Fantasy Filmfest 2018

Mandy: Nic gegen die Jesusfreaks

Wahnsinn, Schrecken und jede Menge Blut. Einen besseren Eröffnungsfilm für das Fantasy Filmfest hätte es kaum geben können. "Mandy" kam bereits mit allerhand Vorschusslorbeeren daher und spaltet doch die Gemüter.
Szene aus "Mandy"
Red Miller will nur noch Rache

Wenn ich sterbe, dann will ich Rock `n Roll! Ein Gedicht erscheint in blutroten Lettern auf der Leinwand und lässt bereits den irrwitzigen Wahnsinn erahnen, den Regisseur Panos Cosmatos (Beyond the Black Rainbow) über das Publikum in den folgenden zwei Stunden hereinbrechen lässt. Lange Zeit war es ruhig um den Schauspieler Nicolas Cage. Nach einer Reihe mittelmäßiger bis unterdurchschnittlicher Actionfilme und Verschwörungsdramen, hat er hier nun endlich mal wieder ein glückliches Händchen für seine Rollenauswahl bewiesen. In Mandy spielt er einen Mann namens Red Miller. Der führt in den 80er Jahren ein eher einsames Dasein, lebt mit seiner geliebten Frau Mandy in einem abgelegenen Waldhaus. Das Glück der beiden wird jäh zerstört, als ein Kult unter der Führung des zwielichtigen Jeremiah (völlig durchgeknallt: Linus Roache) nachts in ihr Heim eindringt und Mandy brutal ermordet. Red entkommt knappt dem Tod und fortan kennt er nur eine Mission: Rache! Kurzerhand wird eine eigene Hellebarde geschmiedet, um gegen die "Jesusfreaks" in den Krieg zu ziehen. 

Auf sie mit Gebrüll

Frisch aus der Stacheldraht-Fessel gewunden und mit blutenden Armen steht Nicolas Cage in Unterhose im Badezimmer. Wie in einem Puppenhaus betäubt der Rachsüchtige seinen Schmerz mit Alkohol vor feinster Blümchentapete und gibt animalische Schreie von sich. Spätestens in dieser Szene glaubt man fast, man würde eine Wes Anderson - Komödie auf LSD sehen. Audiovisuell ist Mandy der wohl verstörendeste und verrückteste Film, den man in diesem Jahr erleben kann. Beinahe jedes Bild wird mit Farbfiltern verfremdet, der Wald erstrahlt in knallrotem Licht, wie aus dem Nichts dringt Nebel aus allen Ecken oder giftgrüne Stroboskop-Blitze terrorisieren das Publikum. Zwischendurch sind kurze Anime-Sequenzen eingefügt. Dazu schrillen auf der Tonspur E-Gitarren. Die Metal-Drones des Komponisten Jóhann Jóhannson (Sicario, Arrival) verleihen dem Film eine zusätzliche unheimliche Note und sind die letzte Arbeit des Musikers, der in diesem Jahr leider verstorben ist. Mandy fühlt sich an wie ein halluzinogener Trip, der einen mitunter fast an die Grenze des Wahrnehmbaren führt. Die Geschichte selbst ist dabei eher simpel erstreckt. Viel spannender ist, welche optischen und akustischen Spielereien als nächstes auf einen einprügeln.

Oscarreife Leistung?

Immer wieder wurde im Vorfeld die Leistung von Nicolas Cage gelobt. Ja, er stürzt sich wahrhaft physisch in seine Rolle, und wenn er mit herausquellenden Augen einem Ungeheuer das Genick bricht und danach erstmal eine Ladung Kokain

Szene aus "Mandy"
Nicolas Cage schwingt die Kettensäge

durch die Nase zieht, gibt es beim Fantasy Filmfest auch schon mal einen kurzen Szenenapplaus. Nichtsdestotrotz wäre es absurd, hier von schauspielerischer Höchstleistung zu sprechen. Cage spielt hier quasi eine wortkarge Parodie oder Karikatur seiner selbst. Das funktioniert in dem wahnsinnigen Kontext unterhaltsam, würde in jedem anderen Film aber komplett durchfallen. Später wird er sich im Film noch ein Kettensägen-Duell liefern und schwimmt beinahe im Fahrwasser eines Bruce Campbell, der in der Tanz der Teufel - Reihe von Sam Raimi einst ebenfalls mit Kettensäge gegen Untote in den Krieg zog. Wenn man sich durch einige Längen gekämpft hat, kommen im letzten Drittel dann auch die Splatterfans auf ihre Kosten. Hier werden Köpfe abgehackt, das Blut spritzt und Mandy verkommt zu erfrischend selbstironischem Edeltrash. Man nehme eine Portion Tanz der Teufel, verpacke sie in die Optik eines Giallo-Films, füge die Kreaturen aus Clive Barkers Hellraiser hinzu, verpacke sie in die surreale Optik eines Nicolas Winding Refn und man kommt einigermaßen an das Seherlebnis von Mandy heran. Hier werden all diese Anspielungen und Genrezitate durch den Fleischwolf gedreht und doch fügt Panos Cosmatos eine ganz eigene, experimentelle Note hinzu. Es fällt jedenfalls schwer zu sagen, ob es einen vergleichbaren Film in den letzten Jahren überhaupt auf der Leinwand zu sehen gab. Das sorgt bei vielen berechtigt für Begeisterung, am Ende dieser Fantasy Filmfest - Eröffnungsnacht gibt es jedoch auch vereinzelte Buhrufe.

Fazit

Nach dem massentauglichen ES im Vorjahr hat man sich mit Heavy Metal - Albtraum Mandy 2018 für ein echtes Monstrum als Eröffnungsfilm für das Fantasy Filmfest entschieden. Das ist laut, anstrengend, aber auch ungeheuer kreativ. Ein Film mit größerem Kultfaktor wird in diesem Kinojahr schwer zu finden sein. 

 

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"Mandy" ist der Eröffnungsfilm des 32. Fantasy Filmfest und wird in sieben deutschen Städten gezeigt.

Screening-Termine

BERLIN – 05 Sep / 19.30 Uhr
MÜNCHEN – 12 Sep / 19.30 Uhr
HAMBURG – 13 Sep / 19.30 Uhr
KÖLN – 13 Sep / 19.30 Uhr
FRANKFURT – 20 Sep / 19.30 Uhr
NÜRNBERG – 25 Sep / 19.30 Uhr
STUTTGART – 25 Sep / 19.30 Uhr

 

Laufzeit: 121 Minuten

FSK 18

 

Der Film erscheint am 22. November 2018 auf DVD, Blu Ray und Video on Demand.