Serie

Game of Thrones: Ein Fazit

Die erfolgreichste und größte Serienproduktion aller Zeiten ist Geschichte. "Game of Thrones" ist nach acht Jahren und 73 Episoden mit kontroversen Diskussionen der Fans zu Ende gegangen. Zeit für einen Rückblick auf das umstrittene Finale.
Game of Thrones
Der Ursprung allen Übels

Nichts ist mächtiger als eine gute Geschichte, heißt es in der letzten Folge von Game of Thrones. Wie kaum ein anderes Phänomen der Populärkultur hat die Fantasysage über acht Jahre bewiesen, wie stark eine solche Geschichte Fans auf der ganzen Welt vereinen kann. Was wurde nicht diskutiert und analysiert, jede kleinste Einstellung auseinandergenommen. Was wurde nicht über die unzähligen Fantheorien spekuliert, die seit Erscheinen der Romanvorlage von George R.R. Martin kursierten und immer größere Ausmaße ausgenommen haben. So große Ausmaße, dass es – man sollte sich nichts vormachen – an eine Sache der Unmöglichkeit grenzte, diese im Grunde genommen formatsprengende Geschichte fernsehtauglich zu einem befriedigenden Ende zu führen. Alle sind unzufrieden, also scheint es wie ein guter Kompromiss, sagt Tyrion, der letzte Überlebende aus dem Hause Lannister im Finale und spricht damit den viel kritisierten Machern aus der Seele.

Luise Tasler, Lennart Johannsen, Jesper Hoeft und Janick Nolting sprechen über die letzte Folge von Game of Thrones.

Fragen über Fragen

Werden die White Walker noch einmal wiederkehren? Hat Bran mit seinen hellseherischen Fähigkeiten in Wirklichkeit alle Ereignisse manipuliert? Wer ist der versprochene Azor Ahai? Würde Arya mit ihrem erlernten Gesichtswandel noch einmal für eine große Überraschung sorgen?

Szene aus "Game of Thrones"
Daenerys wird zur Tyrannin.

Nach den eher schwachen letzten Folgen der achten Staffel, in denen alles auf Biegen und Brechen auf die Zielgerade gepeitscht wurde und Charaktere innerhalb weniger Szenen teils haarsträubende Wandlungen durchmachen mussten, war es wenig verwunderlich, wie simpel und zielstrebig dann doch alle Handlungsstränge ihr Ende finden. Während sich die Schwächen der siebten und achten Staffel nicht mehr aus dem Gedächtnis löschen lassen, gelingt zumindest der versöhnlichen letzten Episode, noch einmal das alte Game of Thrones - Gefühl zu beschwören.

Zeit für Verschnaufpausen, Zeit, die bedrohliche Atmosphäre wirken zu lassen, Zeit für ausgefeilte Dialoge, auch wenn die letzte Folge allerhand wichtige Dinge in kürzester Zeit abhandeln muss. Die drohende Tyrannin Daenerys Targaryen wird in der ersten halben Stunde konsequenterweise ermordet und zwar von ihrem Geliebten und Neffen Jon Snow, bevor ihr Drache Drogon in einer poetischen Einstellung den todbringenden Eisernen Thron mit seinem Feuer einschmilzt und mit der Leiche seiner Mutter davonfliegt. Das Zentrum der Macht, das acht Staffeln lang so viele Opfer gefordert hat, existiert nicht mehr. Die Erbmonarchie wird abgeschafft, Hellseher Bran soll fortan herrschen, der Norden erklärt sich unabhängig und Jon Snow wird für seinen Verrat in den Norden verbannt. In der letzten Einstellung zieht er mit den Wildlingen in den Wald Jenseits der Mauer.

Annika Sparenborg, Louisa Grübler, Dennis Blatt und Janick Nolting ziehen ein Fazit und sprechen im letzten Podcast zu Game of Thrones noch einmal über ihre emotionalsten Erlebnisse mit der Serie.

 

Das Rad brechen

Die Serie endet dort, wo sie vor acht Jahren begonnen hat, aber dieses Mal scheint der Norden sicher. Viele groß aufgebaute Handlungsstränge wurden radikal abgeschnitten, die Enttäuschung unzähliger Fans ist wenig überraschend und doch gelingt Game of Thrones ein würdiges, emotionales Ende.

Szene aus "Game of Thrones"
Die Wege der Starks trennen sich.

Ein Ende, das politisch einiges an Diskussionsstoff liefert. Manchmal muss es eben zur Katastrophe kommen, bis ein Neuanfang in der komplizierten Politik gewagt werden kann, so das Fazit. Dennoch bleibt ein Rest Unbehagen, ob es sich wirklich um ein Happy End handelt, denn ob der ewige Machtkampf wirklich jemals beendet werden kann, wirkt fraglich in dieser Fantasywelt, die unserer realen Welt häufig allzu ähnlich war.

Das ewige Rad, der Kreislauf der Macht scheint gebrochen, wie es Daenerys immer wollte, doch die Wege der meisten Charaktere trennen sich, alle übrigen Parteien müssen sich in Zukunft neu einander annähern. Es ist eben zum Schluss das "bittersüße Ende", das George R.R.Martin immer versprochen hatte. Seine eigene Version des Endes lässt immer noch auf sich warten. Um die 3000 Seiten sollen noch von ihm geschrieben werden, bis die noch viel komplexere Romanvorlage ebenfalls auf sein Finale zusteuert. Neben all der berechtigten Kritik an der Drehbuchentwicklung der vergangenen Staffeln bleibt ein wehmütiger, aber auch etwas frustierter Abschied von dieser Serie. Vor allem aber bleibt Dankbarkeit für viele Jahre beste Fernsehunterhaltung.

 

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Janick Nolting
24.05.2019 - 16:02
  Kultur

Hier gibt es alle Podcast-Folgen zu "Game of Thrones" zum Nachhören.