Natur

Ende des Zaubergartens?

Als Leipziger oder Leipzigerin hat man Glück: Parks und Grünflächen gibt es hier an jeder Ecke. Komplett naturbelassene Flächen sind jedoch selten. Eine davon ist der Zaubergarten in Stötteritz, dessen Erhalt jetzt auf der Kippe steht.
Zaubergarten im Winter
Der Zaubergarten im Winter

An einem kalten Wintermorgen laufe ich durch den Zaubergarten am Rande von Leipzig. Es ist schön mal aus der Stadt rauszukommen und kurz durchzuatmen. Die Luft riecht kalt und frisch. Der Himmel ist blau. Sogar Vögel kann man zwitschern hören. Obwohl die Bäume und Sträucher kahl sind, kann ich mir vorstellen, wie Grün es hier im Sommer ist.

Unberührte Natur 

Naturschutzteich im Zaubergarten

Der Zaubergarten ist eine wunderschöne Grünfläche. Verschiedene Kleingärten sind dort angesiedelt und Tiere und Menschen können sich hier zurückziehen. Ein Naturschutzteich, Insektenhotel und Bienenweiden bieten Tieren – im Gegensatz zur bebauten Stadt – einen guten Lebensraum.

Zum Teil gibt es im Zaubergarten sogar gesetzlich geschützte Bäume und Biotope. Die naturbelassene Fläche steht allen Leipzigerinnen und Leipzigern zur Verfügung. So haben im vergangenen Jahr über 10.000 Menschen den Zaubergarten besucht. Es sind vor allem Kinder, die hierher kommen, meist ganze Schulklassen. Themen wie Pflanzen, Tierhaltung, gesunde Ernährung und erneuerbare Energien werden hier kindgerecht umgesetzt. Der Eintritt ist kostenlos, denn für einen Großteil der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist der Zaubergarten ein Herzensprojekt. Sie arbeiten hier ehrenamtlich.

Neue Bauprojekte

Die Bienenweide im Zaubergarten

Doch damit könnte bald Schluss sein. Wie in vielen anderen Ecken der Stadt auch, sollen auch in Stötteritz neue Wohnungen entstehen. So heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt:

Die Stadt Leipzig hat vor, auf dem ihr gehörenden Teil des Areals eine Oberschule mit Sporthalle [...] zu bauen [...]. Zudem soll der „Zaubergarten“ weitestgehend erhalten [...] werden.

WEP Gruppe & Stadt Leipzig 

Weitestgehend erhalten – klingt ja erst mal gut. Doch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Zaubergartens sind sich da nicht so sicher. Sie befürchten, dass sie einen großen Teil der Grünfläche ganz abtreten müssen. Laut einem Mitarbeiter sähen weitere Pläne der Stadt zwar vor das Wäldchen des Zaubergartens zu erhalten – das schränke die Nutzung allerdings stark ein. Schulklassen sowie Menschen mit Behinderung könnten den Garten dann nicht mehr nutzen, da besonders die ebenen Freiflächen bedroht seien.

Ende der Naturbildung? 

Kinder entdecken spielerisch die Natur im Zaubergarten

Die größte Angst der Mitarbeitenden: Naturpädagogische Programme und Bildung nicht mehr durchführen zu können. Frank Hausen ist Fachanleiter des Zaubergartens und kümmert sich um das Bildungsprogramm mit den Kindern. Ihn würde es besonders hart treffen, Teile des Zaubergartens abzutreten:

Es ist nicht nur die Fläche, die verloren gehen würde. Es sind mittlerweile 10 Jahre in denen Herzblut steckt.

Frank Hausen, Fachanleiter des Zaubergartens

Deshalb haben die Grünen einen Antrag im Stadtrat gestellt, den Zaubergarten komplett zu erhalten. Der Antrag wurde abgelehnt, denn auch der Bau einer neuen Schule sei wichtig für die Stadt Leipzig. Grotesk wird es nur, wenn eine Bildungseinrichtung der anderen weichen muss, meint Norman Volger von den Grünen. 

Nicht jede vorgeschlagene Fläche für einen Schulbau eignet sich eben auch. Und wenn dann eine andere Bildungseinrichtung dafür zerstört werden würde und gleichzeitig die Naturschutzaspekte und die Luftreinhaltungsaspekte eine Rolle spielen, muss man eben ganz eindeutig sagen, dass der Zielkonflikt hier aufseiten des Zaubergartens ausschlägt.

Norman Volger, Umweltpolitischer Sprecher der Grünen 

Rettung in Sicht 

Auch der Umweltbund Ökolöwe setzt sich für den Erhalt des Zaubergartens ein. Mit der Petition „Mehr Grün für Leipzig“ fordern sie, dass die Stadtverwaltung und der Stadtrat Grünflächen besser schützen.

Denn der aktuelle Fall des Zaubergartens ist längst kein Einzelfall mehr. Aufgrund der wachsenden Bevölkerungszahl der Stadt Leipzig müssen immer öfter Grünflächen, Neubauten oder Parkmöglichkeiten weichen. Eine mögliche Lösung:

Wegweiser zu den Bereichen im Zaubergarten

Eine Maßnahme ist, dass bereits versiegelte Flächen wieder bebaut werden und so nicht auf Freiflächen und Grünflächen gegangen werden muss. Dann gibt die multifunktionale Bauweise, das heißt, dass mehrstöckig gebaut werden soll.

Fredericke Lägel, Umweltpolitische Sprecherin des Ökolöwen

 

So könnte das städtische Wachstum und der Schutz von bestehenden Grünflächen in Einklang gebracht und der Zaubergarten am Ende vielleicht gerettet werden.

 

Den Beitrag zum Nachhören findet ihr hier: 

Ein Beitrag von Johanna Stolz
 
 

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