Die Kolumne

Schade.

Die Kolumne. Immer freitags und immer mit den guten Fragen der Woche. Diesmal Rebecca Kelber - nicht über die WM.
Kolumne, Symbolbild, Redaktion
Was ist in dieser Woche passiert? Unsere Kolumnisten haben sogar Antworten, wenn sie gar nicht gefragt werden.
Schade - die Kolumne von Rebecca Kelber
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So. Jetzt ist die Themenwoche Diskriminierung bei mephisto fast vorbei. Eine Woche lange haben wir über Diskriminierung von jungen, kleinen, weiblichen Menschen mit Migrationshintergrund geredet. Alles schön und gut.
Jetzt zu einem anderen Thema: Nämlich zu dem, was gerade in Deutschland und Europa passiert.

Was passiert denn gerade in Deutschland und Europa?  Meinst du die WM?

Nee. Die Politik. Die Union bricht vielleicht auseinander, und damit die große Koalition. Das würde die Parteienlandschaft in Deutschland grundsätzlich verändern! Und das, weil Seehofer gerne die offenen Grenzen in der EU aushebeln würde. Hauptsache, es kommen keine Geflüchteten mehr nach Deutschland.

GroKo und Geflüchtete. Ich kann es nicht mehr hören. Musst du jetzt darüber reden?

Ja. Ich versteh es nämlich einfach nicht: Vor drei Jahren kamen ein paar hunderttausend Menschen nach Deutschland, weil sie vor Kriegen geflohen sind. VOR DREI JAHREN. Seitdem hat Deutschland die Grenzen erfolgreich dichtgemacht, falls es irgendwer nicht mitbekommen haben sollte. In diesem Jahr gab es bisher 50.000 Asylanträge, von denen zwei Drittel abgelehnt wurden. Da bleiben noch 17.000 Menschen übrig.
Aber Hauptsache, wir haben wegen Geflüchteten eine Regierungskrise.

Wenn es schon die ganze Zeit um Geflüchtete geht, können wir nicht einfach Mal konstruktiv überlegen, wie wir ihnen die Integration vereinfachen können? Jetzt soll es also europäische Sammellager geben. Das klingt ziemlich nach Seehofer Idee der Ankerzentren. Und ich frage mich, wann der das letzte Mal in einer Asylunterkunft war. Man muss doch nur mal kurz nachdenken, um zu merken, dass es eine wirklich dumme Idee ist, frustrierte, einsame junge Männer in riesige Lager zu sperren. Ihnen die Möglichkeit zu nehmen, sich in Deutschland zurechtzufinden. Und ihnen dann zu sagen, dass selbst wenn sie Asyl bekommen, ihre Familien erst mal nicht herkommen dürfen. Ist doch egal, ob ihre Verwandten in der Zwischenzeit umkommen. Hauptsache, Deutschland bleibt sicher vor mehr Geflüchteten: Und seien es auch nur Frauen und Kinder. Immerhin kommen sie aus arabischen Ländern!
Die aktuelle Asylpolitik ist so ziemlich der schnellste Weg, um kriminelle Ausländerinnen und Ausländer zu produzieren.

Dazu kommen dann die ganze Zeit irgendwelche Skandale, die eigentlich keine sind. Zum Beispiel der Bamf-Skandal.

Wie meinst du, das war kein Skandal?

Die Vorwürfe gegen die Bremer Außenstelle des Bamf haben sich inzwischen fast komplett als Falschinfos herausgestellt, das sagen zumindest Recherchen von NDR und Radio Bremen. Und selbst wenn: es ginge immerhin nur um knapp tausend irakische Jesidinnen und Jesiden, die deshalb Asyl bekommen hätten. Nur mal zur Erinnerung: Damals fand ein Völkermord an Jesidinnen und Jesiden im Irak statt. Und wo sind eigentlich die täglichen Überschriften zum „Menschenrechts-Skandal“ oder zum „Mittelmeer-Skandal“?
Immerhin sind laut Pro Asyl seit 2000 35.000 Menschen im Mittelmeer ertrunken. Wie gesagt: Beim Bamf-Skandal ging es um tausend vielleicht falsche Asylbescheide. Gleichzeitig dürfen Schiffe, die gerade Menschen vorm Ertrinken gerettet haben, tagelang nirgendwo anlegen. Bis die Menschen auf ihnen Krätze bekommen.

vorläufiges unbearbeitetes Kolumnenbild Rebec

Und die Lösung soll dann eine bessere Zusammenarbeit mit nordafrikanischen Ländern wie Libyen sein. Dabei ist auch egal, dass in Libyen Bürgerkrieg herrscht. Und es nicht eine, sondern mindestens zwei Regierungen gibt. Genauso wie die Berichte über Folter und Versklavungen in libyschen Lagern für Geflüchtete.

Europa hat die tödlichste Grenze der Welt. Und auch Deutschland hat sich schon lange von Merkels „Wir schaffen das“ verabschiedet. Aber irgendwie scheinen trotzdem die meisten Deutschen zu denken, Deutschland sei immer noch viel zu nett zu "den Flüchtlingen". Oder zumindest denkt die CSU, dass die Deutschen das denken.

 

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Rebecca Kelber
29.06.2018 - 11:45