Konzertbericht: Never Say Die 2018

Impericon Never Say Die! Tour

Am 1. Dezember 2018 fand die 2018er Auflage der Impericon Never Say Die! Tour im Naumanns in Leipzig statt. Ein runder Abend für Freunde aller Spielarten des Core. Sieben Bands an einem Abend sind manchmal auch etwas anstrengend.
Abschiedsfoto der Never Say Die! Tour

Die Impericon Never Say Die! Tour ist eine seit 2007 jährlich stattfindende Europatour für Bands aus den Bereichen Metalcore, Deathcore, Post-Hardcore, Emocore und dem Hardcore-Punk - ähnlich wie die Vans Warped Tour in den USA. Für Fans von härterer Musik eine tolle Möglichkeit unterschiedliche, auch relativ neue Bands zu sehen, die sonst vielleicht auch nicht so oft nach Europa kommen.

Location und Sound

Nach drei Wochen Tour waren alle Bands so routiniert, wie man es erwarten würde. Bühnenshow und Eingespieltheit waren auf einem Level, dass man nur nach vielen gemeinsamen Shows erreicht. Anders die Tontechniker.

Das Schlagzeug war übertrieben laut und, da die meisten Drummer auch nicht gerade sanft auf ihr Set schlugen, hat vor allem die Bassdrum alle anderen Instrumente zu Seite gedrängt. Das fiel den Melodiegitarren und zweiten Gesängen zur Last. Ich weiß noch, wie ich bei den Currents einen der Gitarristen bei einem crazy Gitarren Tapping zusah, oder bei Polaris den Bassisten mit Verve in sein Mikrofon schreien hörte, ohne einen einzigen Ton zu vernehmen. Bei den beiden Headlinern Northlane und Being As An Ocean stellte das zum Glück kein Problem mehr dar, da sie entweder ihre eigenen Techniker dabei hatten oder die vorhandenen es nach vier Bands hinbekommen hatten, einen guten Sound beim Publikum ankommen zu lassen.

Bei einer so großen Tour kann man aber nach drei Wochen erwarten, dass man von Anfang an mit guter Akustik konfrontiert wird.

Die Bands

Den Beginn machten die Kalifornier von Thousand Below, die mit ihrem soliden, modernen Metalcore zwischen Traurigkeit und Spaß einen guten Einstieg in den Abend boten.

Darauf folgte die andere Band aus den USA, Currents aus Conneticut. Ihr Sound geht in eine progressivere Richtung des Metalcore, die auch als Djent bekannt ist. Sie zeichnet sich durch abgehackte Gitarrenriffs mit abgefahrenen Geräuschen in den Breakdowns aus. Sehr cool war es, als bei einem Song alle anderen Musiker der Vorbands auf die Bühne kamen, um gemeinsam zu einem dieser Breakdowns zu posieren. Leider konnte man viele der Gitarrenmelodien durch den schlechten Sound nur erahnen.

Die dritte Band des Abends waren Polar aus Surrey in England. Sie lieferten eher traditionelleren Hardcore ab und hatten dabei eine tolle Bühnenpräsenz. Man merkte ihnen an, wie sehr sie hinter der Musik stehen. Leider waren auch hier die Backvocals viel zu leise.

Mit Casey war danach die zweite Band aus England auf der Bühne, diesmal aus South Wales. Sie erinnern sehr an die als „The Wave“ bekannt gewordenen Bands wie Defeater, La Dispute oder Touche Amore. Eine eigene melodiöse Spielart des Post-Hardcores, die sich durch viele Spoken-Word Passagen auszeichnet. Sie fiel musikalisch ein bisschen aus dem Schema, war aber eine willkommene Abwechslung in der doch eher härteren Musik der anderen Bands. Sehr emotionsgeladen mit starken Songstrukturen und cleveren Arrangements. Man hat aber am schiefen Gesang des Intros sehr gemerkt, wie drei Wochen Tour auf die Stimme schlagen können.

Alazka war die einzige Band aus Deutschland im diesjährigen Lineup der Never Say Die! Tour. Die Jungs aus Recklinghausen brachten eine moderne Mischung aus Metal- und Post-Hardcore mit. Einer der zwei Sänger kam in die vierte Liveshow von X-Factor. Handwerklich gut gemacht, wenn da nicht der Cleangesang wäre. Eher soulig, live passte es nicht immer so gut. Das am Ende des Sets der Northlane Sänger für einen Song die Clean Parts übernahm und die Begeisterung in die Höhe schnellte, spricht für sich.

Danach ging es mit Northlane zum ersten der Headliner. Sie liefern einen speziellen, aber doch eingängigen Sound. Eine Mischung aus hoch technischer, konzeptuell künstlich klingender Musik mit poppig eingängigen Cleans.

Um es mit den Worten des Sängers von Casey zu sagen:

Northlane is gonna take you to the fucking Matrix.

Für die sympathische Band aus Sydney war es eine der ersten Touren mit neuem Bassisten/Backing Sänger. Durch ihn wurden die coolen Gesangsdopplungen des Albums auch live möglich. Insgesamt eine fantastische Show, bei der Sie jeden Sänger der anderen Bands für einen Part in einem ihrer Songs auf die Bühne geholt haben. Endlich hat auch der Sound gestimmt.

Zu guter Letzt folgte mit Being As an Ocean der andere berechtigte Headliner. Überragende Liveshow. Der Gesang war on Point, genau wie die Instrumente. Insgesamt eine tolle Mischung aus Melodic und Post-Hardcore. Sie haben von allen Bands am krassesten mit extra Sounds und Synths vom Band gearbeitet, die den ganzen Saal zum Vibrieren gebracht haben. Das war schon beeindruckend. Allerdings konnte man sich manchmal fragen, wie viel sie selbst überhaupt noch gespielt haben, da teilweise auch Schlagzeug vom Band kam. Da viel bei ihrer Musik von der Atmosphäre lebt, ist das aber eigentlich kein Kritikpunkt, da sie so live ihre Klangwelt reproduzieren können.

Fazit

Den teilweise etwas zähen Abend bis zum Beginn der fünften Band kann man so zusammenfassen:

„Performance Top, Sound Flop“

Allein für die beiden Headliner Northlane und Being As an Ocean hat es sich trotzdem gelohnt. Überraschungen waren Polar, die mit unglaublich viel Herz auf der Bühne standen und Casey, die sich durch ihre Andersartigkeit positiv abgehoben haben.

Während des Auftritts von Casey wurde auch der amerikanischen Non-Profit „Hope for the Day“ eine Bühne geboten, die sich dem Thema psychische Gesundheit und Suizidprävention verschrieben hat. Da viele der Bands auch in ihren Texten Trauer, Tod und Suizid verarbeiten und Depressionen auch unter ihren Hörern verbreitet sind ist es eine tolle Sache, dass auch auf einer so großen kommerziellen Tour ein solches Thema in den Fokus gerückt wird.

In jedem Fall war die 2018er Auflage der Never Say Die! Tour den Besuch wert und es ist zu hoffen, dass beim Tourstopp 2019 in Leipzig auch der Sound von Anfang an stimmt.

 

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