Interview

Matthias Schweighöfer über "100 Dinge"

100 Tage, 100 Dinge. In ihrem neuen Werk rechnen Florian David Fitz und Matthias Schweighöfer mit der Konsumgesellschaft ab. Wir haben Herrn Schweighöfer zum Interview getroffen und seinen Film unter die Lupe genommen.
Szene aus "100 Dinge"
Schweighöfer und Fitz müssen ohne Konsumgüter überleben

Zwei Jahre nach der Tragikomödie Der geilste Tag sind die beiden Schauspieler Florian David Fitz und Matthias Schweighöfer erneut vereint. Fitz als Regisseur und Drehbuchautor, Schweighöfer als Produzent und Hauptdarsteller. In 100 Dinge spielen die beiden Seite an Seite zwei befreundete Männer, die in teuren Designerwohnungen leben, sich gern mal dem Kaufrausch hingeben und mit einem Start-up-Unternehmen eine neue App auf den Markt bringen wollen. Auf einer feucht-fröhlichen Party kommt es schließlich zur besonderen Wette: 100 Tage lang will man dem Konsum entsagen. Man startet mit keinerlei Gütern, jeden Tag darf sich ein Gegenstand zurückgeholt werden. Der Wettkampf zwischen den beiden Streitsüchtigen bringt sie schnell an ihre Grenzen, wenn man sich ohne Smartphone mal wieder mit sich selbst beschäftigen muss.

Den Beitrag zum Nachhören findet ihr hier:

Kinoredakteur Janick Nolting im Gespräch mit Matthias Schweighöfer über "100 Dinge"
Kinoredakteur Janick Nolting im Gespräch mit Matthias Schweighöfer über "100 Dinge"

Des einen Freud, des anderen Leid

Schweighöfer und Fitz haben zweifellos ihre eigene Nische im Kino gefunden. Seichte Unterhaltung, ein paar derbe Gags hier und da, eine nette Lovestory und bestenfalls noch ´ne Moral obendrauf. Das lässt die Fans offenbar immer wieder aufs Neue in Ekstase zergehen, während es vielen Filmkritikerinnen und Filmkritikern Tränen der Verzweiflung in die Augen treibt. Es lässt sich dabei nicht leugnen, dass die beiden zu den wenigen deutschen Filmemachern gehören, die dem Begriff Familienunterhaltung im vollen Maße gerecht werden. Auch 100 Dinge zieht mit bewährter

Matthias Schweighöfer
Matthias Schweighöfer stellt seinen neuen Film in Leipzig vor

Erfolgsformel wieder alle Altersklassen in die Kinosäle und der Großteil des Publikums geht danach zufrieden nach Hause.

Ein fairer Deal also und doch ist auch dieses Werk im Grunde genommen wieder weit entfernt von großem Kino. 100 Dinge fängt als sympathische Buddy-Komödie an, bevor sie sich wieder in dem üblichen, ermüdenden Gefühlskitsch verfängt. Man muss dem Film zumindest hoch anrechnen, dass die Charaktere von Schweighöfer und Fitz mit all ihren Ecken und Kanten, Intrigen und Schuldgefühlen ambivalenter gezeichnet wurden als anfangs gedacht.

Platte Konsumkritik

Ein solider Auftakt und ein überzeugender Cast (in Nebenrollen unter anderem Hannelore Elsner und Katharina Thalbach) nützen allerdings wenig, wenn in dem fast zwei Stunden und damit viel zu langen Film nichts Überraschendes passiert. Wenn die beiden Nackedeis durch das verschneite Berlin gerannt und ihre Kleidung zurückbekommen, geht es - natürlich - vor allem um die Liebe. Nach dem Aufstieg kommt der Fall, zwischendurch wird noch etwas auf die Tränendrüsen gedrückt und am Ende hat sich doch jeder lieb. Die platte Auseinandersetzung mit der Konsumgesellschaft reicht dabei selten über einen bloßen Denkanstoß hinaus und mäandert unentschlossen zwischen Kritik und Bestätigung.

Das Publikum soll doch gefälligst über das eigene Verhalten nachdenken und auf unnötige Dinge verzichten. Man selbst tut das aber nicht, immerhin gibt Matthias Schweighöfer selbst zu, dass sich an seinem Verhalten nichts geändert hat. So ganz ohne alles geht es eben doch nicht und 100 Dinge bleibt ein weiteres erkenntnisloses Fließbandprodukt, von denen es auch in den nächsten Jahren noch so einige geben wird.

Fazit

100 Dinge ist nette Familienunterhaltung mit charismatischem Schauspiel-Duo vor der Kamera, das sich jedoch erneut in durch und durch generischem Kitsch-Kino verheddert, dessen aufgesetzte Botschaft kaum ernst genommen werden kann.

 

Kommentieren

100 Dinge

Kinostart: 06.12.2018

FSK 6

Laufzeit: 111 Minuten

Regie und Drehbuch: Florian David Fitz

Cast: Florian David Fitz, Matthias Schweighöfer, Miriam Stein, Hannelore Elsner, Katharina Thalbach und andere