GameCheck: My Memory of Us

Die Geschichte einer Freundschaft

Viele Videospiele thematisieren die Gewalt und Grausamkeit des Zweiten Weltkriegs. Doch das Indie Game "My Memory of Us" wählt einen ganz anderen Zugang zu dem Thema und legt seinen Fokus auf das Schicksal zweier Kinder.
Der Junge und das Mädchen auf einem Foto
Die gemalte, schwarz-weiße Welt sorgt für eine schwermütige Stimmung.

Warschau im 21. Jahrhundert. Ich spiele ein Mädchen, das auf dem Weg zu einer Buchhandlung ist. Dort begegne ich dem Besitzer, einem alten Mann. Ich sehe mich im Haus um und finde ein Buch. Damit kehre ich zurück zum alten Mann, bei dem die Erinnerungen an seine Jugendfreundin aufkommen. Er erzählt mir rückblickend, wie er sie zur Zeit des Nationalsozialismus kennenlernte und was für Abenteuer sie erlebten — in einer Robotergeschichte.

Ein ungleiches Paar

Menschen zeigen auf das Mädchen
Auch hier werden Juden dazu gezwungen, sich nach außen zu kennzeichenen - mit der Farbe rot.

Der Erzähler ist ein kleiner Dieb. Als er auf der Flucht vor der Polizei in eine Mülltonne fiel und feststeckte, hilft ihm das große Mädchen heraus, das bald seine Freundin wird. Gemeinsam erkunden die beiden die Stadt, die zunächst friedlich scheint, und erleben dabei Abenteuer. So stiehlt der Junge einmal einen Kuchen für sie an ihrem Geburtstag. Doch mit der Zeit werden die Roboter, welche die Nationalsozialisten darstellen, immer präsenter. Diese stellen eine Gefahr für die beiden Charaktere dar, denn das Mädchen ist Jüdin.

Abenteuerspielplatz Warschau

Und so schleichen sich die beiden in ihren Abenteuern oft an Wachen vorbei. Nützlich dabei ist, dass der Junge Schleichen als Fähigkeit besitzt. Wenn er das Mädchen an die Hand nimmt, können beide unbemerkt an den Robotern vorbeiziehen. Dafür kann ich mit dem Mädchen schnell rennen.

Ein Schieberätsel
Die vielseitigen Rätsel sind notwendig, um im Spielverlauf weiterzukommen.

Doch ich bin beim Spielen nicht auf einen der beiden Charaktere reduziert. Ich kann zwischen dem Jungen und dem Mädchen hin und her wechseln. Das muss ich sogar, um Rätsel in dem Spiel zu lösen. Denn die sind neben dem Rumlaufen und Hindernisse überwinden ein elementarer Bestandteil des Platformers. Von Schieberätseln über Knöpfe zur richtigen Zeit drücken gibt es ein großes Spektrum an Denkspielen. Die können sehr knifflig sein, aber auch sehr frustrierend.

Dabei ist es nicht sehr hilfreich, dass die Charaktere keine eigene Sprachausgabe haben. Sie kommunizieren über kleine Bildchen. Wenn ich die falsch deute, weiß ich oft nicht, was zu tun ist.

Gemeinsam sind wir stärker

Zusammenarbeit ist zentral im Spiel. Mit einem Charakter allein komme ich nicht voran. Das kann ziemlich nervig sein, da ich als Einzelperson zwei Figuren steuern muss. Wenn ich die beiden nicht wie in der Grundschule Händchen halten lasse, muss ich mit dem anderen immer manuell nachkommen. Besonders störend ist das beim Überwinden von Hindernissen. Sehr schade ist zudem, dass es keinen lokalen Multiplayer gibt, obwohl sich das Spiel absolut dafür anbietet.

Fazit

"My Memory of Us" erzählt auf eine berührende Weise wahre Begebenheiten zur Zeit des Nationalsozialismus nach. Auch wenn die Kinder das Geschehen als Abenteuer sehen, ist die Geschichte sehr bedrückend. Leider hat mich das Spiel oft mit frustrierenden Spielmechaniken aus dieser Immersion gerissen. Von diesem Manko abgesehen, ist My Memory of Us ein liebevoll gestaltetes Abenteuerspiel. Rätselfreunde werden mit den kniffligen Denkspielen definitiv auf ihre Kosten kommen. Und auch Kinder können spielend über die historischen Ereignisse lernen.

 

Der Beitrag zum Nachhören:

Die Rezension von Laura Kreuzhage
Der Beitrag zum Nachhören

 

 

 

Kommentieren

"My Memory of Us"

Plattformen: Windows, Playstation 4, Xbox One, Nintendo Switch

Entwickler: Juggler Games

Herausgeber: IMGN.PRO