Kino

Fantasy Filmfest 2019: Alle Highlights

Das Fantasy Filmfest 2019, Deutschlands größtes Genrefestival, bietet wieder mit insgesamt 50 Titeln im Programm eine wilde Mischung für alle Liebhaber der schrägen Filmkunst. mephisto 97.6 kürt die 10 besten Filme der 33. Ausgabe des Festivals.
Fantasy Filmfest 2019
Das Fantasy Filmfest bietet Filme für jeden Geschmack

Platz 10: Extra Ordinary

Was wäre eigentlich, wenn wir mit Geistern kommunizieren könnten? Okay, diese Frage ist natürlich keine Neuheit im Horrorgenre, aber die Antwort, die Extra Ordinary - Geisterjagd für Anfänger darauf gibt, wird zu einer wunderbar schrägen Nummernrevue. Maeve Higgins glänzt in dieser irischen Komödie als Fahrlehrerin mit besonderen Fähigkeiten, die einem bösen Möchtegern-Teufelsanbeter das Handwerk legen muss. Sympathische Charaktere, verrückte Einfälle und jede Menge Horrorklassiker-Zitate, inklusive einer irrwitzigen Mad Max - Parodie in Schrittgeschwindigkeit. Extra Ordinary hat Kultpotential!

Veröffentlichung am 25. Oktober 2019 auf DVD und Blu Ray.

Platz 9: Vivarium

Keine Erklärungen, keine Lösung, kein Ausweg! Jesse Eisenberg und Imogen Poots beziehen als Paar eine Wohnsiedlung, in der ein Haus dem anderen gleicht. Doch bald müssen sie feststellen, dass sie hier die einzigen Bewohner sind. Die kafkaeske Vorstadthölle, die Vivarium zeigt, gehört in ihrer unheimlichen Stille jedenfalls zu den verstörendsten Schauplätzen, die das Fantasy Filmfest 2019 zu bieten hat. Wenn Jesse Eisenberg in bester Kevin Bacon - Manier im Wahn den Vorgarten umgräbt, während im Haus das nervigste Filmkind des Jahres brüllt, dann ist das ein im besten Sinne frustrierendes Kinoerlebnis, das kein Entkommen zulässt. Ein ordentliches Mindfuck-Finale gibt´s gratis dazu!

Veröffentlichungstermin noch unbekannt

Platz 8: Bliss

Wie erschafft man das ultimative Kunstwerk? Drogen schaffen Abhilfe! Das denkt sich zumindest die Protagonistin in Bliss, bevor sie der titelgebenden Hardcore-Droge verfällt und in blutigen Visionen versinkt. Hier wird die zerstörerische Kraft der Kunst zelebriert, was in in viel Geblinke, Geflacker, Gedrehe, Gekreische und Gematsche gipfelt, dass es den Eindruck erweckt, dass dieser Film wohl der Ersatz dafür sein soll, dass Regie-Provokateur Gaspar Noé in diesem Jahr nicht auf dem Festival vertreten ist.

Bliss sieht aus wie ein gefundenes Schmuddelvideo aus den 80ern, das irgendjemand unter der Ladentheke einer alten Videothek vergessen hat. Das bedient sich etwas dreist bei seinen Vorbildern Noé oder auch Aronofsky, feiert aber mit seinem furiosen Splatterfinale auf herrlich verstörende Art und Weise die Kultur des guten alten Mitternachtskinos. Ein irrer Trip und der blutigste Film im Festivalprogramm!

Veröffentlichungstermin noch unbekannt

Platz 7: Why Don´t You Just Die

Ein junger Mann taucht bei einem älteren Herrn in der Wohnung auf. In der Hand hält er einen Hammer. Er ist wütend und will Rache! Warum genau, das erschließt sich erst nach und nach, aber was Why Don´t You Just Die für ein herrlich übertriebenes Wohnzimmerduell entfesselt, ist großes, äußerst blutiges und schwarzhumoriges Slapstickkino, irgendwo zwischen Guy Ritchie, Quentin Tarantino und den The Raid - Filmen. Das fängt stärker an als es der Film dann weiterhin halten kann, aber allein wegen der grotesken Auftaktsequenz sollte man sich diesen kleinen Geheimtipp aus Russland unbedingt anschauen. Die Schadenfreude siegt über den zähen Plot in diesem heißen Anwärter auf den Fresh Blood Award, den Publikumspreis des Festivals!

Veröffentlichungstermin noch unbekannt

Platz 6: I See You

Was haben verschwunde Kinder mit der Ehekrise eines reichen Paares zu tun? Und was hat es mit den unerklärlichen Spukerscheinungen auf sich, die im Haus vor sich gehen? I See You setzt nach und nach ein Puzzle aus Familiendrama, Vorstadtkrimi und Geistergeschichte zusammen, das in seinen Twists so konstruiert ist, dass man irgendwann nicht mehr allzu sehr darauf herumdenken sollte. Extrem spannend ist das dennoch! Wie hier die verschiedenen Akte aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt werden und das Publikum erfährt, was wirklich in dem zu Hause der kriselnden Familie vor sich geht, eröffnet eine unheimliche Thematik, bei der man abends in den eigenen vier Wänden lieber auf jedes Geräusch achtet!

Veröffentlichungstermin noch unbekannt

Platz 5: Hotel Mumbai

Darf das Kino sich nach so kurzer Zeit derartiger Schreckensereignisse bemächtigen und daraus einen spannenden Hollywoodthriller drehen? Diese Frage muss in Hotel Mumbai, der die terroristische Übernahme eines Luxushotels in Mumbai im Jahr 2008 nachstellt, außerhalb des Kinosaals beantwortet werden. Unumstritten ist jedoch die handwerkliche Raffinesse, mit der dieses Regiedebüt eine erschütternde Intensität heraufbeschwört, dass man danach erst einmal einen Spaziergang an der frischen Luft braucht.

