Frisch Gepresst

Die Braut, die sich was traut

Nach sechs Jahren Pause kehren die newyorker Vorzeige-Hipster Vampire Weekend mit einem der am heißesten erwarteten Alben des Jahres zurück. Kann „Father of the Bride“ den enormen Erwartungen standhalten?
Vampire Weekend - Father of the Bride
Ezra Koenig - Frontmann von Vampire Weekend

Vampire Weekend haben sich einen besonderen Platz in der Musik-Szene gesichert. Was ihr Image und ihre Präsentation angeht, könnte die Band dem Klischee des Indie-Hipsters kaum mehr entsprechen. Vier Jungs mit geschniegeltem Auftreten, allesamt aus New York, ehemals Kunststudenten an einer Elite-Uni, die mit ihrer Musik schnell die Herzen eines jungen, urbanen Publikums eroberten. Mit ihrem gefeierten Debüt-Album schwammen sie 2008 auf dem hinteren Ende der Indierock-Welle der Nullerjahre mit und schufen mit „A-Punk“ einen der Vorzeige-Hits des Genres. Im Gegensatz zu anderen Bands ihrer Strömung schafften es Vampire Weekend jedoch, nicht von der Zeit überholt zu werden. Wo Strokes, Franz Ferdinand und Co. heute in erster Linie für ihre Fanbase spielen und mit neuen Alben kaum noch Aufmerksamkeit auf sich ziehen, gingen Vampire Weekend nicht an ihrem ursprünglichen Hype zugrunde, sondern schafften es dank beständiger musikalischer Weiterentwicklung, auch mit ihren nachfolgenden Alben relevant zu bleiben. Somit bestehen nach sechs Jahren Auszeit an das neue Werk der Gruppe große Erwartungen. Erwartungen, die „Father of the Bride“ vollends erfüllt!

Spagat zwischen Alt und Neu

Mehr noch als vorherige Vampire-Weekend-Alben, stellt „Father of the Bride“ eine musikalische Weiterentwicklung für die Gruppe dar, ohne dabei ihren Wiedererkennungswert zu opfern. Der Opener „Hold You Now“ lässt dank der markanten Stimme von Bandkopf Ezra Koenig zwar keinen Zweifel daran, wer hier am Werk ist, zeigt aber auch schon die größte Veränderung im Sound der Band: auf „Father of the Bride“ nehmen E-Gitarren nur noch wenig Raum ein. Stattdessen dominieren Akustikgitarren, die häufig geloopt oder von anderen elektronischen Spielereien unterbrochen und zerstückelt werden. Im weiteren Verlauf des Albums gesellen sich eine Vielzahl weiterer, teils exotischer Instrumente dazu, die jedem der Songs eine ganz eigene Note verleihen. „Vampire Weekend“ zeichneten sich seit jeher durch ihre Bereitschaft aus, Weltmusik-Elemente in ihre Musik einzubauen. Besonders die Rhythmik des Afrobeat-Genres war ein wiederkehrendes Element auf früheren Alben der Gruppe. Auf „Father of the Bride“ findet sich dieses nur noch selten. Stattdessen machen sich Einflüsse aus einer Vielzahl anderer Musikstile, wie Country, Soul und Bossa-Nova hörbar.

Dieser Abwechslungsreichtum ist auch sehr willkommen, denn mit insgesamt 18 Tracks ist „Father of the Bride“ ein ziemlicher Brocken. Dank der Vielseitigkeit in Instrumentierung und Stil wird die Platte jedoch trotzdem zu keinem Zeitpunkt langweilig; ein Highlight reiht sich an das Nächste. Mit „Bambina“ erinnern Vampire Weekend für weniger als zwei Minuten daran, dass sie immer noch knackige Indierock-Hits schreiben können, wenn sie denn nur möchten. „This Life“ schafft direkt im Anschluss einen unwiderstehlichen Gute-Laune-Vibe, der im Kontrast zu den melancholischen Lyrics steht.

Baby, I know pain is as natural as the rain. I just thought it didn't rain in California

Vampire Weekend - This Life

Der Kontrast zwischen positiver Stimmung und schwermütigem Inhalt zieht sich über die Gesamtlänge von „Father of the Bride“ hinweg. Auf der Oberfläche schaffen Vampire Weekend das wahrscheinlich sonnigste Album ihrer bisherigen Diskografie. Darunter gibt sich Songwriter Ezra Koenig jedoch nachdenklicher als je zuvor. Besonders die Themen Liebe, Ehe und Familie ziehen sich dabei wie ein roter Faden durch das neue Werk des frischgebackenen Vaters. Passend dazu begleitet Indie-Kollegin Danielle Haim einen Großteil der Songs als Background-Sängerin und tritt bei drei der Stücke als Duett-Partnerin in den Vordergrund. Der daraus entstehende romantische Schlagabtausch weckt Erinnerungen an Fleetwood Mac und schafft mit „Married in a Goldrush“ ein weiteres Highlight.

Fazit:

Vampire Weekend gelingt es mit „Father of the Bride“ die großen Erwartungen vollends zu Erfüllen. Das Album ist musikalisch experimentell, ohne dabei den Wiedererkennungswert der Band zu opfern. Eine hervorragende Produktion, vielseitige Instrumentierung, kreative Arrangements und großartige Melodien schaffen ein sonniges Klangkostüm, das den ZuhörerInnen schnell ein Lächeln ins Gesicht zaubert und zum Mitsingen einlädt. Hinzukommen starke Lyrics voller cleverer Beobachtungen und persönlicher Ängste. Unter den 18 Tracks reiht sich ein Höhepunkt an den nächsten, sodass die Repeat-Taste schnell zum Glühen kommt. „Father of the Bride“ kann in einem Atemzug mit den besten Vampire-Weekend-Alben genannt werden und ist schon jetzt ein Highlight 2019.

 

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Martin Pfingstl
13.05.2019 - 16:35
  Kultur

Vampire Weekend: Father of the Bride

Tracklist:
  1. Hold You Now (feat. Danielle Haim)
  2. Harmony Hall
  3. Bambina *
  4. This Life *
  5. Big Blue
  6. How Long?
  7. Unbearably White *
  8. Rich Man
  9. Married in a Gold Rush (feat. Danielle Haim) *
  10. My Mistake
  11. Sympathy *
  12. Sunflower (feat. Steve Lacy) *
  13. Flower Moon (feat. Steve Lacy) *
  14. 2021
  15. We Belong Together (feat. Danielle Haim)
  16. Stranger
  17. Spring Snow
  18. Jerusalem, New York, Berlin

*Anspieltipp

Erscheinungsdatum: 03.05.2019
Sony Music