Tag der Stadtgeschichte

150 Jahre Leipziger Stadtarchiv

Zum Tag der Stadtgeschichte wurden am Donnerstag gleich zwei Jahrestage gefeiert. Das Stadtarchiv wie auch der Leipziger Geschichtsverein e.V. wurden beide vor 150 Jahren gegründet.
Das Alte Rathaus in Leipzig
Im Alten Rathaus wurde der Tag der Stadtgeschichte mit Reden und Vorträgen gefeiert.

In Vorträgen von Experten wurden beispielsweise der Geschichtsverein und das Stadtarchiv vorgestellt. Außerdem wurde an wichtige Leipziger Persönlichkeiten wie Gustav Wustmann erinnert. Wustmann war ein Leipziger Historiker und unter anderem Leiter des Stadtarchivs wie auch der städtischen Bibliothek.

Erste deutsche Eisenbahn startete in Leipzig

Die Veranstalter blickten gemeinsam mit ihren Gästen zurück auf die Leipziger Stadtgeschichte. Diese beinhaltet viele wichtige Stationen: von der Gründung des Leipziger Gewandhauses 1743, über die Industrielle Revolution im 19. Jahrhundert bis hin zu den Montagsdemonstrationen Ende der 80er. Beate Berger, die Direktorin des Leipziger Stadtarchivs, erklärte auch, wo wirklich die erste deutsche Eisenbahn in 1837 Betrieb genommen wurde:

Was viele nicht wissen: Die älteste Eisenbahn ist nicht die in Fürth, sondern die zwischen Leipzig und Dresden gebaut wurde.

Beate Berger, die Direktorin des Leipziger Stadtarchivs

Engagierte Persönlichkeiten der Stadt

Goerdeler, Bebel, Mendelssohn-Bartholdy und Bach - diese Namen sind den meisten Leipzigern sicherlich ein Begriff. Sie werden automatisch mit der Geschichte der Stadt in Verbindung gebracht. Eher unbekannt ist dagegen Gustav Wustmann. Seine Biografie war ein Schwerpunkt der heutigen Veranstaltung. Berger betont, dass Wustmann die Bedeutung der Stadtgeschichte in die konservative Geschichtsschreibung eingebracht hat, obwohl er nicht zum akademischen Kreis gehörte. Sein Publikum war dafür weitaus größer, seine Schriften waren bei den Leipzigern beliebt. Durch seine Arbeit im Stadtarchiv und der städtischen Bibliothek sicherte Wustmann zahlreiche Quellen.

Aber Beate Berger macht deutlich, dass auch Frauen in und über Leipzig hinaus gewirkt haben:

Louise Otto-Peters ist dafür eingetreten, dass auch Frauen das Recht haben müssen, sich selbst zu verwirklichen.

Beate Berger, die Direktorin des Leipziger Stadtarchivs

Das bedeutete für Otto-Peters zu arbeiten und eine Lebensaufgabe zu haben, die über die Versorgung von Mann, Eltern und Kinder hinausgeht.

Das Stadtarchiv zieht um

Ein weiteres wichtiges Thema der heutigen Veranstaltung: die Verlegung des Stadtarchivs. Bereits 1867 gegründet, gab es für das Archiv nie ein eigenes Gebäude. Nun hat der Stadtrat beschlossen, dass das Archiv in den ehemaligen sowjetischen Pavillon auf der Alten Messe ziehen soll. Für diese Entscheidung gab es laut Beate Berger gute Gründe, so zum Beispiel die Nähe zur Stadt. Außerdem sei das Archiv besser an öffentliche Verkehrsmittel angebunden und hätte im Unterschied zum Standort Schönefeld wissenschaftliche Einrichtungen in seiner Umgebung.

Leipzig ist eine Stadt mit einer sehr facettenreichen Geschichte, die laut Berger wach gehalten werden sollte. Ihr zufolge wollte das kleine Leipzig immer eine Großstadt sein. Und dennoch:

Es ist nicht zu leugnen, dass hier auch Weltgeschichte geschrieben wurde.

Beate Berger, die Direktorin des Leipziger Stadtarchivs

Den Beitrag zum Nachhören finden Sie hier:

Ein Bericht von Lea Ortmann über den Tag der Stadtgeschichte 2017
2311 Mitschnitt Stadtarchiv
 

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Lea Ortmann, Isabell Bergner
23.11.2017 - 20:52
  Kultur