Kolumne

Das böse F-Wort

Die Kolumne. Immer freitags und immer mit den guten Fragen der Woche. Diesmal Emma Lübbert über unangenehme Treffen, Coca-Cola-Flaschen und gebrochene Beine.
Emma Lübbert
würde gern öfter Stress machen - Emma Lübbert

Mit 17 traf ich mich mit einem Typen, der mich davon überzeugen wollte, dass moderne Frauenbewegungen Unsinn seien. Zur Verabschiedung gab es eine Umarmung und das obligatorische:

war schön mit dir, lass das wiederholen!

Schön war es eigentlich gar nicht, und gesehen haben wir uns danach auch nie wieder. Kurz danach habe ich angefangen Politik aus jeglicher Art von ersten Treffen rauszuhalten. Diskussionen über das böse F-Wort können unheimlich ermüdend sein, und müde war ich eigentlich schon immer schnell. Außerdem macht es auch einfach keinen Spaß auf Parties Debatten anzufangen und anschließend im Bett zu weinen, weil ich immer weine wenn ich besonders wütend bin. Frustration ist ein Arsch.

Die moderne Frau

Ein Jahr später hat ein Kerl im Park meine beste Freundin und mich mit einer vollen Coca-Cola-Flasche beworfen, weil wir nicht zu ihm kommen wollten. Zwar war ich innerlich bereit diesem Typen beide Beine zu brechen und anschließend den kompletten Park anzuzünden, aber mehr als ein wütender Mittelfinger kam dann doch nicht zu Stande. Die moderne Frau hat ihre Gefühle im Griff und macht keine Szene. Vicky hingegen schrie ihn so lange an, bis er sich vor versammelter Mannschaft bei uns entschuldigte. Ich glaube bis heute, er war kurz davor zu weinen. Und in diesem Moment war ich so unheimlich beeindruckt und stolz, dass ich mir vornahm in Zukunft auch meinen Mund aufzumachen.

Spoiler Alarm: Leider klappt das noch nicht immer. Zum Beispiel traf ich vor kurzem bei einem Aushilfsjob einen recht einflussreichen Mann, der mir angeboten hat, mich kostenlos zu ausverkauften Veranstaltungen zu lassen, wenn ich ihm im Gegenzug immer mal einen Text schreibe. Geil, dachte ich, klingt doch super!

Ein paar Sätze wie:

Frauen bewerte ich doch immer nur nach ihrem Aussehen.

und einige unangenehm persönliche Fragen später, entschied ich mich allerdings gegen das Angebot. Tatsache ist, ich habe es nicht über mich gebracht diesem alten Sack meine Meinung zu sagen. Tatsache ist auch, dass ich mich nicht weiter hinter meiner Konfliktscheue verstecken will. Und da solche Momente leider keine Seltenheit sind, gibt es auch genug Möglichkeiten das Mutigsein zu üben. Es braucht mehr Menschen, die bereit sind eine Szene zu machen, wenn eine Szene angebracht ist. Mehr Menschen wie Vicky. Wut ist kein männliches Privileg.

Hals- und Beinbruch!

Und auch wenn es unangenehm sein kann, auf Parties die (Achtung, F-Wort) wütende Feministin zu sein, müssen wir weiter gegen Alltagssexismus vorgehen. Damit meine ich nicht, jedem Mann die Nase zu brechen, der mir freundlicherweise die Tür aufhalten will. Sich bewusst gegen die Hilfe von ekelhaften, sexistischen Säcken zu entscheiden, ist aber schonmal ein Schritt in die richtige Richtung. Und wenn mich nochmal jemand mit einer Flasche bewirft, weil ich ihm keine Aufmerksamkeit schenke, brech' ich ihm vielleicht wirklich die Beine.

 

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