Seniorenumfrage

Älter werden in Leipzig

Im August vergangenen Jahres nahmen knapp 5.000 Leipziger Bürger zwischen 55 und 85 Jahren an einer Befragung zu ihrer allgemeinen Lebenssituation teil. Die Ergebnisse zeigen nun die größten Freuden, Sorgen und Wünsche des Älterwerdens.
Fragebogen, Älter werden in Leipzig
Die erste Seite der ausgeteilten Fragebögen

Das Leipziger Amt für Statistiken und Wahlen schickte die achtseitigen Fragebögen an 10.000 Bürger zwischen 55 und 85 Jahren. 52 Prozent der Angefragten antworteten darauf. Unter anderem gaben sie auf den Fragebögen Auskunft über ihre Erwerbsbeteiligung, Einkommens- und Wohnsituation, Wohnwünsche und ihre Lebenszufriedenheit. Darüber hinaus beschrieben sie aber auch, wie sie sich ihre Zukunft vorstellen.

Leipziger Senioren wünschen sich viel von der Stadt

Die Statistiken zeigen nun, dass beispielsweise 23 Prozent aller Befragten sich auf mehr Zeit für ihre Familie und Freizeit im Allgemeinen freuen. 17 Prozent blicken optimistisch auf die Entwicklung ihrer Gesundheit und glauben, dass sie noch lange fit bleiben werden. Gleichzeitig ist dies aber auch die mit Abstand größte Sorge der Leute. 49 Prozent haben Angst vor Krankheiten und anderen altersbedingten Gebrechen bei sich selbst aber auch im familiären Umfeld. Die nächstgrößten Sorgen betreffen die eigene wirtschaftliche Situation und die Möglichkeit krimineller Übergriffe. Angst vor Einsamkeit haben nur fünf Prozent aller Befragten.

Vorfreuden und Ängste, die auf eine sehr hohe Anzahl der Befragten zutreffen, gibt es also kaum. Geht es um Wünsche an die Stadt Leipzig zur Behandlung älterer Menschen, sind sich die meisten jedoch einig. Egal ob es sich um den Wunsch nach Wohnraum, Sitzgelegenheiten im öffentlichen Raum, gesundheitliche Versorgung durch Hausärzte oder öffentlich zugängliche Toiletten handelt. Die meisten Wünsche gehen von mindestens 80 Prozent der Befragten aus.

Sozialamt schätzt Lebenssituation gut ein

An den Wünschen der Senioren möchte sich die Stadt Leipzig nun stärker ausrichten. Laut Martina Kador-Probst, Leiterin des Sozialamts Leipzig, seien die Ergebnisse der Befragung eine gute Grundlage um Angebote für Senioren weiterentwickeln zu können. Man wolle vor allem mehr preiswerten, altersgerechten Wohnraum für die Bürger schaffen. Den Umfrageergebnissen zufolge wohnen momentan lediglich vier Prozent der Befragten in Wohnungen, die die Kriterien der Altenfreundlichkeit erfüllen. Auch soll es mehr Angebote für einkommensschwache Menschen geben. Das monatliche Einkommen der Senioren liegt im Schnitt bei 1.300 Euro. Zuletzt soll der öffentliche Nahverkehr in Zukunft barrierefreier gestaltet werden.

Kador-Probst schätzte die allgemeine Situation für Senioren heute in einer Pressekonferenz als gut ein. Die Ergebnisse würden zeigen, dass ältere Menschen gerne mithelfen etwas zu der Entwicklung der Stadt beizutragen. Das Interesse und Engagement der Leute sei groß, nur die Angebote noch zu unbekannt. Die Gefahr großer Altersarmut bestehe laut ihr nicht.

Das hat was damit zu tun, dass viele Frauen in Ostdeutschland auch lange Zeit selbstständig gearbeitet haben. Insgesamt ist die Armutsgefährdungsquote deswegen in Leipzig auch noch nicht so hoch, wie vielleicht in anderen Teilen Deutschlands.

Martina Kador-Probst, Sozialamtsleiterin

Wie verbringt man seine Zeit als Senior?

Auch im hohen Alter haben die meisten Leipziger Bürger noch vielfältige Interessen. Viele engagieren sich darüber hinaus auch noch ehrenamtlich. Seniorenbüros, die offene Arbeit für ältere Menschen anbieten, sind ungefähr einem Drittel der Befragten bekannt. Seit ihrer Einführung 2013 sollen sie sich bewährt haben. Es gibt aber auch viele Senioren, die mit den ganzen Angeboten nichts anfangen können und sich auch nicht als alte gebrechliche Menschen sehen. Die Hobbys der Leute sind in der Regel vor allem reisen, spazieren gehen, im Garten arbeiten und lesen. Aber auch der Besuch eines Sprachkurses oder das Basteln von Computerprogrammen, die automatisch Sudokus generieren, sind ausgefallene Hobbys, mit denen sich die ältere Generation Leipzigs gerne zu beschäftigen scheint.

Redakteurin Angela Fischer hat Passanten auf der Straße befragt, wie sie das Älter-Werden in leipzig wahrnehmen:

mephisto 97.6 Redakteurin Angela Fischer im Gespräch mit Moderator Carsten Richter.
0704 SG alt werden
 

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