Filmkritik

Hellboy: Höllischer Kindergeburtstag

Der rote, gehörnte Halbdämon ist zurück, um allerhand Ungeheuern den Garaus zu machen! "Hellboy - Call of Darkness" schickt den Höllenjungen im Neustart der Reihe in ein großes Gemetzel.
Szene aus "Hellboy"
Hellboy is back!

"Du hast Kinder gefressen!", brüllt Hellboy, während der Wüterich zornig auf die Hexe Baba Yaga einprügelt. Die berühmte russische Märchenhexe ist dabei nur eines von vielen Ungeheuern, die der teuflische Krieger zu Klump schlagen darf in diesem brutalen XXL-Neustart der Superheldenreihe. Ganze 11 Jahre ist es her, dass Regisseur Guillermo del Toro Hellboy auf das Kinopublikum losließ, seitdem ist es um die Reihe still geworden.

Weil jedoch auch dieses Franchise irgendwie am Leben erhalten werden muss, durfte nun Neil Marshall auf dem Regiestuhl Platz nehmen und mit Hellboy – Call of Darkness das neueste Abenteuer der Reihe inszenieren. Marshall ist dabei durchaus eine gute Wahl, immerhin hat er unter anderem mit Blackwater und The Watchers on the Wall zwei der besten Episoden der umjubelten Fantasyserie Game of Thrones inszeniert und mit dem Höhlen-Schocker The Descent einen modernen Horror-Klassiker geschaffen.

Artus, Riesen, Hexenfluch

In Hellboy  Call of Darkness geht es zunächst ins finstere Mittelalter, wo die böse Hexe Nimue, gespielt von Trash-Queen Milla Jovovich (Resident Evil, Future World), nach dem Weltuntergang strebt, aber in letzter Sekunde von König Artus mit dessen magischen Schwert Excalibur zerhackt und ihre Einzelteile in alle Himmelsrichtungen verteilt werden.

Szene aus "Hellboy"
Die Bluthexe sucht Vergeltung.

In der Gegenwart wird schließlich ein wildschweinköpfiges Ungetüm ihre Gliedmaßen wieder zusammensetzen, um ihren diabolischen Plan zu vollenden. Nun ist es an Hellboy, diesen Plan zu vereiteln. Call of Darkness verzichtet glücklicherweise auf das Durchexerzieren der Origin-Story, die den Fans sowieso bekannt sein dürfte. Wir sehen zwar in kurzen Rückblenden, wie Hellboy einst von den Nazis als Geheimwaffe heraufbeschworen werden sollte, aber dann von der guten Seite aufgenommen und zum Bekämpfer des Paranormalen ausgebildet wurde, aber dann geht es recht schnell in diese neue Episode bei den unzähligen Abenteuern des gehörnten Superhelden. Dieser Film orientiert sich dabei lose der Geschichte Hellboy: Wilde Jagd des Comiczeichners Mike Mignola, der seine beliebte Figur in den 90er Jahren zum Leben erweckte und damit einen Coup in der Populärkultur landete. 

Michael Harbour (Ein Quantum Trost, Stranger Things) löst nun unter Tonnen von rotem Make Up und Prothesen Ron Perlman in der Titelrolle ab. Sein Hellboy ist eine Mischung aus pubertierendem Teenager, der sich von Papa (Ian McShane) Nachhilfe im Rasieren geben lässt, während er bei der morgendlichen Routine die Hörner abfeilt und seine Kraft kaum zu kontrollieren weiß, andererseits einem versoffenen, pöbelnden Krieger, den so leicht nichts mehr schocken kann.

Szene aus "Hellboy"
Ein ungleiches Trio

An seiner Seite stehen die Geisterbeschwörerin Alice (Sasha Lane) und der Gestaltwandler Ben (Daniel Dae Kim), die jedoch vom Drehbuch kaum charakterliche Substanz erhalten. Für die Zeichnung der Figuren bleibt in diesem Action-Irrsin ohnehin kaum Zeit, auch wenn das der Sympathie keinen Abbruch tut. Die schlagfertigen Oneliner sitzen jedenfalls. Besetzung geglückt!

Hirn aus!

