Konzertbericht: Akua Naru

Intellekt und Ekstase

Mit ihren politischen und feministischen Songs hat sich Akua Naru als eine wichtige Stimme im Conscious Rap etabliert und hält nebenbei Vorträge in Harvard oder Princeton. Am 03. November trat sie mit ihrer Band im Conne Island auf.
Trat am 3. November mit ihrer Band im Conne Island auf: Die Hip-Hop Künstlerin Akua Naru

Das Publikum an diesem Abend ist jung, studentisch und (für ein Hip Hop Konzert eher unüblich) überwiegend weiblich. Um kurz vor zehn betritt zunächst die fünfköpfige Band der Musikerin die Bühne. So ruhig und sphärisch wie in den ersten fünf Minuten soll es danach nur noch selten werden. Dann kommt Akua Naru unter lautem Jubel dazu und gibt die Grundstimmung für die nächsten anderthalb Stunden vor: positiv, selbstbewusst und kraftvoll.

Die Songs weichen live teilweise deutlich von den Versionen auf Platte ab und sind deutlich energiegeladener. Im Conne Islands wird aus dem smoothen, jazzgeprägten Rap der Alben ein explosives Gemisch, bei dem es unmöglich ist die Füße stillzuhalten. Genregrenzen werden aufgebrochen, Jazz, Hip Hop und Funk fließen ineinander. Wer die Songs von Platte kennt, wird vom neuen Gewand teilweise überrascht. Aus Kaya wird live etwa ein energieladener Hybrid aus Rap und Rock in bester Rage Against the Machine Manier.

Zwischenzeitlich werden auch ruhigere Töne angeschlagen. Bei dem wohl bekanntesten Song der Musikerin, Poetry: How does it feel wird es ganz leise und intim. Mit tiefer, sanfter Stimme zieht sie das Publikum in ihren Bann und erschafft eine erotische Stimmung und ein Knistern, dass mit Händen zu greifen sein scheint.

Gedanken über Liebe und Empowerment

Hip Hop mit Livemusik ist ja meist so eine Sache. Oft scheinen die Musiker nur für den Live-Aspekt oder - schlimmer noch - für den künstlerischen Anstrich auf der Bühne zu stehen. Der Abend und Narus Musik sind ohne "echte Instrumente" hingegen gar nicht vorstellbar. Die fünfköpfige, internationale Band, die sie um sich geschart hat, hat zahlreiche rein instrumentale Passagen, umjubelte Soli und würde vermutlich auch ohne die Hip Hop Künstlerin bestens funktionieren.

Die Wahl-Kölnerin ist dennoch das unbestrittene Zentrum des Abends. Vom ersten Moment an hat sie das Publikum mit ihrer sympathischen und positiven Ausstrahlung auf ihrer Seite. Charismatisch und energetisch präsentiert sich die Musikerin nicht nur in ihren Songs, sondern auch in ihren Ansprachen an das Publikum. Musikalisch gibt sie den Songs, eine Dringlichkeit und Unmittelbarkeit. Zwischen den Songs teilt sie ihre Gedanken über Empowerment, Liebe und Kampf mit und nimmt das Publikum dabei sowohl auf kognitiver als auch auf emotionaler Ebene mit. Die Menschen im Conne Island hängen ihr auch deshalb an den Lippen, weil man merkt, dass diese Ansprachen nicht routiniert abgespielt sind, sondern aus dem Moment entstehen. Es ist deutlich zu spüren, dass ihr die Themen wirklich wichtig sind. Narus Aussage "I got carried away, sorry, I'm passionate" darf getrost als das Understatement des Abends gelten.

Das Publikum einbinden

Überhaupt ist Interaktion das Schlagwort des Abends. Die Künstlerin und ihre Band gehen während der Songs teilweise zu den Menschen ins Publikum. Zudem fordert Akua Naru die Leipziger beständig auf, mit Stimme und Bewegung zu den Songs beizutragen, sodass man sich eher als Teilnehmer eines kollektiven Schaffensprozesses, denn als bloßer Zuhörer fühlt. Mit viel Applaus verlässt die Künstlerin nach einigen Zugaben schließlich ein letztes Mal die Bühne und die Show geht nahtlos in ein Afterparty Set des Schlagzeugers der Band über.

Fazit

Akua Naru hat es an diesem Abend geschafft mit ihren Ansprachen und ihren Texten die Menschen zum Nachdenken anzuregen, den angesprochenen Themen aber mit Humor und Zuversicht die Schwere zu nehmen. Durch die erstklassige Band werden die politischen und gesellschaftlichen Botschaften dann sogar tanzbar. Akua Naru und ihre fünf Mitmusiker bieten Conscious Rap im besten Sinne des Wortes, positiv, energetisch und ganz ohne die steinerne Ernsthaftigkeit, die dem Genre oft anhaftet.

 

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