Suchtbericht

Alkohol bleibt größtes Problem

Alkohol bleibt die am häufigsten konsumierte Droge in Leipzig. Wie der Bericht des Gesundheitsamts zeigt, hat fast jeder zweite Besucher einer Behandlungsstelle ein Alkoholproblem. Bürgermeister Thomas Fabian möchte deshalb die Prävention stärken.
Die Alkoholabhängigkeit ist das größte Suchtproblem in der Stadt.

Fabian sieht dafür das meiste Potenzial bei Kindern und Jugendlichen. Denn gerade in diesem Alter sei die Gefahr besonders groß, durch frühen Konsum in Abhängigkeit zu geraten. Knapp 2.000 Menschen suchten eine Beratungsstelle wegen einer Alkoholabhängigkeit auf. Etwas mehr als das Doppelte davon betreuten die Leipziger Einrichtungen insgesamt. mephisto 97.6-Redakteur Linus-Benedikt Zosel sprach mit der Suchtbeauftragten der Stadt, Sylke Lein.

mephisto 97.6: Alkohol ist nach aktuellen Meldungen die am häufigsten konsumierte Droge und es ist auch weitestgehend gesellschaftlich legitimiert. Wie sollte man mit dieser Situation umgehen?

Sylke Lein: Ja, das ist auch richtig und dort liegt wahrscheinlich die große Problematik. Sehr wichtig ist es hier geltende Gesetze wie das Kinder- und Jugendschutzgesetz stringent einzuhalten und die Einhaltung gegebenenfalls auch zu kontrollieren. Einige Ausreiser in den letzten Jahren lassen sich auch über Preise regulieren, bestimmte Einschränkungen an bestimmten Verkaufsstellen, die ab und zu in der Diskussion sind. Das bedarf sicherlich einer längeren Auseinandersetzung. Das wird in den einzelnen Städten sehr unterschiedlich gehandhabt. Ich meine außerdem sollte man in Betracht ziehen die Werbung, die im öffentlichen Raum stattfindet. (...) Wir haben Straßenbahnen mit Bierwerbung, die durch die Stadt fahren. Jedes Fußballspiel wird beworben über Bierwerbung. Kinder werden permanent damit konfrontiert und sie können wahrscheinlich überhaupt nicht realisieren, dass da ein großes Gefahrenpotenzial ist. Und ganz wichtig - das würde ich noch anmerken - ist die Vorbildwirkung von Erwachsenen.

mephisto 97.6: Wie ordnen Sie dann übermäßigen Alkoholkonsum im Vergleich zu anderen Drogen ein, vor allem in Bezug auf ein Suchtproblem?

Sylke Lein: Da wir als Suchtberatung die Sucht als Krankheit behandeln, ist es nicht förderlich da Unterschiede zu machen. Eine Suchtwirkung hat natürlich auch Nikotin. Nikotinabhängige finden den Weg in Beratungsstellen so gut wie gar nicht. So können wir aber nicht sagen, dass wir keine Abhängigen in Leipzig haben. Da brauchen Sie auch nur auf die Straßen gehen.

Warum rutschen so viele Menschen in eine Alkoholsucht ab?

Studien belegen, dass circa fünf Prozent eine Alkoholabhängigkeit aus ihrem Konsum heraus entwickeln. Nur jeder Zehnte findet überhaupt den Weg in eine Beratungsstelle. Insofern ist die Dunkelziffer also weitaus höher, als das, was wir hier beschrieben haben und erfassen können. Eine ganz einfache Faustregel ist eigentlich, wenn sich jemand überprüfen möchte hinsichtlich seines eigenen Alkoholkonsums: Ein riskanter Konsum setzt schon an, wenn eine Frau mehr als ein Glas Alkohol am Tag trinkt und der Mann mehr als zwei Gläser. Dazu sollten in der Woche auch zwei alkoholfreie Tage eingehalten werden.

Das gesamte Interview können Sie hier nachhören:

Ein Interview von Linus-Benedikt Zosel
2010_suchtproblematik
 

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Pia Ebeling, Linus-Benedikt Zosel
20.10.2017 - 20:29