Frisch Gepresst: Mac Miller

I was drowning, but now I’m swimming

Mit „Swimming“ meldet sich Mac Miller eindrucksvoll zurück und verabschiedet sich endgültig von seinem alten Image. Inzwischen stehen selbstreflektierende Texte über seine Person im Vordergrund, welche musikalisch elegant in Szene gesetzt werden.
Mac Miiller
Mac Miller

Zwei Jahre ist es her, seit das letzte Studioalbum „The Divine Feminine“ erschienen ist. Damals mit dabei war Freundin Ariana Grande, welche sich dieses Frühjahr von Miller trennte. Doch anstatt in seinem Album gegen das Popsternchen nachzutreten, konzentriert sich der US-Rapper lieber auf sich selbst und seine Vergangenheit.

Reflexion statt Party

Bereits mit dem ersten Song „Come Back To Earth“ wird klar, dass sich „Swimming“ von den vorherigen Alben abhebt. Es wirkt sehr melancholisch, sogar leicht depressiv. Jedoch ist es ein stimmiges Konzept.

 

Entgegen dem aktuellen Trend in der Rap Musik das große Geld und Ruhm oder Rassismus und Sozialkritik zu thematisieren, schafft es Mac Miller sich selbst und seine Gefühlswelt in den Mittelpunkt zu stellen und dabei keineswegs überzogen theatralisch zu wirken.

Vorbei ist der Frat-Rap, bei dem Selbstverherrlichung und Selbstdarstellung im Fokus standen. Mit Aussagen wie: „Woah, I ain’t just an Average Joe, way above the average flow. Boy, my life is most dope.“ beschrieb Mac Miller sich selbst in früheren Songs wie Best Day Ever, doch inzwischen gibt er sich deutlich selbstkritischer und pragmatischer. Es is offensichtlich, dass Mac Miller sich in den vergangenen Jahren weiterentwickelt hat und erwachsen geworden ist. Stattdessen sind es folgende Sätze, welche nun von ihm zu hören sind:

„Every day I wake up and breathe. I don’t have it all, but that’s all right with me.“

Song: 2009

Von Trap bis Funk

Davon profitieren nicht nur seine Texte, sondern auch die musikalische Gestaltung der Songs. Damit erweist sich „Swimming“ als Mac Miller’s bislang vielfältigstes und facettenreichstes Album.

Seien es knackige Trap Beats wie in „Hurt Feelings“ oder „Perfecto“, welche im zeitgemäßen Gewand daherkommen, oder sehr funklastige Songs wie „What’s the Use?“, welche sehr geschmeidig in die Ohren der Zuhörenden gleiten, aber dennoch nicht von der melancholischen Grundstimmung abweichen.

"Jet Fuel“ weist dagegen mit seinem jazzigen Sound und abgerundeten Flow Parallelen zu Frank Oceans Album „channel ORANGE“ auf und könnte sich nahtlos einreihen. Für weitere Abwechslung sorgt beispielsweise „2009“ mit einem knapp einminütigen Violinen- und Klaviervorspiel. Dennoch ist es Mac Miller irgendwie gelungen, jederzeit einen guten Spagat zwischen erfrischenden Beats und bedrückender Atmosphäre zu erzielen.

Zwischen Rap und Gesang

Aber auch die Vocals sind abwechslungsreich und wandelbar. So errichtet Mac Miller in seinen Songs immer wieder eine Symbiose zwischen Gesang und Rap. Das recht geringe Tempo ermöglicht es, ein emotionales Bild Miller’s zu schaffen und Zuhörer*innen zu erreichen, was wohlgemerkt nicht jedem Künstler gelingt.

Das heißt jedoch nicht, dass die Rap Komponente zu kurz kommt. Sie wird vielmehr durch den Gesang unterstützt und in Szene gesetzt. Dadurch wirken gerade die Rap-Parts frisch und modern. Paradebeispiel dafür ist der Song „Self Care“, welcher mit seinem Flow an Wellengang auf offener See erinnert.

Erfrischend, aber nicht neu.

„Swimming“ ist kein Album, welches unbedingt auf einer Party gespielt werden sollte, sondern eher einen ruhigen Abend benötigt, um Mac Millers Worten zu lauschen. Nur so kann seine Geschichte erzählt werden. Es ist eben kein 0815 Album, sondern spiegelt die persönliche Gefühlswelt eines verletzten Künstlers wider.

Es sollte an dieser Stelle betont werden, dass Mac Miller keineswegs als Pionier verstanden werden darf, der das Rad der Rap-Musik neu erfindet. Er übernimmt lediglich bestehende Einflüsse anderer Musikgenres und lässt diese in seine Songs einfließen, wie es bereits andere vor ihm taten. Da wäre beispielsweise Kendrick Lamar zu nennen, welcher sich mit seinem 2015 veröffentlichten Album „To Pimp A Butterfly“ noch einmal eine ganze Ecke vielschichtiger und tiefgründiger zeigt.

Dennoch bediente sich Miller bei verschiedenen musikalischen Richtungen und implementierte sie neu, wodurch abwechslungsreiche Songs entstehen. Swimming entpuppt sich am Ende als vielschichtiges und stimmiges Gesamtwerk.

 

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Mac Miller: Swimming

Tracklist:
  1. Come Back To Earth
  2. Hurt Feelings
  3. What's The Use
  4. Perfecto
  5. Self Care
  6. Wings
  7. Ladders
  8. Small Worlds
  9. Conversation Pt. 1
  10. Dunno
  11. Jet Fuel
  12. 2009
  13. So It Goes
Erscheinungsdatum: 03.08.2018
Warner Bros Records