Kommentar

Der Herpes des Patriarchats

Anfang der Woche hat die UN einen Bericht zu Gewalt gegen Frauen veröffentlicht. Und die Zahlen sind erdrückend. Weltweit wurden 2017 87.000 Frauen getötet – und die Zahl ist in den letzten Jahren sogar noch gestiegen. Ein Kommentar.
Sexualisierte Gewalt ist alltäglicher, als oft angenommen wird.

Der Kommentar zum Nachhören:

Ein Kommentar von Sophie Rauch.
1107 Kommentar Gewalt gegen Frauen

Jeden dritten Tag wird in Deutschland eine Frau umgebracht. Frauen werden auch hier verprügelt, vergewaltigt, gewürgt, ihnen werden Knochen gebrochen. 11.500 Frauen wurden 2017 vergewaltigt und sexuell genötigt. 179.000 Frauen sind hier Opfer von häuslicher Gewalt geworden. Und 141 wurden getötet. Und soll ich Ihnen mal was verraten? Die meisten Täter in Deutschland sind – surprise – Deutsche.

An die eigene Nase fassen

Darum sollten wir endlich mal mit unserem „Wir-sind-ja-so-kulturell-überlegen“-Getue aufhören und vor unserer eigenen Haustür kehren. Jede dritte Frau wird mindestens einmal in ihrem Leben Opfer von Gewalt – und das nicht nur im weitentfernten Afrika. Nein hier in Deutschland!

Dennoch: Die Lage weltweit ist schockierend feindselig gegenüber Frauen – und das nur, weil sie Frauen sind. Wir müssen endlich diese brutale Gewalt stoppen.

Wo bleibt der Fortschritt?

Es kann doch nicht sein, dass im 21. Jahrhundert – wo Autos selber fahren und Smartphones alles können – Männer ihre Frauen schlagen, weil diese selbstständig denken. Dass Männer ihre Partnerinnen lebensbedrohlich verletzen oder sogar töten, nur weil Mann Angst vorm Verlassen werden hat oder einfach eifersüchtig wird. Es kann nicht sein, dass ein Mann eine Frau vergewaltigt und die Frau schuld ist.

Mädchen weltweit werden genitalverstümmelt um ihnen die sexuelle Lust zu nehmen. Kleiner Fakt am Rande: die Beschneidung eines Mädchens wäre dann mit der des Jungen identisch, wenn man ihm den kompletten Penis abschneiden würde.

Überall Gewalt

Gewalt gegen Frauen ist der Herpes des Patriarchats. Mensch sieht ihn nicht, bis er ausbricht, wird schnell verbreitet und wenn mensch ihn hat, zeigt er seine hässlichen Eiterbläschen.

Gewalt gegen Frauen dient als Mittel der Kontrolle und Machtausübung. Was ich nur nicht verstehe: Warum habt ihr Männer nur so eine Angst vor uns Frauen? Wir sind keine Monster, die eure Penisse fressen und euch unterdrücken wollen. Letzteres macht ihr übrigens seit Jahrtausenden mit uns Frauen.

Mehr Geld für Präventionen

Und 200 Jahre nach der Aufklärung, müssen wir immer noch darüber informieren, was tatsächlich hier passiert und aufhören mit dem Finger auf die anderen zu zeigen. Der Staat muss Geld in die Hand nehmen und Präventions- und Hilfestellen fördern. Es kann nicht sein, dass die deutschlandweit 350 Frauenhäuser ausgebucht sind, Hilfetelefone überlastet sind und Prävention nicht mehr und intensiver betrieben wird.

Wir sollten anfangen aktiver zu werden und nicht einmal im Jahr erschrocken Aufatmen, wenn wir die BKA-Zahlen zu Gewalt gegen Frauen in Deutschland sehen, um dann zwei Tage später wieder die Augen davor zu verschließen. Denn es kann nicht sein, dass fast 200.000 Frauen fast täglich wimmern, zittern, sich wehren und kreischen. Nur um dann festzustellen, dass am Ende trotzdem alle still bleiben.  

 

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