#Leipzig2030

350 Seiten Stadtentwicklung

Im Jahr 2030 könnten nach offizieller Prognose der Stadt 720.000 in Leipzig wohnen. Das bringt Herausforderungen mit sich. Um denen begegnen zu können, soll jetzt das "Integrierte Stadtentwicklungskonzept" - kurz INSEK - beschlossen werden.
Leipzig wächst. Ist das INSEK die Lösung?
Leipzig wächst. Ist das INSEK die Lösung?

Leipzig im Jahr 2030. Wie wird die Stadt aussehen? Wo werden die Menschen wohnen und wie werden sie sich fortbewegen? Schon heute entscheidet sich, wie die Antworten auf diese Fragen einmal aussehen werden. Diesen Monat wird das Integrierte Stadtentwicklungskonzept für Leipzig 2030 im Stadtrat beschlossen.

mephisto 97.6 Redakteur Levin Schwarkopf stellt es vor:

Ein Beitrag von Levin Schwarzkopf.
 

Visionen ohne Verbindlichkeit

Das INSEK bündelt die Visionen und Strategien für die Zukunft der gesamten Stadt. Alle wichtigen Themenbereiche werden darin behandelt, von bezahlbarem Wohnen über nachhaltige Mobilität bis hin zu Bildung oder Kultur. Außerdem gibt es für jeden der 63 Ortsteile eine einzelne Strategie. Ein Projekt, an dem über zwei Jahre lang gearbeitet wurde. Das Integrierte Stadtentwicklungskonzept wird von der Stadtverwaltung ausgearbeitet. Dabei handelt es sich um eine sogenannte informelle Planung. Eine Rechtsverbindlichkeit gibt es nicht. 

Vielmehr ist es eine Selbstbindung des Stadtrats, um zu sagen: Wir wollen in diese Richtung gehen und dies entsprechend auch umsetzen. Aber im Einzelfall kann auch eine andere Entscheidung fallen.

Stefan Heinig, Amtsleiter für Stadtentwicklung

Doch was passiert mit einem Zielbild, wenn es einmal beschlossen ist? Wer setzt es eigentlich um? Vor neun Jahren wurde schon einmal ein Stadtentwicklungskonzept erarbeitet, nämlich für Leipzig 2020. Nur leider hat die Bilanz gezeigt, dass es dem Zielbild an Verbindlichkeiten fehlte. Und so finden sich im neuen Konzept viele Probleme wieder, die auch im alten Konzept schon benannt wurden. Das betrifft vor allem Stadtviertel, die besonders viel Unterstützung brauchen, zum Beispiel Grünau oder den Leipziger Osten.

Die Zeit drängt

Wachsen wird Leipzig auf jeden Fall. Darin sind sich alle einig. Im Moment passiert dies schneller als in jeder anderen deutschen Großstadt. Und das Wachstum wird in Zukunft eine der größten Herausforderungen für die Stadt sein. Denn 720.000 Menschen brauchen mehr Schulen, eine andere Verkehrsinfrastruktur und – natürlich – Wohnraum. Und der soll auch für alle bezahlbar sein, zumindest wenn es nach den Autor*innen des INSEK geht. Nur leider ist gerade beim wichtigen Thema Wohnen der Einfluss der Stadt begrenzt. Die wichtigen Entscheidungen zu diesem Thema fallen auf der Bundesebene. Stefan Heinig sieht trotzdem einige Möglichkeiten, wie die Stadt bezahlbares Wohnen fördern kann. Die soziale Wohnungsbauförderung zum Beispiel.

Wir wollen gezielt schauen, dass wir damit in Quartiere hineinkommen, in denen sich die Mietpreise eher dynamisch entwickeln. Dazu hat der Stadtrat inzwischen den Beschluss gefasst, dass dort, wo neues Planungsrecht für Geschosswohnungsbau geschaffen wird auch 30 Prozent sozialer Wohnungsbau realisiert werden muss. 

Stefan Heinig, Amtsleiter für Stadtentwicklung

Die zweite große Herausforderung des Wachstums wird die Mobilität sein. Die Feinstaubbelastung ist in den letzten Jahren zwar gesunken. Doch gleichzeitig werden immer mehr neue Autos zugelassen. Damit auch 2030 alle ans Ziel kommen, müssen mehr Menschen auf die Verkehrsmittel des Umweltverbundes umsteigen, also auf Rad-, Fuß- und öffentlichen Nahverkehr. Von visionären Verkehrsprojekten wie einem neuen S-Bahn-Tunnel steht aber nichts im INSEK. Neben Wohnen und Mobilität gibt es noch neun weitere Fachkonzepte, mit denen sich das Konzept detailliert auseinandersetzt. Zum Beispiel kommunale Bildung, Sicherheit oder Kultur.

Und trotzdem bleibt "Leipzig 2030" ein Szenario, das sich nicht vollständig planen lässt. Viel wichtiger ist es, dass sich die Stadt so gut wie möglich auf das Wachstum vorbereitet. Gerade die Themen "Bezahlbares Wohnen" und "Nachhaltige Mobilität" müssen von allen Akteuren aus Wirtschaft und Politik angegangen werden. Sonst bleiben am Ende nur 350 Seiten bedrucktes Papier.

 

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