Interview: Snøffeltøffs

Chaos-Suppe à la Snøffeltøffs

Eine Garage-Rock-Band über unzuverlässige Bandmitglieder, die Vorteile des Vorband-Daseins und richtig gesetzte Pop-Ansätze.
Snøffeltøffs
Julian, Meghan und Florian- die Snøffeltøffs

Vier Jahre ist es her, dass die Jungs von Snøffeltøffs in Ilses Erika zu Gast waren. Seitdem ist viel Zeit vergangen, einiges hat sich verändert. Was in dieser Zeit NICHT passiert ist? Die Veröffentlichung eines neuen Albums. Als die Band am 14. Februar für das Reverberation Fstvl Warm Up in das Tanzcafé zurückkehrte, hat sie mit uns über das Chaos um diese Platte gesprochen, aber auch gezeigt, dass die Snøffeltøffs 5 Jahre nach ihrer letzten Veröffentlichung noch immer alive and well sind.

„Just one more rehearsal!“

Die offensichtlichste Veränderung zu den Snøffeltøffs von 2015: Sie sind gar nicht mehr die JUNGS von Snøffeltøffs. Mit Meghan konnten Julian und Florian endlich ein weiteres Mitglied anwerben, dass nicht nach kurzer Zeit wieder aus dem Proberaum verbannt werden musste. Die Schlagzeugerin konnte die Jungs von dem Trauma zu spät kommender, Scheiße labernder, eigensinniger Bandkollegen heilen und ihnen zeigen, dass ein weiterer Kopf nicht weitere Probleme bedeuten muss.

„Sie ist zwar die gute Seele der Band, und kümmert sich um alles, aber lässt uns eigentlich ziemlich viel kreative Freiheit in unserem eigenen Blödsinn, den wir als Typen zusammen haben.“

Florian, Snøffeltøffs

Neben der netten Angewohnheit, dass Meghan gerne Ordnung in Proberäume bringt, ist sie auch für die Live-Shows der Band Gold wert. Durch die Neubesetzung wurde Florian, der früher gleichzeitig Bass und Schlagzeug spielen musste, die nervenaufreibende Doppelbelastung endlich los.

Das komplette Band-Paket

Diese verbesserten Bedingungen konnte das Trio in den letzten Monaten als Support für Prada Meinhoff oder Swutscher nutzen. Auch wenn Nervosität für sie generell keine Rolle mehr spielt, genießt die Band doch die Entspanntheit, die mit dem Leben als Vorband einhergeht.

„Das geile am Support-Tour-Dasein ist ja, dass du dich quasi um nichts kümmern musst, das heißt du kannst auf die Kacke hauen, wie du willst […]. Ich finds ehrlich gesagt fast geiler,als Support-Band unterwegs zu sein als als Hauptband- auch wenn das natürlich ein zweischneidiges Schwert ist“

Florian, Snøffeltøffs

Dabei sind sich die drei aber auch bewusst, dass sie Glück mit dem Publikum der Acts hatten. Das war nämlich zumeist schon brav zu der Stage-Time der Snøffeltøffs vor der Bühne versammelt. Wohl auch, weil Haupt- und Supportact ein schönes Gesamtpaket ergaben.

Das Album, das nicht so recht erscheinen will

Zu einer nächsten Headliner-Tour der Snøffeltøffs wird man sich wohl noch gedulden müssen – und zwar bis das Chaos um das zweite Album „Frohnau“ endlich entwirrt ist.

„Unser zweites Album, das eigentlich vor zwei Jahren rauskommen sollte, glaub ich, offiziell, im Ursprungsplan, dann letztes Jahr rauskommen sollte, im Frühjahr, dann letztes Jahr im Sommer, dann im Herbst und jetzt Anfang dieses Jahres und nichts davon wird passieren oder ist passiert […] ist nicht unsere Schuld. Diese Platte ist fertig und liegt auch rum und ist HEIß.“

Julian, Snøffeltøffs

Diverse Plattenchefs, befreundete Künstler und eine Steuerberaterin, der urplötzlich einfiel, dass sie für ihre Dienste Geld verlangen könnte, haben alle zu diesem „Desaster“ beigetragen. Trotz all der Schwierigkeiten kommt eine Nichtveröffentlichung der LP für die drei aber nicht in Frage, dafür finden sie ihr Werk einfach zu gut.

„War das ne blöde Antwort?“

Ein erster Vorgeschmack ist die Single „The Beat“. Ihr hört man an, dass die Snøffeltøffs das Kreuzberger Kellerstudio hinter sich gelassen haben. Der Song klingt glatter als ihre bisherigen Veröffentlichungen, sie selbst sprechen sogar von poppiger.  Fast schon erfrischend, dieses Wort einmal ohne Naserümpfen zu hören.

 

Diese Offenheit und die Verweigerung eine Künstlerfassade aufrechtzuerhalten machen das Gespräch so interessant. Sie machen keinen Hehl daraus, dass sie sich eine Veröffentlichung der Platte nicht leisten können. Sie bedauern ehrlich, dass Bands sich gegenseitig keinen Rückhalt bieten. Sie sind sich bewusst, dass die eigene Musik nie eine breite Masse ansprechen wird. Die Snøffeltøffs verfallen keinen Illusionen mehr, dafür hatten sie in den letzten Jahren wohl zu viel Pech. Vielmehr machen sie ohne große Erwartungen, lediglich mit der Hoffnung, dass Leute zu ihren Konzerten kommen, weiter Musik. Wohl aus dem einfachen Grund, dass sie gar nicht anders können.

 „Ich glaube wir sind einfach tief im Herzen immer noch ein paar Straßen-Garage-Kids, die gern ein bisschen zu viel Die Ärzte gehört haben in ihrer Kindheit“

Florian, Snøffeltøffs

Schreckliche erste Proben, verkaterte Schlagzeugerinnen und Shit-Fi.

Hier das komplette Interview:

Redakteurin Theresa Graf im Gespräch mit Snøffeltøffs
 
 

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