Katholikentag 2016

11. Gebot: Kirchentag selber zahlen

In zwei Jahren wird Leipzig den 100. Katholikentag beherbergen. Etwa 80.000 Gäste werden erwartet. Zur Finanzierung dieses Groß-Events möchten die Veranstalter eine Million Euro von der Stadt bekommen. Diese Summe stößt jedoch auf Kritik.
Skulptur für Aktion "Das 11. Gebot"
Moses-Skulptur mit dem "11. Gebot" vor dem Alten Rathaus

Schon auf dem diesjährigen Katholikentag in Regensburg sorgte der überdimensionale Moses mit seinem „11. Gebot“ für Aufsehen. Dort entwickelte sich die Aktion mit Diskussionen und Workshops fast zu einer Gegenveranstaltung, berichtet Markus Görlich von der Giordano-Bruno-Stiftung. Er und seine Mitstreiter bemühen sich schon seit Langem darum, die Belange von Kirche und Staat zu trennen.

Aufmerksamkeit erregen bevor entschieden wird

In Leipzig besteht für die Stiftung erstmals die Möglichkeit auf die Finanzierungsstrukturen der Kirchentage aufmerksam zu machen – und das, bevor der Stadtrat über seine finanzielle Beteiligung entscheidet. Mit einem offenen Brief an die Stadt und der Kunstaktion im Leipziger Zentrum will die Giordano-Bruno-Stiftung verhindern, dass weiterhin öffentliche Gelder für Kirchenzwecke ausgegeben werden.

7 Millionen Euro Steuern für einen Kirchentag

Als Beispiel haben sie die Kosten der letzten Kirchentage seit 2001 aufsummiert. Fast 72 Millionen Euro kamen dabei aus öffentlichen Töpfen (von Bund, Ländern und Gemeinden). Im Durchschnitt zahlten die Steuerzahler sieben Millionen Euro jährlich für einen Kirchentag – egal ob evangelisch, katholisch oder ökumenisch.

Die traditionelle Drittelfinanzierung durch die Kirche und Teilnehmerbeiträge einerseits, und die öffentliche Hand andererseits sei heute nicht mehr angebracht, meint Werner Koch von der Giordano-Bruno-Stiftung. Denn mit etwa 36 Prozent sei eine Mehrheit der deutschen Bevölkerung heute nicht mehr konfessionell. Die öffentlichen Gelder kämen also einer Minderheit zugute.

Geteilte Meinungen auch im Stadtrat

Über einen wirtschaftlichen Gewinn der Leipziger Gastronomie und Hotels ist man sich auch nicht einig. Werner Koch glaubt, dass die Gäste des Kirchentags nicht viel Geld ausgeben werden, weil sie beispielsweise in Turnhallen oder privat übernachten würden.

Am Mittwoch wird sich der Stadtrat erstmals mit der Förderanfrage des Zentralkomitees der Katholiken befassen. Schon jetzt hat die Grünenfraktion eine Änderung angekündigt. Sie will nur 300.000 Euro des Stadtbudgets für den Katholikentag zur Verfügung stellen. Ausschlaggebend für sie war vor allem, dass das Land Sachsen schon 3 Millionen Euro für die Großveranstaltung zugesichert hat. Die Fraktion der CDU befürwortet einen Zuschuss von 1 Million Euro.

Moderator Raimund Groß im Gespräch mit mephisto 97.6-Redakteurin Stefanie Otto
11. Gebot

 

 

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