Fantasy Filmfest 2018

Arche des Grauens

Der südkoreanische Autorenfilmer Kim Ki-duk ist vor allem für seine melancholischen Geschichten bekannt. Sein neuester Film "Human, Space, Time and Human" sorgte schon bei der 68. Berlinale für Entsetzen, jetzt wird er beim Fantasy Filmfest gezeigt.
Szene aus "Human, Space, Time and Human"
Was hat dieser ältere Herr vor?

Ein Menschenfreund scheint Kim Ki-duk nicht zu sein. Bereits seine früheren Filme wie Seom - Die Insel oder Frühling, Sommer, Herbst, Winter und...Frühling sind wahrhaft keine Garant für gute Laune gewesen. Sein neuestes Werk ist nun ein regelrechtes Monstrum geworden. Es ist natürlich immer einfach zu sagen, die gesamte Menschheit sei böse und verkommen. Kim Ki-duk macht das ohne jegliche Rücksicht auf Verluste oder irgendwelche politische Korrektheit. Sein Querschnitt durch die Gesellschaft besteht aus korrupten Politikern, Prostituierten, Gangstern und einigen Hilflosen, denen irgendwann nur noch selbst der Hang zum Gewalttätigen bleibt. In Human, Space, Time and Human verfrachtet der Regisseur seine Menschengruppe auf ein Kriegsschiff. Hier befinden sich ein frischgebackenes Ehepaar, ein reicher Senator mit seinem Sohn und einige Kriminelle. Warum sie alle mit diesem wenig einladenden Schiff reisen, bleibt unklar, spielt aber auch keine Rolle. Es dauert nicht lange, da gehen sich die Figuren gegenseitig an die Gurgel, bevor am nächsten Morgen das böse Erwachen droht: Das Schiff schwebt auf einmal im Himmel. Hoch über den Wolken werden nun die Vorräte knapp und die wahre Natur des Menschen offenbart sich. 

Mord, Sex, Kannibalismus 

Das Recht des Stärkeren regiert an Bord des finsteren Metallgefängnisses, in das Kim Ki-duk seine Charaktere einpfercht. Die Mächtigen verschanzen sich mit den letzten Lebensmitteln, während die Wehrlosen jämmerlich verhungern. Die Versuchsanordnung in Human, Space, Time and Human bietet genug Zündstoff für eine düstere Gesellschaftsstudie und zum Teil ist diese Satire auch erschreckend boshaft ausgefallen. Nur leider verschwindet der Großteil dieses Potenzials in Unmengen an Abscheulichkeiten. Schon nach kürzester Zeit gibt es die ersten Vergewaltigungen, auch später werden immer weiter sexuelle Übergriffe folgen. Ein Umstand, der dem Film noch eine zusätzliche, bittere Note verleiht, da der Regisseur des sexuellen Missbrauchs beschuldigt und in die #metoo-Debatte verwickelt wurde. Bereits bei der Berlinale sorgte der Film dadurch Anfang des Jahres für Empörung, als er dennoch in der Sektion Panorama präsentiert wurde. Abgesehen von dieser Debatte ist Human, Space, Time and Human äußerst explizit und grafisch in seiner Gewaltdarstellung.  

Szene aus "Human, Space, Time and Human"

Kim Ki-duks Abgesang auf die Menschlichkeit gehört zweifellos zu den extremsten Beiträgen beim diesjährigen Fantasy Filmfest. Hier gehen die Menschen mit der Axt aufeinander los, erschießen sich und fressen sich gegenseitig auf, um irgendwie am Leben zu bleiben. Menschlich ist hier schnell gar nichts mehr. Stattdessen sieht man blutrünstigen Tieren zu, die im grausamen Überlebenskampf übereinander herfallen. Für einen handfesten Skandal oder ein ernsthaftes politisches Statement taugt der Film dennoch wenig. Man hat eben doch recht schnell verstanden, was einem der Regisseur hier mitteilen möchte, der Rest schleppt sich über vier Kapitel durch die viel zu langen zwei Stunden. Den Finger in die Wunde legen und die Verkommenheit der Menschheit anzuprangern ist immer leicht. Wenn es denn aber interessant wird und nach einem Ausweg aus diesem Dilemma gesucht werden muss, versinkt Human, Space, Time and Human in alttestamentarischer Kitschsymbolik. Der Zyklus endet in nur noch mehr Gewalt, der Film endet im Nichts. 

Fazit

Einzelne Spannungsmomente und die extreme Kompromisslosigkeit des Regisseurs können nicht darüber hinwegtäuschen, dass Human, Space, Time and Human eine düstere, aber dennoch ziellose Anprangerung bleibt. 

 

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Human, Space, Time and Human läuft im Rahmen des Fantasy Filmfest 2018 in sieben deutschen Städten.

SCREENING-Termine

BERLIN:  09 Sep / 21.00 Uhr
MÜNCHEN: 16 Sep / 16.00 Uhr
HAMBURG: 16 Sep / 21.00 Uhr
KÖLN: 15 Sep / 20.00 Uhr
FRANKFURT: 21 Sep / 20.15 Uhr
NÜRNBERG: 29 Sep / 13.30 Uhr
STUTTGART:  29 Sep / 13.00 Uhr.