Nachbericht MS DOCKVILLE

Angedockt.

Auch in diesem Jahr hat Hamburg auf sein bekanntes Musik und Kunstfestival eingeladen. Mit über 130 Konzerten auf 12 Bühnen und zahlreichen Kunstinstallationen, konnten die Gäste das Wochenende mit toller Industriekulisse genießen.
MS DOCKVILLE
Festivalgelände des MS DOCKVILLE

Vom 16.08. - 18.08. fand die 13. Ausgabe des MS DOCKVILLE statt. Im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg wurde auch in diesem Jahr wieder ausgelassen gefeiert, getanzt und gelacht. Mehr als 50.000 Menschen zog das Festival an, was in diesem Jahr unter anderem mit einem neuen Awarenesskonzept auffuhr: Wenn man sich in irgendeiner Weise belästigt gefühlt hat, haben pinke Discokugeln die Orte gekennzeichnet, an denen Besucher und Besucherinnen Hilfe suchen konnten. Das Awarenessteam hat dafür Sorge getragen, dass Sexismus, Rassismus und Trans-, sowie Homophobie keinen Platz auf dem Festival hatten.

Donnerstag

Es wurde Regen vorausgesagt für das gesamte Festivalwochenende. Pünktlich zum großen Rennen auf die Festivalbändchen am Donnerstagabend ging es damit dann auch tüchtig los. Der Beobachtung nach zu Folge, waren die meisten Besucher und Besucherinnen darauf aber auch bestens vorbereitet. Die ganz großen Fische traten zwar am Donnerstagabend noch nicht auf, aber dafür kleinere Acts wie Yassin, Kalipo oder Ben Böhmer. Ideal also, um anzukommen, sich auf die großen Konzerte einzustimmen und Vorfreude für das Wochenende zu tanken: zu pfeffriger, schneller elektronischer Musik.

MS DOCKVILLE
Kunstwerk des MS ARTVILLE

 

Freitag

Die großen Headliner am Freitag waren unter anderem Pish, Billie Eilish, RIN, Meute, Monolink und Parcels. Da viele Künstler und Künstlerinnen gleichzeitig gespielt haben, musste man zwangsmäßig einige Acts verpassen. Meute, Monolink und Parcels waren dabei für mich aber mehr als überzeugend. Insgesamt war es aus musikalischer Sicht gesehen ein fröhliches, rhythmisch vielseitiges und buntes Programm. Entgegen den Vorhersagen war das Wetter angenehm warm und größtenteils sonnig, sodass den schwingenden Tanzbeinen nichts im Wege stand. Den Anfang machte Pish. Seines Zeichens designierter Sänger von Kakkmaddafakka. Mit seinen lustigen und peppigen Songs, die auch mit melancholischen Liedern verbunden wurden, spielte er ein vielseitiges Repertoire an neuen und alten Songs. Monolink spielte in den Sonnenuntergang hinein und die Stage „Vorschot“ wurde zunehmend voller. Mit seinen unstetigen, elektronischen Beats und seiner atmosphärischen Stimme ein tolles Szenario! Als Meute den Bühnenthron erklomm, war das Vorschot voll. Mit ihren lauten und melodischen Blasinstrumenten hielten die elf Hamburger Hausherren die Zuschauenden mit schnellen Tönen in Atem. Wer bis dato noch nicht getanzt hatte, war jetzt ergriffen. So jedenfalls mein Eindruck. Einen würdigen und für mich einprägsamen Abschluss für den Freitag machte die australische Band Parcels. Die vier Jungs, die mittlerweile in Berlin leben, haben die Zuhörerenden mit ihren lebensfrohen und heiteren Texten erfreut. Ein bisschen nach Beatlesmanier wollte man gar nicht, dass das Konzert zu Ende geht. Man war zum einen froh die Vier gesehen zu haben, zum anderen traurig, dass es dann vorbei war.

