Kommentar

Auf dem rechten Auge blind

Eine Recherche offenbarte die Chatverläufe der bekannten rechtsextremen Gruppe "Revolution Chemnitz". Darin prahlen sie mit einer "Jagd auf Ausländer". Es könnte sich in Chemnitz doch um Hetzjagden handeln. Ein Kommentar.
 Karl Marx Denkmal in Chemnitz
Am 26.8.2018 machte Chemnitz negative Schlagzeilen mit Messerangriffen und darauffolgenden Hetzjagden.

Der Kommentar zum Nachhören:

Ein Kommentar von Sophie Rauch.
2808 Kommentar Sophie

In Chatverläufen der rechten Terrorgruppe "Revolution Chemnitz" haben sich Rechtsextreme verabredet um Migrant*innen "wegzuklatschen" – und auch das Wort Jagd ist des Öfteren gefallen.

Hetzjagd? Ja!

Laut Ex-Verfassungschutzchef Hans-Georg Maaßen gab es ja keine Hetzjagd – da lag er wohl falsch. Und es kostete dem Hans-Georg dann auch seinen Job beim Verfassungsschutz. Ich glaube jetzt gibt es eine kleine Party bei den Verfassungsschützerinnen und -schützern – denn zum Glück wurde Maaßen damals schon entlassen.

Endlich mal was richtig gemacht! Stellen Sie sich mal vor, was passiert wäre, wenn Maaßen im Amt geblieben wäre und das jetzt rauskommt. Realsatire vom Feinsten!

Belastende Beweise

Aber nicht nur der Verfassungsschutz hat darunter gelitten. Ja auch die GroKo musste mit lebensbedrohlichen Verletzungen in die Reha. Schon überraschend, dass die das überlebt hat. Mal sehen wie lange noch, denn die neuen Ermittlungsergebnisse beweisen das, was seit einem Jahr eigentlich bekannt ist: Es gab Hetzjagden in Chemnitz.

Als hätten die Videoaufnahmen, die im Netz zu finden waren, nicht gereicht um zu zeigen, dass Leute auf offener Straße von anderen gejagt und bepöbelt wurden. Zum Glück gibt es jetzt die Chatverläufe schwarz auf weiß.

Kritik an Kretschmer

Auch für Ministerpräsidenten Kretschmer könnten diese neuen Erkenntnisse ein Bein stellen. Denn bisher hat der sich ja auf die Seite von Maaßen gestellt.

Jetzt fordert die Landtagsfraktion der Grünen, dass die Ergebnisse offengelegt werden und wollen, dass der Innenminister dazu Stellung nimmt, seit wann der Polizei bekannt war, dass es gezielt vorbereitete und durchgeführte Gewalttaten gegen Migrantinnen und Migranten gab. Eine sehr interessante Frage, liebe Grünen!

Warum erst jetzt?

Denn wenn diese Informationen von vornherein der breiten Masse vorenthalten wurden, sollte wir uns alle mal fragen, wie stark rechte Sympathisantinnen und Sympathisanten in Justiz und Politik verankert sind.

Und die sollten sich fragen, warum sie auf dem rechten Auge offensichtlich blind sind. Warum Videobeweise als gefälscht abgetan werden und warum solche Ermittlungsergebnisse erst ein Jahr später ans Licht kommen. Ist es wirklich so schwer einen Nazi zu erkennen, wenn er einem schon direkt auf der Nase herumtanzt?

 

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