Das Ambivalente, das teilweise auch Bösartige dieses neuen Hellboys passt auch zum Rest des Films, der wesentlich finsterer als die Verfilmungen von del Toro daherkommt. Damit schwimmt Hellboy quasi auf der Deadpool-Welle mit, die mit dem familientauglichen Superheldenkino abrechnet und den Mut zur höheren Altersfreigabe beweist. In Hellboy wagt man sich ab den ersten Minuten in Splattergefilde vor, das Blut spritzt und fließt kübelweise, wenn die Monster einmal von der Leine gelassen werden. Im Gegensatz zum pseudo-provokativen Deadpool wirkt die überzogene Gewalt hier aber nur allzu konsequent und verleiht der düsteren Neuauflage tatsächlich einen Mehrwert.

Zumindest Regisseur Neil Marshall ist hier voll in seinem Element, immerhin hat er schon in seinen Filmen The Descent oder dem Historienschinken Centurion nicht mit Kunstblut gegeizt und darf sich hier in den Actionsequenzen ordentlich austoben. Auch der Comic-Look wird auf der optischen Ebene mit den aufwendigen Spezialeffekten beeindruckend eingefangen. Die erste Szene ist in Schwarz-Weiß getaucht, nur der Mantel und das Blut der Hexe Nimue leuchten in Rot, später wird ein knalliges Hölleninferno entfesselt hier wird die ganze Farbpalette bedient, jedes Setpiece bekommt seinen eigenen Stil verpasst. Zumindest in dieser Hinsicht kann man dem Film nicht viel vorwerfen, während man inhaltlich von diesem Reboot nicht viel erwarten darf, denn die Geschichte ist in etwa so tiefgründig wie ein Tropfen Monsterglibber auf dem dreckigen Fußboden.

Ein Trashspektakel

Während man die Guillermo del Toro-Verfilmungen durchaus noch als ernsthafte Geschichten betrachten konnte, wird man mit dieser Erwartungen bei Call of Darkness eher mit Kopfschmerzen zu kämpfen haben, denn das Charmante, das Märchenhafte und Liebevolle fehlen in dieser Neuauflage etwas.

Szene aus "Hellboy"
Baba Yaga hat Kinder gefressen.

Der neue Auftritt des roten Teufels ist stattdessen an Stumpfsinn kaum zu überbieten! Hier werden auf beinahe schwindelerregende Art und Weise völlig abstruse Ideen aneinandergereiht, dass der eine Teil des Kinopublikums wohl nur mit dem Kopf schütteln wird, während der trashaffine Teil seine helle Freude haben wird. Das eingangs erwähnte Gastmahl bei der Hexe Baba Yaga (hier ein groteskes Monstrum) in ihrem gigantischen hühnerfüßigen Hexenhaus, die übrigens Stalin wiedererwecken wollte, ist dabei nur einer von unzähligen geisteskranken Schauplätzen, durch die sich die Geschichte hangelt.

Im letzten Akt der zwei Stunden fehlt es Hellboy zwar deutlich an neuen Ideen und kommt leider in Bedrängnis, seine ohnehin schon blödsinnige Geschichte mit einer noch hanebücheneren Wendung aufzulösen, aber die atemlose Action, die kreativ gestalteten Monster, die Gags und der hohe Blutzoll sorgen für einen enormen Unterhaltungswert. Der Mix aus freiwilliger und unfreiwilliger Komik macht diesen Hellboy zu einer platten Nummernrevue, aber auch zu einem Fest für Trashfans. Schon die Comics waren schließlich ein wilder Mix aus Pulp-Geschichten, Fantasy, Horror und einer Prise von H.P. Lovecrafts schleimigen Tentakel-Schrecken. Es gab lange keinen Film mehr im Kino zu sehen, der so sympathisch und tollpatschig in das Fahrwasser des Trashkinos abgleitet.

Fazit

Diese mit Rockmusik unterlegte Monster-Splatterei wird das Herz der Trashfans zum Glühen bringen, vorausgesetzt man weiß, worauf man sich einlässt und ist einem solch stumpfsinnigen Nonsens nicht abgeneigt. Hellboy – Call of Darkness ist ein Kindergeburtstag für Erwachsene! 

 

Kommentieren

Janick Nolting
11.04.2019 - 12:01
  Kultur

Hellboy – Call of Darkness

Regie: Neil Marshall

Laufzeit: 121 Minuten

FSK 16

Kinostart: 11. April 2019

im Verleih von universum film

Drehbuch: Andrew Cosby

basierend auf den "Hellboy"-Comics von Mike Mignola

Cast: David Harbour, Milla Jovovich, Ian McShane, Daniel Dae Kim, Sasha Lane, Brian Gleeson und weitere

Der Film erscheint voraussichtlich am 30. August 2019 auf DVD und Blu Ray.