Fantasy Filmfest 2018

Marrowbone: Düsteres Familiengeheimnis

Ein altes, verwinkeltes Haus, der plötzliche Tod der Mutter, unheimliche Geschehnisse und ein dunkles Geheimnis. "Marrowbone" bietet alle Zutaten, die es für einen schaurigen Gruselfilm braucht, und überrascht am Ende mit jeder Menge Dramatik.
Szene aus "Marrowbone"
Die Marrowbone-Kinder wollen die Vergangenheit hinter sich lassen

Sergio Sánchez zeigte sich in den vergangenen Jahren verantwortlich für zwei herausragende Drehbücher, nämlich zu dem Tsunami-Drama The Impossible und dem Gruselfilm Das Waisenhaus. Bei seiner neuen Geschichte Marrowbone nimmt Sánchez nun erstmals selbst auf dem Regiestuhl Platz und beweist, dass er im Horrorgenre durchaus Potential erkennen lässt. Besonders Erinnerungen an Das Waisenhaus werden wach, wenn klassischer Geisterspuk mit einer dramatischen Familiengeschichte verknüpft wird.

Am Beginn von Marrowbone steht mal wieder ein Umzug an. Die Familie Marrowbone zieht in ein altes, riesiges Haus auf dem Land. Irgendetwas scheint in der Vergangenheit passiert zu sein, über das man lieber nicht spricht. Der Vater ist verschwunden und die Kinder werden bald ein schweres Schicksal zu tragen haben, denn ihre Mutter stirbt kurz nach dem Einzug in das neue zu Hause. Um die Trennung der Familie zu verhindern und den Landsitz behalten zu dürfen, verheimlichen die Kinder nun den Tod der Mutter. Der Plan geht anfangs auf, doch ihre Vergangenheit scheint sie immer wieder einzuholen. Warum sind alle Spiegel im Haus verhangen? Und was sind das für unheimliche Geräusche, die nachts im Haus zu hören sind?

Schaulaufen der Jungstars

Marrowbone versammelt gleich einen ganzen Haufen an Jungstars, darunter Mia Goth (The Survivalist, Nymphomaniac) und Anya Taylor-Joy (The Witch, Vollblüter), die hier allesamt überzeugende Leistungen vor der Kamera präsentieren.

Szene aus "Marrowbone"
Charlie Heaton in "Marrowbone"

Es dauert gar nicht lange, da haben sie das Publikum auf ihrer Seite, das gern mit ihnen die dunklen Geheimnisse des Marrowbone-Hauses erkundet, sich fürchtet und womöglich auch ein paar Tränen verdrückt. Die Auflösung der mysteriösen Familiengeschichte wird erfahrene Horrorfilmkenner nicht sonderlich überraschen und zitiert gleich mehrere große Klassiker, aber an diese Zielgruppe richtet sich dieser Film auch nur bedingt. Sonderlich gruselig ist Marrowbone nämlich nicht ausgefallen. Sánchez verzichtet glücklicherweise auf ein Übermaß an lauten Schreckeffekten, sondern konzentriert sich eher auf eine unheimliche Atmosphäre. Der Wind heult, die Türen knarzen und auf dem Dachboden rumort es. Das ist alles sehr stimmungsvoll inszeniert, für einen Horrorfilm aber mitunter auch etwas zu harmlos und gemächlich.

Die große Stärke dieses Gruseldramas liegt eher darin, wie es Sánchez erneut gelingt, das klassische Spukhausmotiv mit einem emotionalen Kern zu unterfüttern, dessen Schrecken nur allzu real sind. Da geht es um Angst vor dem Auseinanderfall der Familie, um Existenzängste und ein brutaler Kriminalfall ist auch noch mit dabei. Wie schon Das Waisenhaus ist Marrowbone besonders gegen Ende mehrfach kurz davor, in Gefühlskitsch umzuschlagen und die Chronologie der Geschehnisse wirkt aufgrund des finalen Twists nicht ganz rund. Bei der liebevollen Inszenierung und dem mitreißende Ensemble verzeiht man das diesem Regiedebüt aber gern.

Fazit

Marrowbone ist eine emotional mitreißende wie düstere Familiengeschichte mit einer teils wunderbar schaurigen Atmosphäre. Horrorfans wird Sergio Sánchez Regiedebüt aber wohl nicht aufregend genug sein. 

 

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"Marrowbone" wird unter dem Titel "Das Geheimnis von Marrowbone" am 26.10.2018 im Verleih von Universum Film auf DVD und Blu Ray erscheinen.

Laufzeit: 105 Minuten

FSK 16

Der Film feiert Deutschlandpremiere beim Fantasy Filmfest 2018 in sieben deutschen Städten und läuft im Wettbewerb um den Fresh Blood Award.

Screening-Termine

BERLIN – 11 Sep / 15.45 Uhr
BERLIN – 16 Sep / 18.30 Uhr (WH)
MÜNCHEN – 18 Sep / 14.00 Uhr
MÜNCHEN – 22 Sep / 18.45 Uhr (WH)
HAMBURG – 18 Sep / 18.00 Uhr
KÖLN – 23 Sep / 18.30 Uhr
FRANKFURT – 30 Sep / 18.15 Uhr
NÜRNBERG – 28 Sep / 18.00 Uhr
STUTTGART – 27 Sep / 20.00 Uhr