Kolumne

Good Morning, Leipzig!

Die Kolumne. Immer freitags und immer mit den guten Fragen der Woche. Diesmal: Sophie Rauch über Rechte Ideologien, romantische Weltuntergänge und apokalyptische Alpträume.
Kolumne, Symbolbild, Redaktion
Was ist diese Woche passiert? Unsere Kolumnisten und Kolumnistinnen haben sogar Antworten, wenn sie gar nicht gefragt werden.

Die Kolumne zum Nachhören:

Die Kolumne von Sophie Rauch.
 

Eine Sendung für den Weltuntergang

Hallo und herzlich Willkommen zu meinem Apokalyp-Podcats! Sie ist wieder da: eure Stimme aus dem Äther. Euer wöchentliches Update zur Lage in Deutschland. Heute ist der 21. Juni 2032. Der Homo Rechtus hat jetzt auch Connewitz eingenommen.

Der Widerstand wird immer sinnloser – vielleicht sollten wir auch so eine Kampagne starten: "Mehr Toleranz für Linke!" Hat ja damals mit den Rechten auch super funktioniert. Plötzlich waren die die Opfer, die sonst nur mit dem eigenen Täter*innen-Sein Schlagzeilen gemacht haben. Aber klar, irgendwann muss mensch ja auch mal Mitleid mit den Täter*innen haben. Ist schon anstrengend Geflüchteten-Unterkünfte niederzubrennen oder einen CDU-Politiker hinzurichten. Und niemand hat einen so richtig lieb. Ein Leben als Nazi ist schon echt schwer.

Auf der Flucht

Wir müssen uns jetzt in Böhlitz-Ehrenberg vor den Nazis verstecken. Von da aus blicke ich gerade auf die neue Leipziger Skyline. Der Weidel-Gauland-Komplex ragt bedrohlich aus der Stadtmitte heraus. Daneben das Siegbert-Droese-Awareness-Zentrum für aufstrebende Rechte. 

Kolumne von sophie rauch

Mein Leipzig wie ich es kenne gibt es nicht mehr. Vorbei die Zeit der Studierenden im Park. Die sich ihre Zigaretten selbst drehen und mit dem lauwarmen Sterni anstoßen. Vorbei die Zeit der Meinungsfreiheit und des ironischen Scheiße-Laberns – Letzteres gehört jetzt zum guten Ton.

Vorbei ist es mit der sexuellen Selbstbestimmtheit und dem Recht am eigenen Körper. Jetzt muss ich zuhause bleiben, Kochen und Kinder kriegen wie eine Zuchtsau.

Vorbei die Zeiten des friedlichen durch die Welt Schlenderns. Falls ihr das hier hört meine Freund*innen aus dem Äther. Fuck AfD! Die haben uns die Verdammnis gebracht! Wer will schon in einer Welt leben, in der mensch sich nicht mehr sicher fühlt und Angst vorm Denken hat?

Aufwachen in einer besseren Welt

Ein Schuss lässt mich aus meinem unruhigen Schlaf aufschrecken. Schon wieder dieser Alptraum. Aber auch kein Wunder bei den Schlagzeilen diese Woche. Es scheint als hätte Deutschland nichts aus den NSU-Prozessen gelernt. Der CDU Politiker Walter Lübcke wurde bei sich zuhause von einem mutmaßlichen Neonazi erschossen. In den Kopf. Der Fall versetzte Deutschland in eine Schockstarre. Und zeigt: Wir sind selbst in unseren eigenen vier Wänden  nicht sicher vor rechter Gewalt.

Und so als wäre nichts passiert fordert der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck toleranter im Umgang mit Rechten zu werden. Ja klar, bei der nächsten Auseinandersetzung mit einem Nazi, halt ich einfach freiwillig die Wange hin. Gut, die Aussage wurde parallel zum Mordfall getätigt. Dann aber Respekt Herr Kretschmer, dass Sie sich danach noch mit Rechten solidarisieren wollen.

Da darf ich mich auch nicht wundern, wenn ich von einer rechten Schreckensherrschaft träume, in der es Weltuntergangs-ähnliche Zustände gibt. Zum Glück hat jetzt das Bundesverwaltungsgericht NPD-Funktionär*innen den Waffen-Besitz teilweise verboten. Und währenddessen flirtet die CDU in Sachsen-Anhalt weiter mit der AfD. Vielleicht werden wir ja bald doch alle von Schwarz-Blau regiert…

 

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