Filmkritik

Mary Poppins` Rückkehr: Zum Davonfliegen

Disney zieht in den letzten Tagen des Jahres noch einmal alle Register und lässt in "Mary Poppins` Rückkehr" das berühmteste Kindermädchen der Welt noch einmal über die Leinwand fliegen.
Szene aus "Mary Poppins Returns"
Mary Poppins kümmert sich um den Nachwuchs der Familie Banks

Supercalifragilisticexpialigetisch, heißt es wieder. Die Disney-Studios sind weiterhin groß dabei, alte Klassiker aus dem Schrank zu kramen und neu aufzulegen. Nächste Station bei diesem Vorhaben ist Mary Poppins von 1964, einer der ganz großen Klassiker der Micky-Maus-Traumfabrik. Damals gab es fünf Oscars (unter anderem für die Spezialeffekte und die beste Schauspielerin), die Songs wie Chim Chim Cher-ee oder A Spoon Full Of Sugar sind auch heute noch weltberühmt. Ganze 54 Jahre wurde sich Zeit gelassen, bis nun die fliegende Nanny noch einmal auf eine neue Mission geschickt und die Geschichte der Familie Banks weitererzählt wird.

Im Kirschbaumweg nichts Neues

Etwa 20 Jahre nach der Geschichte des Originalfilms sind die Geschwister Michael und Jane, gespielt von Ben Whishaw und Emily Mortimer, inzwischen erwachsen, leben immer noch in der Cherry Tree Lane und haben mit allerhand Problemen zu kämpfen. Michaels Frau ist verstorben, seine Kinder und er haben den Verlust immer noch nicht überwunden.

Szene aus "Mary Poppins Returns"
Nachts wird Ballett getanzt!

Dazu macht ihnen in den 30er Jahren die Wirtschaftskrise schwer zu schaffen. Das Geld ist knapp, das Haus droht ihnen von der Bank unter der Führung des schmierigen William Weatherall Wilkins weggenommen zu werden. Doch Hilfe naht, denn während eines Sturms kommt schließlich Mary Poppins angeschwebt, um der Familie Banks erneut aus der Patsche zu helfen.

Emily Blunt (Sicario, A Quiet Place) tritt in dieser Fortsetzung als Mary Poppins in die Fußstapfen der legendären Julie Andrews und zeigt eine beeindruckende Leistung. Sie verkörpert das Kindermädchen mit Würde, Eleganz, einer Strenge und dann gleichzeitig wieder mit einer Zerbrechlichkeit, sodass sie sich nicht ohne Grund Hoffnungen auf einen Golden Globe und wahrscheinlich sogar einen Oscar machen darf. An ihrer Seite wurde in Mary Poppins´ Rückkehr gleich ein ganzer Haufen an hochkarätigen Stars zusammengetrommelt, darunter Colin Firth und Oscar-Dauergast Meryl Streep, die die schräge Verwandte von Mary Poppins spielt, bei der die Welt sprichwörtlich kopfsteht.

Filmischer Zuckerschock

Optisch kann dieser Neuauflage wenig vorgeworfen werden. Die Kulissen, die liebevolle Ausstattung, die aufwendig gestalteten Kostüme - Mary Poppins` Rückkehr sieht wunderschön aus. Im Mittelteil macht Regisseur Rob Marshall (Into The Woods) wie im Original sogar einen Abstecher in eine kunterbunte, psychedelische Zeichentrickwelt, im Hintergrund spielt das Orchester bei den neuen Songs zwischen Walzer und Marschmusik groß auf. Das war es aber auch schon mit dem Positiven!

Mary Poppins Rückkehr
Disney lädt zur LSD-Dis

Mary Poppins` Rückkehr will großes Musical sein, aber dafür haben die neuen Lieder kaum Ohrwurmpotenzial und die Tanzeinlagen sind (mit einer Ausnahme) eher unspektakulär geraten. Das viel größere Problem ist jedoch die Geschichte. Die glänzt insbesondere im Mittelteil mit Abwesenheit und verkommt quasi nur zu einer zähen und viel zu langen Neuauflage des Originals, die dem gegenüber jedoch keinerlei Mehrwert zu bieten hat. Da verpuffen selbst die emotionalen Momente, wenn die Kinder etwa um ihre tote Mutter trauern. Betrachtet man das, was hier im Kern erzählt wird, so ist das fast schon erschreckend banal und inhaltsleer. In einer Zeit, in der sich Disney-Filme wie Coco auch mit eher unbequemen Themen wie dem Alter und Krankheit auseinandersetzen, ist diese Mary Poppins - Fortsetzung mit der rosaroten Brille, dem bloßen Beharren auf den kindlichen Blick auf die Welt schlicht zu plump geraten. Und wenn in dieser verkitschten Märchenwelt der Laternenanzünder nachts am Balkon der Kinder sitzt oder Mary Poppins im Hintergrund gruselig durchs Haus schwebt, dann könnten diese Szenen mit der richtigen Musik auch aus einem Horrorfilm stammen. Diese Mary Poppins ist für das Jahr 2018 eindeutig zu sehr aus der Zeit gefallen. In dem aufgeblasenen Weihnachtsfilm fällt der Blick jedenfalls öfter mal auf die Uhr.

Fazit

Mary Poppins` Rückkehr ist ein gefälliger Familienfilm zur Weihnachtszeit, der gut aussieht und solide unterhält. Für viel mehr als nostalgische Gefühle reicht das jedoch nicht.

Die Rezension zum Anschauen findet ihr hier:

 

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Mary Poppins` Rückkehr

Regie: Rob Marshall

Drehbuch: Rob Marshall, John DeLuca, David Magee

Kinostart: 20.12.2018

FSK 0

Laufzeit: 130 Minuten

Cast: Emily Blunt, Ben Whishaw, Emily Mortimer, Colin Firth, Julie Walters, Meryl Streep und andere

Verleih: The Walt Disney Company

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