Evolutionsbiologie

Der Abstammung auf der Spur

Vor einigen Jahren wurde der Oberschenkelknochen eines Menschen in Westsibirien gefunden. Ein Leipziger Forscherteam konnte nun die DNA seiner Knochen entschlüsseln – sie ist 45.000 Jahre alt.
Das Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig.
Das Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig.

Bereits vor sechs Jahren wurde am Ufer eines Flusses in Ust'-Ishim in Westsibirien der fast vollständig erhaltene Oberschenkelknochen eines Homo sapiens gefunden. Ein Forscherteam um den Wissenschaftler Svante Pääbo vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig konnte nun das Erbgut isolieren und es mit dem von später in Europa und Asien lebenden Menschen vergleichen.

Aus der Genom-Analyse geht hervor, dass der Mann vor etwa 45.000 Jahren gelebt haben muss – etwa zu der Zeit, als die Vorfahren heutiger Europäer und Asiaten begannen, sich getrennt voneinander zu entwickeln. Wie bei allen heute außerhalb von Afrika lebenden Menschen enthielt auch das Erbgut des Mannes aus Ust'-Ishim Anteile von Neandertaler-DNA. Dieser ist bei ihm jedoch mit 2,3 Prozent etwas höher als der Anteil bei heutigen Europäern – welcher nach Angaben der Forscher bei 1,6 bis 1,8 Prozent liegt. Asiaten besitzen 1,7 bis 2,1 Prozent Neandertaler-Gene. 

Aus den Ergebnissen geht hervor, dass sich die Vorfahren des Mannes und die Neandertaler vor 50.000 bis 60.000 Jahren miteinander vermischt haben müssen – bislang gingen viele Wissenschaftler von einer durchaus größeren Zeitspanne von vor 37.000 bis 86.000 Jahren aus. Ausführlicher berichtet das Forscherteam über die Ergebnisse im Fachjournal "Nature". 

Moderatorin Susi Kraft im Gespräch mit mephisto 97.6-Redakteur Ole Zender.
 
 

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Elisa Marie Rinne
23.10.2014 - 16:19
  Wissen