Fantasy Filmfest 2018

Heavy Trip: Tourbus in den Wahnsinn

Eine trottelige Metal-Band begibt sich in "Heavy Trip" auf eine wilde Odyssee zu einem norwegischen Festival. Zwischen gruseligen Horrorfilmen und verstörenden Arthausfilmen darf beim Fantasy Filmfest endlich mal gelacht werden.
Szene aus "Heavy Trip"
Ein Tourbus der etwas anderen Art

Sie sind eine Band. Eine Metal-Band. Aber Heavy Metal ist das nicht, wie viele fälschlicherweise behaupten. Turo, Pasi, Lotvonen und Jynkki träumen davon, mit ihrer Musikkarriere endlich so richtig durchzustarten. Das gestaltet sich jedoch schwieriger als gedacht, denn in ihrem Heimatdorf in Finnland gelten sie eher als Paradiesvögel und werden mit ihren langen Haaren auf offener Straße als "Homos" beschimpft. Jetzt reicht es, denken sich die jungen Männer! Impaled Rektum, so der Name ihrer Band, begibt sich auf eine wilde Reise zu einem norwegischen Musikfestival. Der Name ihres Musikstils? Symphonic-Post-Apocalyptic-Reindeer-Grinding-Christ-Abusing-Extreme-War-Pagan-Fennoscandian-Metal. Noch Fragen? 

Schräges Roadmovie     

Heavy Trip ist die einzige klassische Komödie beim diesjährigen Fantasy Filmfest und man muss gar nicht unbedingt Heavy Metal - Fan sein, um an diesem schrägen Trip Gefallen zu finden. Dafür ist das ganze Ensemble, im Zentrum natürlich die Bandmitglieder, zu liebenswert. Man muss sich zugegebenermaßen in der ersten Hälfte durch einige kleine Längen hindurchkämpfen, aber spätestens im letzten Drittel legt Heavy Trip  richtig los und entfesselt die volle Ladung Wahnsinn. Da kommen Raketenwerfer zum Einsatz, im Finale präsentiert ein Sarg eine Crowdsurfing-Einlage und eine Gruppe Wikinger wird auf frischer Tat beim Rollenspiel ertappt. Aber immerhin kann man deren kleines Schiff noch benutzen, um ans ersehnte Ziel zu kommen, wenn der Tourbus mal versagt.

Das Maß an Kuriosität kennt hier keine Grenzen mehr, auch wenn ein paar Slapstickeinlagen weniger auch nicht schlecht gewesen wären. Im Grunde genommen ist Heavy Trip ein einziger Kindergeburtstag, der bei seinem Publikum einen gewissen Alkoholpegel im Vorfeld offenbar voraussetzt. Etwas ärgerlich bleibt nur, dass der Film sich seiner Klischees, die er eigentlich parodieren will, dann doch allzu oft selbst bedient. Als Anwärter auf den Fresh Blood Award beim Fantasy Filmfest dürfte diese Komödie wohl eher geringe Chancen haben, denn dafür ist die Konkurrenz mit Werken wie dem bewegenden Sozialdrama Bomb City zu groß. Für einen unterhaltsamen, spaßigen Kinoabend ist diese Komödie beim Festival aber die richtige Wahl. 

Fazit

Heavy Trip ist durchschnittlicher, aber sympathisch-trashiger Spaß, der sich am Ende sogar noch eine Hintertür für eine Fortsetzung offen lässt. 

 

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"Heavy Trip" feiert seine Deutschlandpremiere beim Fantasy Filmfest 2018 und läuft im Wettbewerb um den Fresh Blood Award. 

SCREENING-Termine

BERLIN – 15 Sep / 20.15 Uhr
MÜNCHEN – 20 Sep / 20.15 Uhr
HAMBURG – 21 Sep / 20.15 Uhr
KÖLN – 16 Sep / 17.30 Uhr
FRANKFURT – 23 Sep / 18.15 Uhr
NÜRNBERG – 27 Sep / 20.15 Uhr
STUTTGART – 27 Sep / 18.00 Uhr