Festival: Hurricane 2018

Nächste Station: Scheeßel

Vom 22. - 24. Juni hat sich unsere Musikredaktion auf dem Hurricane Festival irgendwo zwischen Hamburg und Bremen herumgetrieben. Ein Festivalbericht von drei einhalb Tagen Regen, Wind und Musik.
FJORT
FJORT aus Aachen

„Scheeßel, Willkommen in Scheeßel!“ - so die Ansage des Zugpersonals als wir am Donnerstag den mit Rucksack tragenden Menschen vollgepackten Regionalzug verlassen. Jetzt gibt es kein zurück mehr. Wir waren in jenem kleinen Dorf angekommen auf dessen Feldern seit 1997 das Hurricane Festival statt findet.

jungle
Jungle bringen die White Stage zum grooven

Das Regenwetter, das sich schon auf der Hinfahrt angedeutet hat, bleibt auch erst mal so. Wir machen uns trotzdem auf den Weg Richtung Campingplatz und versuchen für circa eine Stunde ein paar Quadratmeter freie Fläche für unsere zwei kleinen Zelte zu finden.

Nach Aufbau und Abendessen geht es dann aber endlich so richtig los und zwar Richtung White Stage, der einzigen überdachten Bühne, wo die Warm Up Party statt finden sollte. Radio Havanna, Liedfett, Leoniden und Audio88 & Yassin stehen auf dem Programm. Über RH und Liedfett kann man sich nur wundern, Leoniden heizen wie gewohnt ordentlich ein und für Audio88&Yassin reicht unsere Motivation dann leider nicht mehr aus.

Freitag

Musikreporterin Ariane Seidl im Gespräch mit Heather Baron-Gracie von Pale Waves

Juhu - Der erste richtige Festivaltag beginnt. Das heißt für uns allerdings erst mal Interviews führen. Mit Heather Baron-Gracie von der Synthie-Pop Band Pale Waves reden wir zum Beispiel darüber, was es heißt im Musikgeschäft schüchtern zu sein. Die Band aus Manchester machen Musik a là The 1975, dessen Frontmann Matty Healy großer Fan der Gruppe ist.

Nachdem Interview sehen wir Pale Waves dann auch zusammen mit einer kleinen, aber enthusiastischen Fangemeinde auf der Bühne, bevor es gleich zum nächsten Interview Termin geht: Tom McFarland, einer der Sänger des Soul/Funk Kollektivs Jungle schwärmt davon, wie die Menschen in Deutschland zu ihrer Musik tanzen und dass wir uns noch in diesem Jahr auf ein neues Album der Band aus England freuen dürfen. Die ersten Songs davon können wir dann später auch live sehen, neben ihrem Internethit „Busy Earnin'“ von 2014.

Ansonsten schaffen wir es an diesem Tag noch zu Coasts (Indie-Pop aus dem Katalog), FJORT (guter Post-Hardcore aus Aachen), London Grammar (wie kann man so viele Gefühle haben?) und Twoo Door Cinema Club, die seit 8 Monaten ihren erste Auftritt haben und das gesamte Publikum zum tanzen bringen. Zum Tagesabschluss gönnen wir uns dann noch eine gute halbe Stunde von Billy Talent und grölen bei „Surrender“ laut mit.

Two Door Cinema Club
Two Door Cinema Club erleuchten die Nacht

Samstag

Nach einer kurzen Nacht machen wir uns auf zu Yonaka, einer Alternative Rock Band aus Brighton, deren Sängerin trotz Regen alles gibt und die schon Frank Carter and The Rattlesnakes supportet haben. Nicht schlecht für den ersten Auftritt in Deutschland. Apropos Frank Carter! Der tritt fast direkt danach auf der Hauptbühne auf und hat so viel Energie, dass er gleich beim zweiten Song ins Publikum springt. Und weil das für einen echten Punk-Rocker nicht reicht, veranstaltet er dann auch noch den größten Circle Pit des Festivals, indem er einmal alle um den ersten Wellenbrecher rennen lässt.

kat frankie
Kat Frankie auf der White Stage

Weniger aufregend geht es dann bei Kat Frankie zu. Die sympathische Australierin, die es aber 2004 wegen der geringen Mietpreise (ha!) nach Berlin gezogen hat, präsentiert ihre poppig-schönen Songs. Dicht gefolgt von Parcels, die auch aus Australien kommen (und in Berlin leben, aber wahrscheinlich nicht mehr wegen der Mietpreise) und mit ihrem 80er Lametta-Retro-Pop den Funk aus jedem Zuhörenden rausholen. Mit ein wenig Verspätung schaffen wir es noch zu The Vaccines, die spaßige Mini Moshpits entstehen lassen.

