother
2) Ring Ring*
3) Honey
4) Afterglow
5) Drive On
6) Breakfast*
7) Ordinar Girl
8) Wrong Side
9) Let It Out
10) Fool Moon*
11) Anteros

*Anspieltipps

Erscheinungsdatum: 22.03.2019
Distiller Records