Kolumne

Alle Jahre wieder - Zwischen den Jahren

Die Kolumne. Immer freitags und immer mit den guten Fragen der Woche. Diesmal: Chiara Kempers über das Nichtstun und die Schönheit der Sprache.
Kolumne, Symbolbild, Redaktion
Was ist diese Woche passiert? Unsere Kolumnisten und Kolumnistinnen haben sogar Antworten, wenn sie gar nicht gefragt werden.

Die Kolumne zum Nachhören findet ihr hier:

Die Kolumne von Chiara Kempers
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Egal ob man sich in den letzten Wochen unterhalten hat, Zeitung gelesen, Podcast gehört oder auf Instagram rumgehangen hat – überall trifft man auf eine Redewendung: Zwischen den Jahren. Mal ganz abgesehen von den nervtötenden Fragen: wo bist du zwischen den Jahren oder was machst du zwischen den Jahren - auf die nämlich jeder die Antwort kennt: Zuhause und nichts, mal ganz abgesehen davon ist aber doch eigentlich das Schlimmste, dass man diese Redewendung so unhinterfragt hinnimmt.

Zwischen den Jahren. Denn wenn man mal genauer drüber nachdenkt ergibt das null Sinn.

Das Eine Jahr endet, und das Neue beginnt. Direkt. Überall spricht man also über einen imaginären Zwischenraum, indem man „besinnlich“ herumsitzen soll, zur Ruhe kommt und über sein Leben nachdenken soll. Stattdessen wird fröhlich gemästet und geschlafen. Nun gut, wenn die Zeit eh dröge und langweilig ist, kann es nicht mehr viel Schlimmer werden, dann kann ich auch auf Wikipedia rumhängen, hab ich mir gedacht: Und wenn ihr Gehirn nach der ungefähr dreifach so hoch wie empfohlenen Kalorienmenge pro Tag noch aufnahmefähig ist, dann Ohren gespitzt: Heute verwendet man diese Redewendung „Zwischen den Jahren“ meistens für die Zeit zwischen Weihnachten und Silvester. Das war aber nicht immer so. Ursprünglich ist damit nämlich die Zeit zwischen dem 24. Dezember und dem 6. Januar gemeint.
Das Ganze nannte sich auch „heilige zwölf Nächte“ oder geheimnisvoll: Rauhnächte.

Ja, und auch dieses Wort habe mit Plätzchenbauch auf dem Sofa hängend noch gegoogelt. Dieses Wort geht auf das mittelhochdeutsche „Rûch“ zurück, was so viel heißt wie haarig. Damals hat man nämlich geglaubt, dass in diesen zwölf Nächten mit Fell bewachsene Dämonen draußen ihr Unwesen treiben. Perfekte Ausrede dafür, das Haus in diesen Tagen also von nun an gar nicht mehr zu verlassen oder? Und tatsächlich ist diese Redewendung nur halb so falsch, wie ich dachte. Halt einfach nur ein bisschen eingestaubt. Als man sich nämlich noch nach dem Mondkalender richtete, in dem jeder Monat ungefähr 29 Tage hat, kann man sich ja ausrechnen was da rauskommt. Ein Jahr mit ca. 354 Tagen. Und als man sich dann nach dem Sonnenkalender richtete blieben da also jedes Jahr ein paar Tage übrig, die Zwischen dem Mond und dem Sonnenjahr lagen. Die „Zwischen den Jahren Tage“ eben. Also, es gibt bestimmt noch bescheuertere Redewendungen.

Die google ich dann nächstes Jahr, bestimmt. So, und ich hoffe jetzt haben Sie wenigstens was gelernt, Zwischen den Jahren.

 

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Chiara Kempers
04.01.2019 - 15:10