Ausstellungseröffnung

Ab morgen Kameraden!

Sie gilt als Sinnbild der friedlichen Revolution: Die Vereinigung der Nationalen Volksarmee NVA und der Bundeswehr. Das Zeitgeschichtliche Forum Leipzig dokumentiert nun den Fusionsprozess und stellt die Frage: Wie wurden aus Feinden Kameraden?
Die Austellung "Ab morgen Kameraden!"

mephisto 97.6 Redakteur David Straub hat sich die Ausstellung vorab angesehen:

mephisto 97.6 Redakteur David Straub hat sich die NVA Ausstellung bereits angeschaut
NVA

Die Wiedervereinigung gilt als einschneidendes Ereignis der jüngeren deutschen Geschichte. Weitgehend vergessen bleibt die Fusion der beiden deutschen Armeen, der Nationalen Volksarmee NVA und der Bundeswehr. Von gut 150.000 ostdeutschen Soldaten sollten nicht einmal 10 Prozent in die neue vereinigte Armee übernommen werden. Mit dem 3. Oktober 1990 bekamen die NVA-Soldaten nicht nur neue Uniformen, sondern auch neue Kameraden. Die ehemaligen Feinde aus dem westdeutschen Bereich waren über Nacht zu Mitstreitern und sogar Vorgesetzten geworden. Das überraschende daran war, dass der gesamte Vereinigungsprozess beider Armeen friedlich und ohne einen Schuss verlief. Das Zeitgeschichtliche Forum Leipzig dokumentiert seit vergangenem Donnerstag diesen Prozess mit der Ausstellung „Ab morgen Kameraden!“. Direktor Jürgen Reiche nennt den Weg zur „Armee der Einheit“ einen einmaligen historischen Vorgang.

Es ist kein Schuss gefallen. Es war ein Prozess ohne Vorbild.

 

Forumsdirektor Dr. Jürgen Reiche

So richtig erklären, wieso es bei der Vereinigung der beiden Armee friedlich blieb und niemand ernsthaft rebellierte, können weder der Direktor noch der Historiker Hanno Sowade. Sowade hat die Ausstellung maßgeblich konzipiert. Der ab den 80er Jahren zunehmende Unmut über das sozialistische System habe dazu geführt, dass die Zustimmung in der Bevölkerung sank. Sowade nennt das die innere Erosion der Gesellschaft, die auch vor der NVA nicht Halt gemacht habe.

Rundgang durch die Geschichte

Den Ausstellern ist es wichtig, den Zuschauern einen umfangreichen Blick auf das Zeitgeschehen zu liefern. Zu Beginn der Ausstellung werden daher erst einmal Besonderheiten der beiden Armeen gezeigt. Links findet sich ein Kinderpanzer der NVA auf dem Grundgerüst eines Trabanten. Mit diesem sollte die Jugend der DDR für das Militär begeistert werden. Rechts sind Uniformen und Aussagen von ehemaligen Bundeswehrsoldaten ausgestellt.

Kinderpanzer aus DDR-Zeiten

Ein Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf den sich überschlagenden Ereignissen Ende 1990, als die Bundeswehr den Befehl übernahm. In einem weiteren Abschnitt erfährt man, was mit den Kampfhubschraubern oder U-Booten der NVA geschah. Wichtig sei aber auch gewesen, die Herausforderungen der neuen, vereinigten Bundeswehr zu zeigen. Am Ende des Rundgangs lässt die Ausstellung deshalb noch einmal Zeitzeugen zu Wort kommen, die über die heutigen Herausforderungen der Bundeswehr berichten. Zudem zeugen Karten, Bilder und Ausrüstungsteile von Bundeswehrsoldaten von den aktuellen Missionen der vereinten Armee.

Die neue Bundeswehr ist ja nicht die Bundeswehr alt, plus einige NVA-Soldaten, sondern sie hat ja neue Herausforderung. Internationale Aufgaben werden stärker und da muss sich die Armee der Einheit drin bewähren.

Historiker Hanno Sowade

"Ab morgen Kameraden!" noch bis Herbst in Leipzig

 

Die Ausstellung schafft es, die Vereinigung der beiden Armeen als Sinnbild der friedlichen Revolution darzustellen. Dafür bedient sich nicht nur persönlicher Schicksale und Anekdoten, sondern wagt einen Ausblick auf die Herausforderungen der modernen Bundeswehr. Es wird klar, dass ohne die friedliche Revolution eine Vereinigung der beiden deutschen Armeen nicht möglich gewesen wäre. Mit diesem Wissen entlässt die Ausstellung den Besucher - über fünfundzwanzig Jahre nach der Wiedervereinigung.

Die Ausstellung "Ab morgen Kameraden!" ist bis Ende September im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig zu sehen.

 

Kommentieren

David Straub
20.03.2017 - 19:33
  Kultur