euro-scene 2018

Ein Schachspiel am Schauspiel

Wenn im Foyer des Schauspiel Leipzig Schach gespielt wird, kann man sich schon fragen, was da los ist. Das Pygmalion Theater aus Wien war bei der euro-scene mit der "Schachnovelle" zu Gast.
Szene aus der Schachnovelle
Szene aus der Schachnovelle

Ob Schauspiel oder Schachpartie, besonders spannend oder überraschend war es nicht, was die zwei Darstellerinnen und fünf Darsteller einem da vorgespielt haben.

Die Rezension zum Nachhören:

Kurzrezension zu "Die Schachnovelle"

Ein aussichtsloses Spiel

Auf der Bühne ein breiter Gang, zu dessen Seiten die Zuschauer sitzen, spielen Männer in Anzügen und Jackets Schach. Es geht darum, den stumpf umherlaufenden Schachprofi zu besiegen. Ein Spiel, das aussichtslos scheint. Frustration der Verlierer, Sekt, Musik, die scheinbar von einem Grammofon kommt und eine schrille Reporterin gehen in einander über. Eine Schachpartie folgt auf die nächste und es wird immer dramatischer. Bis schließlich ein Mann mit weißen Haaren, weißem Anzug und einer viel jüngeren Geliebten im Scheinwerferlicht erscheint. Geirun Tino, der Regisseur dieser Schachnovelle, ist der Mann in weiß. Er setzt sich selbst in Szene und hört auch gar nicht mehr auf damit. Durch seine Hilfe wird der Schachprofi besiegt. Was folgt, ist ein sehr langer Monolog seiner tragischen Vergangenheit. Mit Leidenschaft und Betroffenheit erzählt er seine Geschichte. Eine Betroffenheit, die man in den Gesichtern der anderen Darsteller wiederfindet, jedoch das Publikum eher kalt lässt.

Schachmatt

Schließlich kommt es zu einer letzten Schachpartie, bei der er die Kontrolle verliert. So verschwindet er niedergeschlagen, nachdem er noch einmal eine Schallplatte aufgelegt hat, um dieses Mal sogar selbst zu singen.

Man hat das Gefühl, dass eigentlich nur wiedergegeben wird und wenig Eigenes in dieser Inszenierung zu finden ist. Der Text, die Kostüme, die Kulisse, die Musik, selbst die Sprache will so sein, wie sie zu der Zeit war, in der die „Schachnovelle“ spielt. Es wirkt wie ein Versuch, der scheitert, weil er zu viel will und weil zu wenig wirklich vorhanden ist. Es wird gespielt und man sieht, dass hier eben nur gespielt wird. Eine nachgespielte Vergangenheit, der es an Wahrheit fehlt, die einen berühren könnte.

 

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euro-scene 2018

Dramatisierung, Inszenierung und Musikauswahl: Geirun Tino

Darsteller: Geirun Tino (Dr. B.), Philipp Kaplan (Stefan), Balázs Pohl (McConnor), Daniel Gavris (Der Kellner), Sára Jenike/ Madeleine Steinwender (Das Mädchen), Lisa Kröll (Die Reporterin), Johannes Neubert (Mirko Czentovic)