Demonstration gegen Kürzungen

Bildung ist Zukunft

Die Stellenkürzungen an Universität Leipzig sind seit Wochen DAS Thema bei Studierenden, Lehrenden und auch in der Politik. Heute gingen die Menschen mit den Grundsätzen der Solidarität und des Zusammenhaltes in Leipzigs Innenstadt demonstrieren.
Demonstration
Demonstrationszug unter dem Motto "Kürzer geht's nicht".
Protestplakat für den Erhalt der Theaterwissenschaften.

Bis 2020 sollen an sächsischen Hochschulen bis zu 1042 Stellen abgebaut werden. Auch die Uni Leipzig ist betroffen: Vor gut einem halben Jahr hat das Rektorat der Universität verkündet, dass die Institute für Archäologie und Theaterwissenschaften schließen müssen.

Bewusstsein schaffen

Seither gab es verschiedene Protestaktionen des landesweiten Bündnisses "Kürzer geht's nicht" gegen die Stellenkürzungen: Fahrraddemos, Protestläufe, Demonstrationen. 

Adelheid Noack, Sprecherin der Konferenz Sächsischer Studierenschaften erklärt das Anliegen: Man wolle vor allem das Bewusstsein für aktuelle Probleme schaffen. Darauf basiert die Entscheidung zu einer Demo, der Einberufung des Bündnisses und der Petition, die noch bis zum 08.08.2014 unterschrieben werden kann.

Als schwarzen Peter sieht das Bündnis "Kürzer geht's nicht" nicht die Universität, sondern ganz klar die Landesregierung, die den Beschluss der Stellenkürzungen gefasst hat.

Drittfinanzierung: ja oder nein?

Fakt ist: Zu wenig Geld führt zu den Kürzungen. Die aufgekommene Diskussion über stärkere Finanzierung der Hochschulen durch Drittmittel aus privater Hand oder Unternehmen sieht das Bündnis kritisch. Gerade geisteswissenschaftliche Institute, die zu einer Volluni dazugehören, könnten keine großen Drittmittel einfahren.

Im Landtag ist man sich einig: Drittmittelfinanzierung sei wichtig. Über das Ausmaß wird allerdings diskutiert. SPD, Grüne und Linke sehen durch Drittfinanzierung die Forschungsfreiheit bedroht. Die FDP wiederum wünscht sich mehr private Investitionen. 

Entscheidung nicht vor 2015?

Derzeit würde noch kein Sachverhalt zurgunde liegen, anhand welchem man über die Kürzungen entscheiden könnte, so Geert Mackenroth, der für CDU im sächsischen Landtag ist. Erst im nächsten Jahr wird eine Evaluation stattfinden zur Überprüfung weiterer abbaubarer Stellen und einer Prognose über zukünftige Studierendenzahlen.

Claudia Maichler, Sprecherin des Landesvorstandes der Grünen, hält das für zu spät, weil

"die Kürzungen jetzt stattfinden, jetzt Strukturen zerstören, jetzt Institute zerstören und deswegen wir jetzt über diese Stellen reden. Das ist eine Entwicklung, die man auch nicht auf später verschieben kann, sondern die passiert jetzt."

Adelheid Noack kann sich vorstellen, dass die Aktionen noch Erfolg haben und die Stellenkürzungen zurückgenommen werden könnten. Denn ab 2015 wird der Bund die Bafög-Finanzierung übernehmen. Das Geld, was die Länder dadurch einsparen, könnte eingesetzt werden, um die Kürzungen abzuwenden.

Bildung braucht Zukunft

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Der heute veranstaltete Demonstrationszug unter dem Motto "Kürzer geht's nicht! Bildung braucht Zukunft" setzte sich zentral für eine nachhaltige Finanzierung der Bildung in Sachsen ein. Die konkrete Forderung der Demonstration: die sofortige Rücknahme aller Stellenkürzungen und die Ausfinanzierung des Bildungsbereichs von der Landesregierung. Auch auf anstehende Einschnitte im Hochschulbereich in Thüringen und Sachsen-Anhalt wird aufmerksam gemacht, sowie Kritik ausgesprochen.

Demonstration – Solidarität und Zusammenhalt

Unter den mehr als 5.000 Teilnehmern (Polizei schätzt 5.500, der Veranstalter 12.000) waren neben den sächsischen Studenten auch Demonstranten aller Generationen vertreten, unter anderem Schüler, Eltern und Mitarbeiter der Uni. Auch Teilnehmer aus Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Schleswig-Holstein positionierten sich gegen Kürzungen in der ganzen Bundesrepublik. Mit Start und Ziel am Augustusplatz zog der Demonstrationszug durch die Goethestraße, die Richard-Wagner-Straße zum Marktplatz und weiter über den Martin-Luther-Ring zum Simsonplatz zur Zwischenkundgebung und mit einem Bogen wieder zum Augustusplatz.

Auch bildungspolitisch Aktive, Gewerkschaften und Parteien unterstützten und befürworteten die Demonstration. "Die Hochschulen werden kaputt gespart" (StuRa Dresden), "Stellenkürzungen an Hochschulen sofort stoppen" (SPD), "Gemeinsam gegen den Stellenabbau", lauten zum Beispiel Äußerungen zur Problematik.

Parolen kennzeichneten die Forderungen:

" Wir sind hier und wir sind laut, weil man uns die Bildung klaut"
"Sie sagen Kürzen – wir sagen Stürzen!"
"Bildungsklau im ganzen Land – unsere Antwort: Widerstand"

Auf den Plakaten war zu lesen:

"Bildungsstandort Sachsen – eine Tragikomödie, jetzt auch in HD"
"Vorsicht! Wir kürzen zurück!"

 

Redakteur Manuel Rademacher im Gespräch mit Adelheid Noack, Referentin für Hochschulpolitik des StuRa Leipzig
RI Kürzungen Demo

 

Ein Beitrag über die Kürzungen von Manuel Rademacher.
BmE Kürzungen Demo

 

Ein Studiogespräch mit Redakteurin Julia Grünwald über die Demonstration.
Ein Studiogespräch mit Redakteurin Julia Grünwald über die Demonstration.

 

 

Kommentare

Super Artikel! Allerdings ist Adelheid schon eine Weile nicht mehr Hopo-Referentin, dafür aber eine von zwei Sprecherinnen der KSS (Konferenz Sächsischer Studierendenschaften) ;) Und noch eine kleine Anmerkung: die Zwischenkundgebung war auf dem Simsonplatz, der nichts mit einem gewissen Simon zu tun hat :)

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Pauline Bombeck, Luise Hopfmann
25.06.2014 - 22:05
  Wissen

Hier findet ihr den Aufruf zur Demonstration "Kürzer geht's nicht".