Fantasy Filmfest 2018

Der Gruselkeller im Luxus-Gefängnis

Regisseur Sebastian Gutierrez inszeniert mit dem Science-Fiction-Thriller "Elizabeth Harvest" eine moderne Interpretation von "Rebecca", inklusive überraschendem doppelten Boden.
Szene aus "Elizabeth Harvest"
Elizabeth kann ihrem Ehemann nicht vertrauen

Paradiesische Ruhe, die Glasfassade eröffnet eine wundervolle Aussicht auf die umliegende Landschaft, das Innere des Designer-Anwesens strotzt nur so vor überbordendem Luxus. Dieses Anwesen gehört Elizabeths (Abbey Lee) Ehemann, in das sie nun ebenfalls einzieht. Alles gehöre ihr, verspricht ihr der Gatte, und die Haushälterin Claire wird all ihre Wünsche erfüllen. Nur eine Regel gilt es zu befolgen: Sein geheimes Arbeitszimmer im Keller darf Elizabeth unter gar keinen Umständen betreten. Die neugierige junge Frau schlägt natürlich - Sie ahnen es sicher schon - alle Warnungen in den Wind und öffnet die Tür.

Zwischen Rebecca und Ex-Machina

Der Anfang fühlt sich noch wie eine Neuinterpretation von Daphne du Mauriers Roman Rebecca an. Genau genommen wie ein fast schon peinliches Remake mit aufgesetzt glattpolierter Fassade und einer unsympathischen, naiven Protagonistin. Zumindest gaukelt einem Regisseur Sebastian Gutierrez dieses zunächst ernüchternde Gefühl vor, bevor er einem nach wenigen Filmminuten eiskalt den Boden unter den Füßen wegzieht. Elizabeth Harvest entfaltet nach und nach seine überraschend komplexe und wendungsreich erzählte Geschichte.

Dabei kommt der erste große Paukenschlag beinahe zu früh, denn zu diesem Zeitpunkt fällt es einem schwer, irgendeinen emotionalen Zugang zu dem kammerspielartigen Beziehungsdrama zu finden, das sich dann nach und nach in eine Science-Fiction-Dystopie verwandelt und einmal mehr die Frage nach dem Posthumanen aufgreift. Was genau sich hinter der ominösen Tür verbirgt, soll an dieser Stelle natürlich ein Geheimnis bleiben, aber so viel sei gesagt: Es handelt sich nicht um ein SM-Spielzimmer à la Christian Grey.

Spannendes Psychoduell

Sebastian Gutierrez hat besonders im Mittelteil unwahrscheinlich viel zu erklären. Das lässt leider oftmals einiges an erzählerischer Raffinesse und Subtilität vermissen und raubt dem Film sein anfangs so hohes Tempo. Immerhin sind die Schauspieler rund um Abbey Lee und Game of Thrones - Star Ciaran Hinds mit großer Spielfreude dabei, sodass man dann doch mit Interesse das zwielichtige Treiben verfolgt. Zu den stärksten und spannendsten Momenten zählen jene, in denen Elizabeth hilflos durch das Haus flieht, während sich ihr Umfeld offenbar gegen sie verschworen hat. Vor allem weil hier der geschickte Einsatz von Split Screens einen erfrischenden Perspektivwechsel zwischen Täter und Opfer erlaubt. Elizabeth´s Suche nach der Wahrheit ist mitunter zu konstruiert und versponnen erzählt und neu ist hier sowieso nichts. Unterhaltsam ist dieser optisch stilvolle Sci-Fi-Thriller aber allemal.

Fazit

Elizabeth Harvest hält zum Glück mehr parat als es anfangs scheint. Sebastian Gutierrez versteht es, bekannte Genrezutaten zu einem etwas holprig erzählten, aber kurzweiligen kleinen Thriller zu vereinen.

 

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"Elizabeth Harvest" läuft beim Fantasy Filmfest 2018 und wird in sieben deutschen Städten gezeigt.

Screening-Termine

BERLIN – 07 Sep / 18.15 Uhr
BERLIN – 11 Sep / 22.30 Uhr (WH)
MÜNCHEN – 22 Sep / 14.00 Uhr
HAMBURG – 14 Sep / 18.15 Uhr
KÖLN – 23 Sep / 14.00 Uhr
FRANKFURT – 28 Sep / 18.00 Uhr
NÜRNBERG – 26 Sep / 16.00 Uhr
STUTTGART – 30 Sep / 15.00 Uhr

Der Film wird demnächst von Capelight Pictures auf DVD und Blu Ray veröffentlicht.