euro-scene 2017

Abend aus einer Menge Illusion und Seide

Die amerikanische Pionierin des Modern-Dance Loie Fuller kreierte eine Choreografie, welche erstmals neu, anders und mit Lichtspielen auf der Bühne statt fand. Viele Jahrzehnte nach ihrem Tod rekonstruierte die Tänzerin Ola Maciejewska dieses Stück.

"Bombyx Mori" bedeutet so viel wie "Seidenspinner" und thematisiert somit auch die unterschiedlichen Lebensstadien dieses Tieres. Ola Maciejewska, geboren in Polen, betitelt ihre Choreografie nach einem Stück von Loie Fuller und lässt sich dabei auch bei den Kostümen inspirieren. 

Spannung liegt in der Luft...

Ein Tänzer-Trio bringt das Andenken an diese besondere Ikone auf die internationalen Bühnen und schafft dabei einen bleibenden Eindruck. Angefangen mit Theater und Kulisse lässt sich eine sehr schlichte und einfache Bühne im LOFFT Leipzig vorfinden. Der Hintergrund ist weiß und zeichnet sich deshalb noch kontrastvoller von den schwarzen Gewändern der Tänzer ab. Die Stimmung ist locker und Spannung liegt in der Luft. Drei Tänzer betreten endlich die Bühne und legen in Ruhe ihre schwarzen Seidenstoffe in Falten hin. Die Performance beginnt und das Publikum wird mit außergewöhnlichen und eigenwilligen Klängen aus den Lautsprechern auf eine Reise der Seidenspinner mitgenommen. Außerdem gestalten die drei Tänzer diese Töne teilweise selbst mit ihrem Mund durch zum Beispiel Schlucken oder Schnalzen mit der Zunge.

Formen und Bilder entstehen...

Die Kostüme aus schwarzer Seide, welche ebenfalls ein Hinweis auf den Titel des Stücks sind, werden schwungvoll eingesetzt und man erkennt berühmte Bewegungen von Loie Fuller, wie das Ausschwingen der Arme beim Tanz. Die Darsteller entwickeln sich von umherlaufenden Raupen zu Kokons und schließlich zu wunderschönen "Bombyx Mori". Währenddessen werden ständig neue Formen und Bilder in den Köpfen der Zuschauer kreiert. Die Figuren und Bewegungen verschwimmen durch den runden, bodenlangen Stoff und man erlebt eine Art optische Täuschung. Die entstehenden Geräusche durch die Bewegung der Kostüme sind essenziell für das Stück und treiben die Entwicklung voran. Eine Harmonie zwischen Ton, Tanz und Bewegung entsteht.

"Bombyx Mori" euro-scene 2017
© euro-scene Leipzig 2017, Foto: Martin Argyroglo, Paris

Fazit: Augenmerk auf dem Wesentlichen...

Alles in allem lässt sich zusammenfassen, dass Ola Maciejewska eine tolle Darbietung mit "Bombyx Mori" auf den Bühnen der Euro-Scene 2017 gelungen ist. Die unglaubliche Körperspannung und Ausdauer der Tänzer von Anfang bis Ende ist bemerkenswert. Maciejewska schafft es mit der einfachen Kulisse, das Augenmerk auf das Wesentliche zu richten und somit die Formen und Figuren unweigerlich in den Vordergrund zu rücken. Die Synchronität funktionierte nicht immer, aber die Illusion der Körper vervollständigt den positiven Eindruck meinerseits. Manchmal musste man erst wieder in die fantasievolle und ungewöhnliche Denkweise der Choreografie reinkommen, doch der ein oder andere Lacher konnte dem Publikum trotzdem entlockt werden.

 

 

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Stück bei: Ola Maciejewska

Inspiriert bei: Loie Fuller

Premiere in Deutschland: am 09.11.2017, in Leipzig

Bilder von: Martin Argyroglo, Paris