MS DOCKVILLE
Auftritt der Parcels

Das MS DOCKVILLE hat nicht nur Musik zu bieten: Über 20 internationale Künstler und Künstlerinnen zeigen ihre Werke in der MS ARTVILLE. Die Open Air Galerie für urbane Kunst stand in diesem Jahr unter dem Motto „morgen“ und stellte sich die Frage: „Wie wollen wir morgen leben?“ Zu diesem Anlass wurden Kunstwerke, Murals und Installationen auf dem gesamten Gelände des MS DOCKVILLE gezeigt.

Samstag

Mit strahlendem Sonnenschein präsentierte sich das DOCKVILLE am dritten Festivaltag. Die Leipziger Künstlerin Martha Van Staaten heizte mit ihren, aus internationaler Volksmusik stammenden Elektrobeats, gehörig ein. Die Stage glich einer Tanzwüste. Der aufgewirbelte Sand schimmerte dabei in der Hamburger Abendsonne. Darauf folgten die Giant Rooks, eine Band aus Hamm. Mit ihren Indie-Pop Balladen haben sie schon andere große Festivals gerockt und passend zu ergreifenden Songs wie Bright Lies oder New Estate fing es in Hamburg an zu tröpfeln. Die raue und starke Stimme von Sänger Frederik Rabe tönte dabei durch den Abend. Monsunartige Regengüsse entwickelten sich daraufhin zu Von Wegen Lisbeth. Die fünfköpfige Band aus Berlin hielt die Zuhörenden aber so sehr auf Trab, dass die Regenfälle die Fülle des Publikums nicht minderten. Viel eher wurde durch den Schlamm getanzt, gesungen und zum Teil geschlittert. Nach dem Konzert war man zwar nass, aber auch gut unterhalten.

MS DOCKVILLE
Auftritt der Giant Rooks

Sonntag

Mein persönliches Highlight beim DOCKVILLE war die österreichische Band Bilderbuch. Diese ließen bis zum Sonnenuntergang am Sonntagabend auf sich warten. Vorher besuchte ich unter anderem Jon Hopkins, einen britischen House und Elektro-DJ, mit dessen Musik man sich angenehm berieseln lassen konnte. Bilderbuch punktete schließlich bei ihrem Auftritt vor allem durch die coole Kleidung und die authentische Show, die voll und ganz zu ihren Liedern passte. Mit skurrilen Geschichten und Texten unterhielten die vier Ösis ihr Publikum. Ich musste vor lauter Ekstase auf der Bühne oft schmunzeln. Die Verzückung von Sänger Maurice Ernst stach aus jeder Pore heraus und wirkte nicht nur beeindruckend smooth, sondern auch ehrlich. Ehrlichkeit mit einem gewissen Augenzwinkern, die nur manche Menschen authentisch vermitteln können. Ich habe viel lachen, singen und tanzen können zu dieser Musik.

MS DOCKVILLE
Auftritt Martha Van Straaten

Fazit:

Ich kann einen Besuch beim MS DOCKVILLE nur empfehlen. Neben einem wohlselektierten Line-Up an internationalen Größen punktet das Dockville vor allem durch sein Kulturprogramm und seine Elektro- und Technofloors. Man kann die ganze Nacht tanzen, wenn man will. Man kann umherwandern und sich zu einer coolen Kulisse das ein oder andere Kunstwerk anschauen. Insgesamt hat mir die Atmosphäre auf dem Festival auch gut gefallen. Die Leute haben sich bei MS DOCKVILLE gut benommen und es herrschte eine freundliche Stimmung. Neben vielen lachenden Gesichtern gab es soweit ich es mitbekommen habe keine Situation von Stress oder Pöbeleien. Abschließend ist noch zu sagen, dass man sich durch die Nähe zur Hansemetropole Hamburg auch mal ein paar Stunden Auszeit gönnen kann, um ans Elbufer, die Reeperbahn oder die Schanze zu fahren. Für Festivalgänger, die Abwechslung mögen, ein absolutes Muss!

 

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Wann? 16.08-18.08.2019

Wo? Hamburg-Wilhelmsburg

Line-Up: Billie EIlish, RIN, Bilderbuch, Parcels, Martha Van Straaten, Giant Rooks, Von Wegen Lisbeth

Webside: http://www.msdockville.de/