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Lexikon: Diskriminierung

Vom 25. - 29. Juni dreht sich alles bei uns um Diskriminierung. Doch was genau bedeutet das eigentlich? Und was ist Konformitätsdruck oder Body-Shaming? mephisto 97.6 hat die Antworten zu diesen und anderen Fragen.
Drei von zehn Personen fühlen sich in Deutschland diskriminiert.

Diskriminierung

Der Begriff Diskriminierung lässt sich von dem lateinischen Verb discriminare ableiten und bedeutet so viel wie trennen, absondern, abgrenzen und unterscheiden. Seit dem 20. Jahrhundert hat der Begriff eine eher negative Bedeutung. Die Soziologie versteht heute Diskriminierung die Benachteiligung oder Herabsetzung anderer. So geht Diskriminierung mit Demütigung, ungerechter Behandlung und Entwürdigung einher. Es gibt verschiedene Arten der Diskriminierung, unter anderem aufgrund von ethnischer Herkunft und Kultur, des Geschlechts, der Religion, des Alters, der sexuellen Orientierung oder aufgrund von Behinderungen.

Positive Diskriminierung

Das Vorgehen diskriminierte Gruppen durch gezielte, häufig gesellschaftspolitische Maßnahmen zu bevorteilen. Beispielsweise: gezielt dunkelhäutige Menschen oder Menschen mit einer Behinderung in ein Büro zu integrieren. Dadurch soll eine Vorteilslage für die zuvor diskriminierten Menschen entstehen. Häufig wird gegen die positive Diskriminierung Kritik geübt, weil so Diskriminierung der einen Gruppe gegen die einer anderen Gruppe ausgetauscht wird.

Sexismus

Sexistisch kann etwas aus zwei Gründen sein: Wenn eine Person aufgrund ihres Geschlechts negativ bewertet wird – dazu zählen zum Beispiel Aussagen wie „Männer können keine Gefühle zeigen“ und „Frauen sind schwach“. Oder, wenn der ungleiche Status zwischen Männern und Frauen aufrechterhalten wird. Das betrifft unter anderem die ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen. Sexismus kann sich in Strukturen oder kulturellen Normen zeigen. Frauen haben es zum Beispiel oft schwerer, in Führungspositionen aufzusteigen. Sexismus gibt es auch im Verhalten und der Einstellung einzelner Personen. In den vergangenen Jahrzehnten gab es dabei einen Wandel. Mittlerweile gibt es weniger offensichtlichen Sexismus und eher subtile und versteckte Diskriminierung.

Rassismus

Rassismus ist eine Gesinnung, Ideologie oder Wahrnehmung, nach der Menschen aufgrund äußerlicher Merkmale als Angehörige vermeintlicher "Rassen" kategorisiert und beurteilt werden. Dabei wird auch häufig eine hierarchische Abstufung der "Rassen" vorgenommen. Diese Gesinnung geht auch häufig in die Praxis über, wodurch abwertende Äußerungen, direkte Diskriminierung bis hin zu Gewalttaten gegen andere auftreten können.

Homophobie

Homophobie bezeichnet eine soziale und gerichtete Ablehnung oder Abneigung bzw. Feindseligkeit gegen Lesben und Schwule. Meist handelt es sich dabei um eine unbewusste Angst, die eigene Identität infrage zu stellen. Daraus entstehende Vorurteile und Zerrbilder, die bis hin zu Ekel und Hassgefühlen führen können. Dies wiederum kann Aggression und Gewalt hervorrufen.

Intersexualität

Intersexualität beschreibt im medizinischen Sinne Menschen, die sich nicht eindeutig einem Geschlecht zuordnen lassen. So kann eine Person äußerlich aussehen wie eine Frau, aber den Chromosomensatz eines Mannes haben. Die Intersexualität kommt während der körperlichen Entwicklung im Mutterleib durch unterschiedliche Variationen zustande. Dies können zum Beispiel genetische, anatomische oder hormonelle Ursachen sein.

Body-Shaming

„Body-Shaming“ heißt, sich für die vermeintlichen Problemzonen des eigenen Körpers zu schämen. Beispiele sind die zu große oder zu krumme Nase, die Bauchschwarte oder der zu breite Hintern. Oft wird Body-Shaming mit Medien wie Zeitung oder Fernsehen verstärkt, wo meistens ein unrealistisches Körperideal dargestellt wird – also bei Frauen schlank und trotzdem vollbusig, bei Männern groß und durchtrainiert. Wer diesem Ideal nicht entspricht – also im Grunde jede und jeder – wird dazu angehalten, dem Problem mittels Sport, gesunder Ernährung und Kosmetik zu Leibe zu rücken.

Konformitätsdruck

Wird auch Gruppenzwang genannt. Er beruht auf der individuellen Annahme, einer bestimmten Norm gerecht werden zu müssen. Ein Beispiel dafür wäre der „Rasurzwang“. Es werden Gesicht, Achseln, Beine und oft auch den Intimbereich rasiert. Da sich aber scheinbar alle dort enthaaren, wird das Rasieren als Norm wahrgenommen, die es zu befolgen gilt – einzig, um nicht negativ aufzufallen.

Gender Pay Gap

Als Gender Pay Gap wird der Unterschied in den Verdiensten von weiblichen und männlichen Beschäftigten bezeichnet. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes fiel der durchschnittliche Bruttostundenverdienst von Frauen im Jahr 2015 um rund 21 % geringer aus als der der Männer. Beim unbereinigten Gender Pay Gap werden verschiedene Berufe, unterschiedliche Tätigkeiten und Bildungsabschlüsse nicht berücksichtigt. Bei einer entsprechenden Berücksichtigung fällt der Gender Pay Gap geringer aus.

Intersektionalität

Der Begriff "Intersektionalität" oder Mehrfachdiskriminierung bezeichnet die Überschneidung verschiedener Diskriminierungsformen in einer Person, also zum Beispiel Rassismus, Sexismus, Handicapism und Klassismus. Die Person wird also aufgrund von mehreren Persönlichkeitsmerkmalen diskriminiert.

(Menschen-)Würde

Der Begriff ‚Würde‘ leitet sich vom mittelhochdeutschen Wort wirde ab, welches mit dem Wort ‚Wert‘ verwandt ist. Unter (Menschen-)Würde wird demnach verstanden, dass alle, unabhängig von Geschlecht, Alter, Religion Herkunft, etc. denselben Wert haben. Dieser Grundsatz ist fest im Grundgesetzbuch der Bundesrepublik Deutschland verankert: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“ (Art. 1 Absatz 1, GG).

Respekt

Respekt ist ein menschliches Grundbedürfnis und ist somit ein schützenswertes Gut. Der Begriff Respekt ist sehr facettenreich und umfasst Begriffe wie Achtung, Höflichkeit, Fairness, Anerkennung, Autorität und Toleranz. Respekt beruht dabei auf gesellschaftlicher Interaktion und bestimmt so die Art des gesellschaftlichen Miteinanders.

 

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