Filmkritik

Maria Stuart: Clinch der Königinnen

Die Geschichte der zum Tode verurteilten Maria Stuart ist fester Bestandteil deutscher Lehrpläne. Regisseurin Josie Rourke bringt den Stoff auf die große Leinwand und zeigt zwei Schauspiel-Stars in Höchstform im Kampf um Liebe und Macht.
Szene aus "Maria Stuart"
Maria reitet in den Krieg gegen ihre Cousine.

"Wie konnte es nur so weit kommen?", fragt sich Maria Stuart. Nach langer Haft im Schloss Fotheringhay wird sie zum Richtblock geführt. Unter der dunklen Kutte erstrahlt eine schillernde rote Märtyrerinnenrobe, die die Menge vor Ehrfurcht aufstöhnen lässt, bevor sie mit der Axt einen Kopf kürzer gemacht wird. Ihrer Hinrichtung geht ein mehrjähriger Konflikt mit der englischen Königin Elizabeth voraus, der schließlich besagtes tragische Ende nimmt. Der Stoff ist bekannt, nicht zuletzt durch das berühmte Drama von Friedrich Schiller. In Maria Stuart, Königin von Schottland wird nun jedoch ihr Tod direkt vorangestellt und anschließend intensiv beleuchtet, wie es überhaupt zu dieser verheerenden Auseinandersetzung kam.

Familienzwist

Mit Margot Robbie und Saoirse Ronan hat man gleich zwei der derzeit prominentesten Schauspielstars Hollywoods vor der Kamera vereint. Brilliant gelingt es Ronan, quasi eine One-Woman-Show als Maria Stuart zu zeigen, die zwischen Diplomatie und Hitzköpfigkeit, Liebe und Macht hin- und hergerissen ist. So sehen wir, wie sie zu Beginn nach dem Tod ihres Ehemannes aus Frankreich nach Schottland zurückkehrt, um ihren rechtmäßigen Thron zu besteigen.

Szene aus "Maria Stuart"
Margot Robbie als Elisabeth

Weil die Verwandtschaftsverhältnisse Marias eher schwer durchschaubar sind, wenn man einmal einen Blick auf ihren Stammbaum wirft, schafft auch der Film lediglich mit einer kurzen Texttafel Abhilfe, der einem erklärt, dass Marias Cousine, Queen Elizabeth, so gar nicht amused ist. Marias bloße Existenz ist eine Bedrohung für ihre Macht, denn auch sie hätte Ansprüche auf den englischen Thron. Mit zwielichtigen Beratern auf beiden Seiten und arrangierten Liebschaften entbrennt ein erbitterter Machtkampf zwischen den beiden Königinnen. Margot Robbie als die "Virgin Queen" Elizabeth gerät in diesem Film fast etwas in Vergessenheit. Das ist zu verkraften, da das Historiendrama nun einmal bereits durch seinen Titel Maria gewidmet ist und es der Australierin in ihren wenigen Auftritten dennoch beeindruckend gelingt, das ganze Dilemma der Elizabeth herunterzuspielen. Es ist nicht nur die Furcht um die eigene Macht, die sie am Ende zu jener bekannten Verzweiflungstat im Jahr 1567 treiben wird, um ihren Thron zu sichern. Auch die Eifersucht auf ihre jüngere und hübschere Kontrahentin lodert, der sie später mit Tonnen von Schminke und erstarrter Mine entgegentritt.

Die bösen Männer

Maria Stuart sieht umwerfend aus. Als Historien- und Kostümfilm merkt man zu jeder Zeit, welches Budget und welche Arbeit in die opulente Ausstattung, die schillernden Kostüme und die beeindruckenden Aufnahmen der kargen schottischen Landschaft gesteckt wurden. Dazu gibt es Intrigen und Verrat im Minutentakt. Schiller für die Game of Thrones - Generation möchte man fast meinen, doch dem Drama gelingt es kaum, die komplexen politischen Zusammenhänge in die zwei Stunden zu pressen. Die unzähligen Kabale erwecken hier mitunter eher den Anschein einer Seifenoper als den eines düsteren Historienepos.

Szene aus "Maria Stuart"
Saoirse Ronan als Maria

Marias Zwist mit ihrer Cousine ist so ereignisreich und der Film damit so überladen, dass kaum Zeit bleibt, emotionale Höhepunkte zu setzen, was der Spannung im Verlauf immer mehr schadet. In der Realität haben sich Maria und Elizabeth nie getroffen. Wie schon bei Schiller kommt es jedoch auch in dieser Verfilmung zur konsequenten Begegnung und gleichzeitig dem endgültigen Zerwürfnis zwischen beiden. Das ist im Kern hochdramatisch, büßt hier aber einiges an Schlagkraft ein, weil der Blick zuvor allzu oft auf die Uhr wandert. Hier helfen auch nicht mehr die (gewohnt starken) dramatischen Melodien des Komponisten Max Richter, die im Hintergrund verzweifelt nach Pathos schreien.

Dazu stellt sich natürlich die Frage, was dieses Königinnendrama in der post-metoo-Ära eigentlich erzählen möchte und auch da ist Maria Stuart etwas blass geraten. Um ein Exempel für Gleichberechtigung und Emanzipation zu statuieren, taugt der Stoff ohnehin recht wenig. Letztendlich bleibt bei diesem Kampf nur die Tatsache, dass Maria und Elizabeth zum Opfer ihrer intriganten männlichen Zeitgenossen geworden sind, die sie immer mehr in die Ecke gedrängt haben. Dass dem Publikum zuvor aber eindrucksvoll vorgeführt wurde, wie durchtrieben auch die beiden königlichen Damen mit allen Mitteln gekämpft haben, fällt unter den Tisch und so ist diese Erkenntnis doch etwas zu eindimensional geraten. "Schiller light", damit lässt sich diese Maria Stuart zusammenfassen!

Fazit

Maria Stuart, Königin von Schottland ist opulent bebildert und von den beiden Hauptdarstellerinnen stark gespielt, bleibt aber erzählerisch hinter den Möglichkeiten zurück und erstickt die Emotionalität unter seiner Handlungsfülle. Eine Miniserie wäre bei diesem komplexen Stoff wohl die attraktivere Wahl gewesen!

 

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Maria Stuart, Königin von Schottland

Kinostart: 17.01.2019

FSK 12

Regie: Josie Rourke

Cast: Saoirse Ronan, Margot Robbie, Guy Pearce, David Tennant, Jack Lowden, Joe Alwyn und andere

Laufzeit: 124 Minuten