Portrait: Michael Peternek

Von der Blockflöte ins Gewandhaus

Michael Peternek spielt Cello und das schon seit neun Jahren im Gewandhausorchester. Er ist ein großer Bach-Liebhaber und deswegen mit Leipzig in genau der richtigen Stadt. Ein Portrait eines Musikers.
Michael Peternek beim Klassik Airleben
Michael Peternek beim Klassik Airleben

Musizierende fallen nicht vom Himmel. Talent spielt natürlich eine große Rolle. Aber genauso ein langer Atem und gute Förderung von klein auf. Michael Peternek hat, wie so viele, mit der Blockflöte angefangen. Mit acht Jahren wechselte er dann zum Cello. Später, nach der Schule, entschied er sich das Instrument im Hauptfach zu studieren – manchmal mehr, manchmal weniger erfolgreich.

Im Studium müssen wir auch Klavier lernen und spielen. Und das ist absolut nicht meine Stärke. In der Abschlussprüfung vom Diplom hat mich die Prüferin dann ganz mitleidig gefragt: Herr Peternek, klappt‘s denn auf dem Cello einigermaßen?

Michael Peternek, Cellist des Gewandhausorchesters

Harter Konkurrenzkampf

Davon hat sich Peternek aber nicht beirren lassen und ist über mehrere Stationen letzten Endes im Gewandhausorchester gelandet. Um bei einem Orchester angenommen zu werden, müssen Musiker sogenannte Probespiele ablegen. Die sind dabei alles andere als einfach.

Das muss man sich wie Bewerbungsgespräche vorstellen. Bei uns ist es aber so, dass wir vor dem gesamten Orchester vorspielen müssen, mit mehreren Runden, mit unterschiedlichen Stücken und natürlich extrem viel Konkurrenz.

Michael Peternek, Cellist des Gewandhausorchesters

Man muss sich also gegen viele andere durchsetzen, um Teil eines großen Orchesters zu werden. Da sollte man meinen diese Konkurrenz setzt sich auch im Orchester weiter fort. Peternek sieht das aber nicht so. Man helfe sich gegenseitig und so etwas wie eine Hackordnung gebe es nicht. Das gilt auch für den Dirigenten, obwohl der natürlich sagt, wo es langgeht.

Aber es ist nicht immer so, dass er das von oben herab in einer unangenehmen Autorität macht. Und unter den Kollegen ist es wirklich sehr schön. Es ist ein sehr kollegiales Verhältnis. Und ich glaube, wenn das gestört wäre, dann würde das der Zuhörer sofort merken und man kann dann auch nicht wirklich Musik machen.

Michael Peternek, Cellist des Gewandhausorchesters

Den Zusammenhalt stärken

Harmonie zwischen den Instrumenten, Harmonie zwischen den Musizierenden. Das klingt eigentlich ganz logisch. Dazu gehört dann natürlich auch, das ein oder andere Bier nach einem erfolgreichen Konzert. Denn das stärke den Zusammenhalt untereinander.

In der Regel gehen wir dann schon ein Bierchen trinken, auf jeden Fall. Meistens fängt es in der Kantine an und geht dann doch auch mal länger.

Michael Peternek, Cellist des Gewandhausorchesters

Wenn dann die Instrumente alle im Kasten verstaut sind, wird auch der ein oder andere Witz gerissen. Dabei wird auch gern mit Vorurteilen gespielt. Der typische Geiger, Pianist oder Saxofonist. Auch unter Musikern und Musikerinnen hat man seine Schubladen. Eine Gruppe von Musizierenden hat es dabei aber besonders schwer:

Unter den Musikern gibt’s das Pendant zu den Ostfriesen, über die Witze gemacht werden. Das sind bei uns Musikern die Bratscher und das gibt’s natürlich schon, aber man täuscht sich mittlerweile recht häufig, wenn man jemanden kennenlernt und schätzt, welches Instrument der oder diejenige spielt, was die dann tatsächlich spielen.

Michael Peternek, Cellist des Gewandhausorchesters

Der typische Cello-Typ

Also von spießigen Blechbläsern zum trinkfreudigen Geiger gibt es alles. Michael Peternek ist übrigens eher der typische Cello-Typ, was das auch immer sein mag. Letztendlich geht es aber um die Arbeit im Orchester. Dabei genießt er vor allem die Momente, wenn sich auf der Bühne der Zauber eines Stücks entfaltet. Und das manchmal völlig unerwartet.

Wenn wir zum Beispiel für ein Konzert anfangen zu proben und man liest das Programm und denkt sich so: Mhh, komisches Programm, komische Zusammenstellung, Dirigent kennt man nicht. Und auf einmal entsteht im Konzert etwas ganz besonderes. Das sind eigentlich die schönsten Momente, die es so gibt.

Michael Peternek, Cellist des Gewandhausorchesters

Zum Schluss nochmal ein Bratscherwitz: Wie viele Tonlagen gibt es auf einer Bratsche? – Drei: Erste Lage, Notlage und Niederlage.

Den Beitrag finden Sie hier zum Nachhören:

Portrait von Michael Peternek - Hannes Berger
1207 Portrait Cellist
 

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