Berlinale 2018

7 Tage Terror

2008 wurde Regisseur José Padilha auf der Berlinale für seinen Film "Tropa de Elite" mit dem Goldenen Bären geehrt. In seinem neuesten Berlinale-Beitrag namens "7 Tage in Entebbe" befasst er sich mit einer spektakulären Flugzeugentführung.
Szene aus "7 Tage in Entebbe"
Daniel Brühl und Rosamund Pike als Terror-Paar

Eine vierköpfige Gruppe aus Deutschen und Palästinensern entführt 1976 ein Flugzeug auf dem Weg nach Paris. Wilfried Böse (Daniel Brühl) zwingt die Piloten dazu, die Maschine nach Entebbe in Uganda zu fliegen. Israel soll mit dieser Geiselnahme dazu gezwungen werden, palästinensische Gefangen freizulassen. Auf dem heruntergekommenen Flughafen von Entebbe gewährt ihnen der Diktator Idi Amin (Nonso Anozie) Zuflucht. Sieben Tage lang wird die Maschine dort festgehalten, bis es zu einer spektakulären Gegenaktion kommt. Und auch zwischen den Entführern kommt es schnell zu ersten Konflikten.

Politik leicht gemacht

7 Tage in Entebbe steht vor einer riesigen Herausforderung, nämlich der Darstellung unfassbar komplexer politischer Zusammenhänge. Die ist so groß, dass das Projekt eigentlich schon im Vorfeld zum Scheitern verdammt ist. Dass die Mischung aus Politthriller und Charakterdrama nicht ganz aufgeht, wird da auch recht schnell deutlich. Der Film bietet mit der Darstellung seiner Figuren auf jeden Fall eine Menge Diskussionspotential. Werden die Verbrecher zu menschlich dargestellt, ihre Taten zu sehr verharmlost? Mit der Einordnung der politischen Motive der Entführer und deren Bezüge zur linken Revolutionären Zelle wird das Publikum nämlich eher allein gelassen. Am Ende ist diese moralische Grauzone, in die sich der Film voller Freude immer wieder hineinbegibt, jedoch mit der spannendste Aspekt an der Geschichte. Schauspielerisch muss man leider sagen, dass sich Daniel Brühl und Rosamund Pike eher nach Fehlbesetzungen anfühlen. Besonders letztere scheint zu sehr damit beschäftigt zu sein, möglichst grimmig in die Kamera zu schauen, anstatt ihrer durchaus komplexen Figur Leben einzuhauchen. In dem ungeheuer großen Figurenensemble fällt es schwer, echte Bezugspersonen auszumachen.

Tanz der Gewalt

Zugegebenermaßen: 7 Tage in Entebbe ist bei weitem nicht so mitreißend, wie sich im Vorfeld manche vielleicht erhofft haben. José Padilha gelingt es aber zumindest, einige wenige große Höhepunkte zu inszenieren. So steigt er ohne große Vorrede ein in sein Entführungsszenario. Zwischendurch wünscht man sich doch hier und da, die sieben Tage mögen etwas schneller vergehen. Spätestens am Ende zeigt Padilha jedoch sein ganzes Können. In einer wahrhaft spektakulären Sequenz schneidet er die militärische Befreiungsaktion mit einer Tanzperformance auf einer Theaterbühne zusammen. Eine intensive Szene, die sich im Gedächtnis festsetzt und gleichzeitig doch etwas wehmütig stimmt, wenn man bedenkt, warum der Film erst am Ende zu solcher Höchstform aufläuft. Bei solchen inszenatorischen Spielereien schaut man andererseits gern darüber hinweg, dass es der Nacherzählung dieses historischen Ereignisses immer wieder an Dynamik fehlt.

Fazit

An den Hype um Tropa de Elite kann der Regisseur mit seinem neuen Film mit aller Wahrscheinlichkeit nicht anknüpfen. Dazu sind die politischen Hintergründe zu oberflächlich aufbereitet und die Ausgangssituation hätte etwas mehr Spannung vertragen können. Dennoch ist 7 Tagen in Entebbe routinierte Thrillerkost mit einem grandiosen Höhepunkt.

 

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7 Tagen in Entebbe läuft im Wettbewerb der 68. Internationalen Filmfestspiele Berlin außer Konkurrenz.

Regie: José Padilha

Laufzeit: 107 Minuten

Cast: Daniel Brühl, Rosamund Pike, Eddie Marsan, Nonso Anozie und andere

Der reguläre deutsche Kinostart erfolgt am 03.05.2018