Film: Lighter Than Orange

Vergessenes Leid

Im Vietnamkrieg sprühte das US-Amerikanische Militär Millionen Liter Entlaubungsmittel über die vietnamesischen Wälder – und vergiftete damit tausende Menschen. Die Folgen sind bis heute gravierend.
Eine vientnamesische Familie, Filmausschnitt
Noch heute leiden vietnamesische Kriegsveteranen und ihre Familien unter den Folgen des 'Agent Orange'

Von 1966 bis 1975 tobte der Vietnamkrieg. Circa vier Millionen Menschen, zum großen Teil Zivilisten, ließen in blutigen Kämpfen ihre Leben. Doch es sind nicht nur die Toten, die es zu betrauern gilt. Um auf den Schlachtfeldern einen besseren Überblick zu haben, versprühte das Militär der USA Millionen Liter aggressiver Herbizide zur großflächigen Entlaubung von Wäldern. Doch die in den Entlaubungsmitteln enthaltenen Giftstoffe richteten nicht nur bei Pflanzen erhebliche Schäden an; unzählige, nichts ahnende Vietnamesen atmeten kontaminierte Luft, tranken und wuschen sich mit vergiftetem Wasser. Die Folgen der Vergiftungen sind noch heute, 40 Jahre nach den letzten Einsätzen von den Mitteln, welche Namen wie "Agent Orange" oder "Agent Blue" trugen, an den Bewohnern betroffener Regionen zu spüren. Durch verändertes Erbgut kommen Kinder körperlich und geistig behindert oder nicht lebensfähig zur Welt.

Matthias Leupold, ein Berliner Professor für künstlerische Fotografie und digitale Bildmedien, stellte am 07.10.14 im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig seinen Dokumentarfilm "Lighter Than Orange". Der Film stellt etwa 20 vietnamesische Kriegsveteranen und ihre Familien, die unter den Nachwirkungen von „Agent Orange“ leiden, in Interviews vor.
Leupold selbst wurde auf das Thema von einem seiner Studenten gebracht. In kompletter Eigenfinanzierung reiste er mit einem Kamerateam nach Vietnam. Im "Dorf der Freundschaft", eine von einem US-amerikanischem Kriegsveteran errichtete Hilfestation für Opfer der Giftmittel, traf er auf die Veteranen, deren Schicksalsschläge er dokumentierte. Neben viel Trauer fand er dort auch lachende, fröhlich Kinder, die sich von ihren Behinderungen in ihrer Lebensfreude nicht einschränken lassen und trotz allem hoffnungsvoll in die Zukunft blicken. Das sei eine beeindruckende Erfahrung gewesen, so Leupold, und könne "zum Nachdenken anregen".

 

Matthias Leupold im Interview mit mephisto 97.6-Redakteur Manuel Anhut.
Lighter than Orange
 

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