parcels
Funky wurde es mit Parcels

Der legendäre Hip-Hop Opa Dendemann schafft es trotz des WM Spieles Deutschland gegen Schweden die Fläche zu füllen und macht richtig Bock auf sein neues Album (ja, es kommt wirklich noch dieses Jahr!) und Biffy Clyro rocken auch trotz kurzer Haare noch richtig gut.

Zum Schluss liefern Portugal, The Man noch eine richtig krasse Show ab. Ohne Pausen und mit hypnotischer Bildshow kann man sich ihrer Performance einfach nicht entziehen.

Warum wir es an diesem Tag nicht noch zu Justice schaffen ist einzig und allein der Müdigkeit zu verdanken. Verdammt.

Sonntag

Am Sonntag Morgen geht es erstmal ins Zelt vom Deutschen Roten Kreuz. Ein Redakteur (der Name bleibt natürlich geheim) hat es geschafft sich eine Brandwunde zu holen. Aber alles nicht so schlimm, wir kommen trotzdem noch rechtzeitig zum Set von Tom Grennan, einem Pop/Soul Newcomer aus England. Weiter geht es mit viel deutscher Musik von Drangsal, energetischen südafrikanischem Pop von Jeremy Loops und süßen Akustikklängen von Angus und Julia Stone.

Drangsal
Drangsal geht auf Tuchfühlung

Nach Franz Ferdinand, die zeigen, dass Indie-Rock eben doch fantastisch altern kann und James Bay, der jetzt schon nicht mehr so richtig gut ist, freuen wir uns dann auf unsere persönlichen Highlights: Arcade Fire und Arctic Monkeys. Denn auch wenn vielen diese „Indie-Kacke“ nicht Headliner-würdig erscheint, treffen vor allem erstere unsere Vorstellungen von einer richtig guten Show, was nicht nur am verspiegelten Umhang (It's a Relfektor!) von Sängerin Regine Chassagne liegt. Die Arctic Monkeys, die mittlerweile zu sechst auf der Bühne stehen, knallen zwar nicht ganz so wie früher, aber unsere Indie versifften Herzen sind trotzdem glücklich.

Mordor
Der Campingplatz aka Mordor

Fazit

Drei Tage Scheeßel und den Campingplatz, der am Ende einer riesigen Müllhalde gleicht, haben wir überlebt. Die Organisation war für ein Festival mit 65.000 Menschen wirklich vernünftig geregelt und auch wenn das Festival sehr kommerziell ausgelegt ist, Melitta, die Sparkasse, Beck's, Firestone uvm. lassen grüßen, gibt es doch Möglichkeiten sich dem zu entziehen. Mit der tollen Genre- und Künstlermischung konnte man auch zufrieden sein, auch wenn der musikalische Mainstream vielleicht etwas enttäuscht war. 

 

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Hurricane Festival 2018 - ein Überlick:

Wann: 22. bis 24. Juni 2018

Wo: Eichenring in Scheeßel

Line-Up:

Arctic Monkeys · Arcade Fire · The Progidy · Billy Talent · Marteria · Kraftklub · Justice · Biffy Clyro· Two Door Cinema Club · James Bay ·The Kooks · London Grammar · Franz Ferdinand · Angus & Julia Stone · Feine Sahne Fischfilet · Wanda · Dendemann · George Ezra · Prinz Pi · SXTN · Protugal. The Man · CHVRCHES ·  Black Rebel Motorcycle Club · Bonaparte · Samy Deluxe · MØ · Benjamin Clementine · UNDERØATH · The Vaccines · Jungle · uvm.

Alle weiteren Infos sowie Tickets für das nächste Jahr gibt's auf der Website.

 

Die Highlights unserer Redakteure:

Ariane:

1. Arcade Fire
2. Frank Carter & The Rattlesnakes
3. Jungle/Two Door Cinema Club

Jonas:

1. Portugal, The Man
2. Arcade Fire
3. Lonon Grammar/Two Door Cinema Club

Marie:

1. Arcade Fire
2. Two Door Cinema Club
3. Kat Frankie/Jungle