Fantasy Filmfest 2018

Lovecraft in den Anden

Eine Mordserie in den Anden, ein verzweifelter Polizist und ein ekelhaftes Monster. Der argentinisch-französische Mysterythriller "Murder Me, Monster" wirft mehr Fragen auf als er beantwortet.
Szene aus "Murder Me, Monster"
Treibt hier ein Killer sein Unwesen?

Eine Frau bewegt sich auf die Kamera zu. Aus ihrem Hals quillt Blut hervor, bevor ihr Kopf vom Körper rutscht. Dieser schockierende Auftakt setzt bereits den düsteren Grundton für den Mystery-Grusel Murder Me, Monster, der nicht etwa in einem Spukhaus oder in einer abgelegenen Waldhütte spielt, sondern das Publikum in eine abgelegene Region in den Anden entführt. Hier werden immer wieder kopflose Leichen gefunden. Ein Mann, dessen Frau ebenfalls tot aufgefunden wurde, gerät nun ins Visier der Behörden. Der Polizist Cruz soll den Fall aufklären und beschuldigt den Witwer des Mordes, doch dieser ist der festen Überzeugung, das ein Monster hinter den Enthauptungen steckt.

Ein Film der leisen Töne         

Murder Me, Monster feierte seine Weltpremiere in Cannes und allein diese Tatsache suggeriert bereits, dass man sich hier auf einen eher kunstvollen, andersartigen Film gefasst machen muss, der mit schnellem Popcorn-Horror eher wenig gemeinsam hat. Alejandro Fadels Film lebt in erster Linie von seiner Atmosphäre. Murder Me, Monster ist ein surreal-verträumtes Filmrätsel, das zu eigenständiger Interpretation einlädt, anstatt jede aufgeworfene Frage zu beantworten. Besonders überzeugend sind dabei die sehr stilvollen Bilder gelungen. Hier reichen Motorrad-Lichter im vernebelten nächtlichen Wald aus, um eine fast märchenhafte, aber dennoch auch unheimliche Stimmung zu erzeugen. Die Aufklärung des Mordfalls kommt hingegen leider zu schleppend voran, um genug Spannung zu erzeugen, und so braucht man schon einiges an Sitzfleisch, um die knappen zwei Stunden zu überstehen.

Dass hier eine übernatürliche Macht ihre Finger im Spiel hat, wird recht schnell deutlich, und so wartet man nur noch sehnsüchtig darauf, dass das Fantastische doch endlich Bahn bricht und dem mäßig überzeugenden Charakterdrama rund um den depressiv wirkenden Polizisten als Hauptfigur und den Mann der verstorbenen Frau ein Ende bereitet. Im Finale in einer dunklen Höhle wird es dann auch angenehm unheimlich und wenn schließlich der Schleim aus den Mündern läuft, kommt sogar noch etwas Bodyhorror ins Spiel. Dazu glänzt das Kreaturendesign des titelgebenden Monsters mit seinem riesigen Maul und einem tentakelartigen Schwanz, das so auch aus dem Universum von H.P. Lovecraft entsprungen sein könnte. Die metaphorische Bedeutung dieses ekligen Unholds und die Frage, was hier eigentlich die ganze Zeit über passiert ist, muss das Publikum jedoch selbst beantworten.

 

Fazit

Murder Me, Monster ist ein atmosphärisches Stück Arthaus-Mysterykino, das jedoch insgesamt zu träge und bedeutungsschwanger geraten ist, um sein (Horror-)Publikum durchweg bei Laune halten zu können.

 

 

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"Murder Me, Monster" läuft beim Fantasy Filmfest 2018 in fünf deutschen Städten.

Screening-Termine

BERLIN – 10 Sep / 17.00 Uhr
MÜNCHEN – 17 Sep / 15.45 Uhr
HAMBURG – 17 Sep / 16.15 Uhr
KÖLN – 17 Sep / 16.00 Uhr
FRANKFURT – 24 Sep / 16.00 Uhr