Eine ausführliche Filmkritik gibt es hier.

Veröffentlichung am 25. Oktober 2019 auf DVD und Blu Ray

Platz 4: Light Of My Life

Trotz aller Vorwürfe im Zuge der #metoo-Debatte, trotz aller Kontroversen um das Thema dieses Films: Casey Affleck (Oscar für Manchester by the Sea) hat mit Light Of My Life eine beachtliche Regie- und Schauspielleistung vorgelegt. Nachdem eine Seuche fast alle Frauen der Welt dahingerafft hat, schlägt sich Affleck als alleinerziehender Vater mit seiner Tochter durch ein tristes Amerika und entwickelt in seinem subtilen Spiel eine solche Zerbrechlichkeit und emotionale Wucht, dass man seine Leistung beinahe als hypnotisch bezeichnen kann.

Wo diese Dystopie eigentlich erzählerisch ankommen will, erschließt sich nicht so ganz, beeindruckend bebildertes, äußerst atmosphärisches und mitreißendes Schauspielkino ist es dennoch geworden. Der wohl langsamste, aber auch berührendste Film beim 33. Fantasy Filmfest!

Veröffentlichung am 31. Januar 2020 auf DVD und Blu Ray

Platz 3: All The Gods In The Sky

Dass Frankreich ein Garant für herausforderndes Genrekino ist, wissen Horrorfans spätestens seit der blutigen Terrorfilmwelle, die mit radikalen Werken wie Martyrs, High Tension oder Inside weltweit für Aufsehen gesorgt hat. All The Gods In The Sky verzichtet zwar weitgehend auf blutige Schocks, aber ist weiterer, nicht minder deprimierender Diskussionsstoff geworden, der das Thema der häuslichen Pflege vor dem Hintergrund einer Familientragödie im Gewand eines Genrefilms erzählt.

Während ein Mann alles für seine gelähmte Schwester tun würde und dabei nicht mehr zwischen Misshandlung und Fürsorge unterscheiden kann, scheint eine Alieninvasion die Erlösung von allem Leid darzustellen. Was sich in der Theorie schon abstrus anhört, ist auch in der Praxis eine gewagte Genremischung, die jedoch in ihrer metaphorischen Erzählung perfekt zusammenspielt. Das kann man befremdlich finden, aber All The Gods In The Sky ist zweifellos einer der erschütterndsten und innovativsten Beiträge des diesjährigen Festivalprogramms. Regisseur Quarxx macht es niemandem leicht, weder sich noch seinen Figuren noch seinem Publikum!

Veröffentlichungstermin noch unbekannt

Platz 2: Come To Daddy

Elijah Wood hat nach dem Herrn der Ringe alles getan, um abseits des Fantasy-Genres Fuß zu fassen, und dabei auch nicht vor extremen Darbietungen zurückgeschreckt. In Come To Daddy spielt er nun einen Hipster-DJ, der nach langer Zeit seinen Vater besucht. So viel sei verraten: Das Treffen wird frostiger als geplant und gipfelt in einem brutalen Streit. Stephen McHattie als bösartiger Vater ist ein Hit! Doch das ist nocht nicht einmal alles, denn Come To Daddy wechselt in seiner wendungsreichen Geschichte gleich mehrfach das eigene Genre, das zwischen Horror, grotesker Situationskomik und Hitchcock-Spannung schwankt. Ein absolutes Highlight mit doppeltem Boden, über das man im Vorfeld so wenig wie möglich wissen sollte!

Veröffentlichungstermin noch unbekannt

Platz 1: The Lodge

Der Eröffnungsfilm beim 33. Fantasy Filmfest ist zugleich der beste! Das Regieduo Veronika Franz und Severin Fiala aus Österreich liefert nach Ich seh, Ich seh einen weiteren unheimlichen Psychothriller ab! Dieses Mal werden zwei Geschwister mit ihrer neuen Stiefmutter konfrontiert, die eine düstere Sekten-Vergangenheit hat. Ein Aufenthalt über Weihnachten in einem abgelegenen Landhaus soll das Eis brechen, doch dann wird die Familie von einem Schneesturm im Haus eingesperrt.

Wie sich das alles ganz langsam hochschaukelt, wie das Unheimliche in diesen beeindruckenden Bildern die ganze Zeit im Hintergrund brodelt und wie das einmal mehr in einer verstörenden Schlusspointe gipfelt, das mögen viele etwas zu träge erzählt finden, ist aber ganz großes, reifes Psychokino zwischen Hereditary, The Killing of a Sacred Deer und Kubricks The Shining. Bloß keinen Gute-Laune-Film erwarten! 

Kinostart im Winter 2020

 

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Janick Nolting
21.09.2019 - 08:26
  Kultur

Das 33. Fantasy Filmfest findet in sieben deutschen Städten statt.

BERLIN: 04.-15.09.2019

FRANKFURT: 05.-15.09.2019

HAMBURG: 19.-29.09.2019

KÖLN: 12.-22.09.2019

MÜNCHEN: 11.-21.09.2019

NÜRNBERG: 19.-29.09.2019

STUTTGART: 12.-22.09.2019

 

In der Woche vom 23. bis 27.9. sendet mephisto 97.6 eine Sondersendung zum Festival, in der alle Filme aus dem Programm besprochen werden, die demnächst regulär im Kino oder Heimkino erscheinen werden. Weitere Infos erhalten Sie auf unserern Social Media Kanälen.