Kommentar

Ihr Kinderlein kommet

Ein Besuch ins Museum ist für Kinder und Jugendliche in Leipzig kostenlos. Dagegen ist jetzt aber der Chef des Sächsischen Museumsbundes, Joachim Breuninger. Er sagt, kostenloser Eintritt bringe nichts, um Familien ins Museum zu kriegen.
Die Besucher besichtigen die Ausstellungen
Eröffnungsveranstaltung im Museum der Bildenden Künste

Ich erinnere mich an diesen aufregenden Moment, als ich klein war. Das war im Kunstmuseum. Damals sagte mein Papa an der Kasse: „Sie ist vier!“ Ich sollte mich dann immer ein bisschen kleiner machen und süß gucken. Eigentlich war ich sechs. Davon abgesehen, dass mein Papa gerne sparte, wo er konnte, spielt das Eintrittsgeld für viele Familien also doch eine entscheidende Rolle.

Die Stadt Leipzig hat das heute offenbar kapiert – Eintritte für Kinder und Jugendliche sind in allen Museen kostenlos. Also eigentlich alles super, ihr Kinderlein kommet! Doch Halt. Irgendwer hat ja immer was zu meckern. Joachim Breuninger zum Beispiel, der Chef des sächsischen Museumsbundes. Er sagt, kostenloser Eintritt für Kinder bewirke nichts. Außer:

Mitnahmeeffekte für Besucher, für die der Kindereintritt kein Problem gewesen wäre.

Joachim Breuninger

Achso, jetzt verstehe ich. Nur Oberschicht-Eltern zerren ihre Kinder also ins Museum. Und im Museumsshop gibt’s dann ein überteuertes 3D-Bilderbuch.

Dass das ein Problem ist, erkennt Breuninger offenbar. Denn Museen würden nicht mehr alle Gesellschaftsschichten erreichen, unabhängig der Kosten. Sein Gegenvorschlag: Einfach wieder Eintritt verlangen! So ganz klar erscheint mir die Logik dahinter nicht. Natürlich verstehe ich, dass manche Eltern anders motiviert werden müssen, ins Museum zu gehen. Vielleicht über kindgerechtere Werbung. Oder Mitmach-Museen in Brennpunkt-Vierteln.

In Zukunft Eintritt zu verlangen, schafft für mich aber bloß neue Ausreden, doch zu Hause zu bleiben. Und Ja, Herr Breuninger, Sie sagen, der Zoo und die Schwimmbäder sind auch nicht kostenlos. Sogar 13 Euro kostet ein Kinder-Zooticket. Als ich mit dem Sohn eines Freundes dort war, wollte der auch nur die Affen sehen.

Aber wieso sollte Sachsen noch mehr Hürden schaffen, um Kindern Kultur näher zu bringen? Das tolle Flüstern, das nichts anfassen dürfen und dann doch etwas anfassen dürfen. Die Vorstellung, dass die Kette da fünf Mal so alt ist wie Oma. Studien zeigen, dass sogar bis zu 80 Prozent der Deutschen nie ins Museum gehen. Ernsthaft? Nicht mal Erwachsene schaffen es, sich zwei Stunden eine Ausstellung anzusehen? Dann braucht man sich vielleicht auch gar nicht wundern.

Aber ich darf Sie beruhigen, in den meisten Museen gibt es sogar Bildschirme. Mit Touchscreen. Ihre Kinder dürfen das von mir aus kostenlos haben. Ohne, dass sie sich dafür kleinmachen müssen.

Der Kommentar zum Nachhören:

Ein Kommentar Sarah Bötscher
Museum Kommentar

 

 

 

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Sarah Bötscher, Johanna Stolz
11.01.2019 - 17:56